Augsburg Ex-SPD-Landtagsabgeordneter will sexuellen Missbrauch vor Gericht einräumen

Der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster während einer Plenarsitzung im Landtag in München - ihm werden eine ganze Reihe sexueller Straftaten vorgeworfen.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster will ein Geständnis zu den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs mehrerer Frauen ablegen.
  • Ihm wird außerdem vorgeworfen, insgesamt mehr als 1300 kinderpornografische Bilder und Videos besessen zu haben.
Von Christian Rost, Augsburg

Linus Förster tritt die Flucht nach vorne an - er will ein Geständnis ablegen. Am kommenden Montag beginnt am Landgericht Augsburg der Prozess gegen den ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten. Er muss sich wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer Frauen, die er auch heimlich gefilmt haben soll, sowie des Besitzes von mehr als 1300 kinderpornografischen Bildern und Videos verantworten. Nach den Angaben seines Anwalts Walter Rubach wird Förster die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor Gericht "im Wesentlichen bestätigen".

Die Anklage wirft dem 52-Jährigen vor, seit dem Jahr 2012 schlafende Frauen missbraucht zu haben, die zum Teil unter dem Einfluss von Medikamenten oder Alkohol standen und sich nicht wehren konnten. Zu den fünf Opfern zählen auch zwei ehemalige Freundinnen des Politikers, der jahrelang jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und auch Bezirksvorsitzender seiner Partei in Schwaben war. Kurz vor seiner Festnahme im Dezember vorigen Jahres legte er seine Ämter nieder und gab das Parteibuch zurück. Seither befindet sich Förster in Untersuchungshaft.

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Eine Augsburger Prostituierte hatte ihn angezeigt, weil er sie beim gemeinsamen Geschlechtsverkehr heimlich filmen wollte. Die Frau entdeckte die von Förster platzierte Kamera, entnahm die Speicherkarte und gab sie nicht mehr heraus, obwohl Förster handgreiflich geworden sein soll, sie brutal auf ein Bett geworfen und an einem Finger leicht verletzt habe. Die Frau wusste nicht, dass sie es mit einem Abgeordneten zu tun hatte; dies kam erst heraus, als sie Anzeige gegen unbekannt erstattete und die Speicherkarte an die Polizei übergab.

Im November 2016 durchsuchten Ermittler dann die Wohnung Försters in Augsburg, sein Büro beim SPD-Unterbezirk und sein Landtagsbüro in München. Mehrere Festplatten wurden dabei sichergestellt.

Auf den Speichermedien befanden sich etliche Filme, die Förster angeblich beim Missbrauch von schlafenden Frauen zeigen. So soll er sich zwei Mal an seiner früheren Lebensgefährtin vergangen haben, nachdem diese jeweils ein starkes Schlafmittel eingenommen hatte. Eine andere Ex-Freundin, die bei einer Gartenparty reichlich Alkohol getrunken hatte, soll er beim Übernachten im Freien ebenfalls sexuell angegangen haben. Mit weiteren Frauen kam es laut Anklage zwar zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr in der Augsburger Wohnung Försters, jedoch soll er stets ohne das Einverständnis seiner Partnerinnen seine Videokamera bei den Treffen eingeschaltet haben.

Die heimliche Filmerei brachte dem Mann auch eine Anzeige einer Schülerin aus Baden-Württemberg ein. Die 20-Jährige hatte er laut Staatsanwaltschaft im September 2016 über eine Internetseite kontaktiert und mit ihr ein erotisches Fotoshooting vereinbart. Dafür sollte die Schülerin 250 Euro erhalten. Förster holte die junge Frau mit seinem Auto am Stuttgarter Hauptbahnhof ab und fuhr mit ihr in ein abgelegenes Waldstück. Dort posierte sie in aufreizenden Posen vor mehreren Kameras, die Förster aufgestellt hatte.

Bei dem Treffen soll er sich auch selbst nackt vor die Kameras gestellt haben und zudringlich geworden sein. Vereinbart war mit der Schülerin, dass er lediglich Fotos von ihr machen sollte. Tatsächlich, davon geht jedenfalls die Anklage aus, ließ er auch bei dieser Gelegenheit seine Videokamera mitlaufen.

Neben diesen Filmen fanden sich auf den Festplatten des Ex-Politikers auch zahlreiche kinderpornografische Bilddateien: 814 Fotos sowie 524 Videos. 354 Dateien zeigen den sexuellen Missbrauch von Kindern im geschätzten Alter von zwei bis zehn Jahren. Bemerkenswert dabei ist, dass der promovierte Politikwissenschaftler lange in der Jugendarbeit in Augsburg aktiv und auch im Vorstand des Stadtjugendrings war.

Wegen der Kinderpornos ist am Landgericht die Jugendkammer für den Fall zuständig. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Verteidiger Rubach bezeichnete es als "Chance" für den Angeklagten, reinen Tisch zu machen. Den wesentlichen Teil der Vorwürfe will Förster auch gestehen, allenfalls in einzelnen Punkten widerspricht er der Anklage. So bestreitet er einen Fall des sexuellen Missbrauchs und will auch nicht in dem Umfang gefilmt haben, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt.

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