Aufmarsch von Rechtsextremisten Neonazi Wiese nimmt Landshut ins Visier

Noch aggressiver als die NPD: Seit der Neonazi Martin Wiese wieder auf freiem Fuß und in die Nähe von Landshut gezogen ist, häufen sich dort Aktionen rechter Gruppen. Am Wochenende kam es zur größten Demonstration seit Monaten. Die Kommunalpolitiker sind besorgt, Ostbayern entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz rechtsextremistischer Umtriebe.

Von Wolfgang Wittl, Landshut

Ostbayern entwickelt sich immer mehr zum Schauplatz rechtsextremistischer Umtriebe. Etwa 100 Neonazis sind am Samstag in Landshut aufmarschiert. Die Demonstration war die größte, zu der die rechte Szene in den vergangenen Monaten aufgerufen hatte. Sie bildete den vorläufigen Höhepunkt einer Reihe von Provokationen durch Neonazis.

Landshuts Bürgermeister Thomas Keyßner (Grüne) sprach von einer "Kriegserklärung", auf die sich die Stadt einzustellen habe. Oberbürgermeister Hans Rampf und Landrat Josef Eppeneder (beide CSU) zeigten sich besorgt.

Initiator der Demo war der verurteilte Neonazi Martin Wiese mit dem "Nationalen Bündnis Niederbayern". Seitdem Wiese nach Geisenhausen bei Landshut gezogen ist, häufen sich dort Aktionen rechter Gruppen. Die Demonstration vom Samstag stellten die Neonazis unter das Motto "Linke Gewalt stoppen" und "Runden Tisch gegen Rechts verbieten".

Mehrere hundert Gegner behinderten den Zug durch Sitzblockaden. Zudem bewarfen sie die Demonstranten mit Tomaten. Während einer Blockade schlug ein Mann auf einen Beamten ein. Der Polizist wurde dabei leicht verletzt. Die Beamten nahmen vier Menschen fest, die nach Polizeiangaben überwiegend der linken Szene zuzurechnen seien.

Wiese war 2003 wegen eines geplanten Sprengstoffanschlags auf das Jüdische Zentrum in München zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Seit gut einem Jahr ist er wieder auf freiem Fuß. Wiese versucht nach Angaben von Verfassungsschützern, kleinere, bisher zum Teil untereinander verfeindete rechtsextreme Gruppen, zu einen. Unter dem Dach "Freies Netz Süd" soll er derzeit versuchen, die Szene neu zu strukturieren.

Vergangenen Dienstag hatte Wiese in Landshut Flugblätter mit "eventuell volksverhetzendem Inhalt" verteilt, wie die Polizei vermutet. Sie beschlagnahmte die Dokumente. Am Mittwoch protestierte Wiese mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter vor der Polizeistation; für Samstag rief er zur Demo auf.