Asylbewerber in Dachau Freistaat baut erstmals neuartige Unterkunft

Trostlos wirkt die Asylunterkunft in Dachau. Das soll anders werden, verspricht Horst Seehofer.

(Foto: Toni Heigl)

Asylbewerber in Dachau müssen bislang in maroden Baracken hausen. Nun hat Ministerpräsident Seehofer ein neues Gebäude versprochen, das den Standard von Sozialwohnungen erfüllt. Es wäre das erste seiner Art in Bayern.

Von Wolfgang Eitler

Wer in die Unterkunft für Asylbewerber nach Dachau kommt, weiß ohne Worte, dass er in diesem Land nicht wohl gelitten ist. Denn das Gebäude ist ein Symbol der Abschreckungspolitik. In engen und dunklen Gängen reiht sich Zimmer an Zimmer. Hier gibt es keine Chance auf wenigstens etwas Privatheit. Dazu kommt noch der marode Zustand der Baracken aus Holz.

Der Arbeitskreis Asyl kümmert sich seit den Achtzigerjahren ehrenamtlich um die vielen Menschen, die dort wohnen mussten und müssen. Ohne ihn wäre das Leben im Niemandsland zwischen der Großen Kreisstadt und der Gemeinde Karlsfeld an einer Bundesstraße als Autobahnzubringer und in der Nähe einer großen Abfallentsorgungsanlage noch unerträglicher.

Seit mehreren Jahren versuchen Kommunalpolitiker quer durch die Parteien und Fraktionen des Dachauer Stadtrats und des Kreistags, die bedrückende Lage der Asylbewerber und Flüchtlinge in den maroden Holzbauten zu verbessern. Diese Woche gelang der Durchbruch: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und seine beiden Parteifreunde, der Dachauer Landrat Hansjörg Christmann und der Dachauer Oberbürgermeister Peter Bürgel, einigten sich darauf, ein neues Gebäude für die Asylbewerber zu errichten, das den Standard von Sozialwohnungen erfüllt. Es wäre das erste seiner Art in Bayern.

Auf einem Treffen der bayerischen CSU-Oberbürgermeister mit Seehofer, hatte Bürgel im Juni den unhaltbaren Zustand in dem Dachauer Asylbewerberheim geschildert. Wie er berichtet, habe Seehofer daraufhin erklärt, dass er diese Einschätzung teile und daraufhin sofort entschieden: "Jetzt werden neue Wege gegangen." Die beiden haben sich auf den Neubau des Asylbewerberheims geeinigt, das nicht mehr den Charakter eine Sammelunterkunft besitzen soll.

"keine Kapazitätsausweitung"

Unter den 150 Bewohnern befinden sich vor allem alleinerziehende Frauen mit Kindern, die sich nur schwer integrieren können, solange sie dort wohnen. Vor einigen Tagen hat der Arbeitskreis Asyl in einem Brandbrief an den Freistaat die bedrückende Lage der Kinder geschildert. Sie brauchen ein besseres Umfeld. "Viele sind in Dachau geboren." Der Arbeitskreis fordert insgesamt eine andere Politik für die Asylbewerber, die ihnen die Chance auf ein besseres Leben eröffnet. Sie benötigen strukturelle Hilfe, die über das hinausgeht, was ehrenamtliches Engagement leisten oder an Problemen ausgleichen kann.

Wie die bayerische Staatskanzlei mitteilt, ist diese Entscheidung Seehofers auf einem Treffen bayerischer Landräte zum Thema Asylpolitik am vergangenen Mittwoch nochmals bekräftigt worden. Die Regierung von Oberbayern als zuständige Behörde habe von Ministerpräsident Seehofer den Auftrag erhalten, diesen Neubau zu planen und zu realisieren.

Die Stadt Dachau bereitet schon ein Grundstück vor, das sich in der Nähe der jetzigen Baracken befindet. Über Größe und Kosten konnte die Regierung von Oberbayern am Freitag noch nichts Näheres mitteilen. Staatskanzlei und Stadt Dachau haben aber vereinbart, dass es "zu keiner Kapazitätsausweitung kommt".

Dieser Neubau hilft also nicht, das Problem des wachsenden Zuzugs von Flüchtlingen auch im Landkreis Dachau zu lösen. Ein leer stehendes Pflegeheim in der Gemeinde Hebertshausen allein reicht nicht aus. Jetzt sind die 17 Gemeinden vom dortigen Bürgermeister Michael Kreitmeir aufgefordert worden, sich mit ihm solidarisch zu zeigen und ausreichend Unterkünfte anzubieten.