Aufnahmelager Zirndorf 500 Betten für 667 Asylbewerber

Menschenunwürdige Zustände in Zirndorf: Das Aufnahmelager in dem fränkischen Städtchen ist überfüllt - Privatsphäre gibt es nicht. Mehr als 100 Asylbewerber teilen sich einen Waschraum, Familien werden auseinandergerissen.

Von Katja Auer und Olaf Przybilla

Im Vorzimmer von Werner Staritz hängen zwei Schilder mit bayerischem Wappen. "Sammellager für Ausländer" steht auf dem ersten, auf dem anderen: "Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber." Beide Schilder sind Geschichte, die Einrichtung im fränkischen Städtchen Zirndorf wechselt öfters mal ihren Namen, und inzwischen ist man bei "Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber" angelangt, das klingt gut.

Am Eingang der früheren Polizeikaserne - man steht vor einem blickdichten Schiebetor neben einem mannshohen Zaun - sieht die Einrichtung allerdings immer noch so aus als wäre sie ein Sammellager.

Dabei ist es so, dass Werner Staritz - er leitet die Einrichtung - sich durchaus bemüht. Er war schon in Zirndorf, als dort sogar der Begriff "Sammellager" eher wie eine Beschönigung klang. In den 1980er Jahren war das, damals mussten Asylbewerber in Zirndorf in Zelten campieren, weil doppelt so viele Menschen im Lager waren als dort Betten stehen. Verglichen damit waren die Verhältnisse später dann fast komfortabel: Jeder Asylbewerber hatte ein Bett, ein Kindergarten konnte eingerichtet werden, auch ein muslimischer Gebetsraum.

Die Teppiche in diesem Raum liegen zwar noch immer, wer ihn aber betritt, sieht Gläubige, die ihre Gebete neben Stockbetten sprechen. Es riecht so, wie es in Sammelschlafzimmern eben riecht. Dem Beamten Staritz ist es sichtlich unangenehm, Gäste durch diese Schlafräume zu führen. "Manchmal", sagt er, fühle er sich in Zirndorf "schon im Stich gelassen".

500 Betten gibt es in der Einrichtung, derzeit schlafen dort 667 Menschen. Mit schlimmen Konsequenzen, sagt Erwin Bartsch. Der Religionspädagoge von der evangelischen Gemeinde in Zirndorf besucht einmal pro Tag die Menschen hinterm Zaun. Dass dort auch noch die Kapelle St. Paul mit Doppelstockbetten ausgerüstet wird, konnte gerade noch verhindert werden.

Aber auch so hält Bartsch die Unterbringung für "menschenunwürdig": Familien werden auseinandergerissen, damit Betten nicht unbelegt bleiben. Zeitweise mussten sich zwei Kinder ein Bett teilen. Für 127 Männer gibt es einen Waschraum - um nicht anstehen zu müssen, behelfen sich viele am Spülbecken.

Es fehle jegliche Privatsphäre, auch für traumatisierte Flüchtlinge, sagt Bartsch. Hauterkrankungen sind verbreitet, schlimmer noch ist der soziale Stress: Wo in einem Zimmer gebetet und geschlafen wird, da steigt das Konfliktpotenzial.

Warum diese drangvolle Enge? Es gibt viele Gründe, sagt Staritz. Als die Zahl der Asylbewerber in den letzten Jahren abnahm, wurden viele Gemeinschaftsunterkünfte - auf die Asylbewerber nach den drei Monaten in Zirndorf verteilt werden - geschlossen.