Asyl Flüchtlingshelfer lehnen Ehrung im Landtag ab

Landtagspräsidentin Barbara Stamm lädt zum Empfang.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Es ist ein Fernbleiben aus Protest: Die Regierung verhindere mit ihrer Asylpolitik die Integration eher, als sie voranzutreiben.

Von Lisa Schnell

Sylvia Huber hat die Einladung im August bekommen. Der Landtag wolle sie ehren für ihr Engagement als Flüchtlingshelferin, las sie dort. Kommenden Samstag will Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Helfern "ein herzliches Dankeschön" aussprechen. Auf einen "feuchten Händedruck" aber kann Huber verzichten. Sie wird nicht kommen. Manche in ihrem Helferkreis "Aktion Anker Donauwörth" haben die Einladung sogar im Abfall entsorgt.

"Für was will uns die Staatsregierung danken? Dass wir die Steine, die sie uns in den Weg legt, zur Seite schaffen?", fragt Huber. In ihren Augen verhindert die Regierung Integration eher als sie voranzutreiben. Das erlebe sie jeden Tag. Gerade sucht sie verzweifelt Wohnungen für Flüchtlinge, die in eine große Gemeinschaftsunterkunft verlegt werden, fort von dem Ort, an dem sie sich schon integriert hatten. Anstatt das Ehrenamt anzuerkennen, würde die Staatsregierung es durch solche Regelungen "sabotieren", sagt Huber.

Auch Helfer brauchen Hilfe

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Es ist zwar nicht die Staatsregierung, die am 1. Oktober etwa 1000 Flüchtlingshelfer ins Maximilianeum lädt, sondern der Landtag. Die meisten Landtagsabgeordneten aber sind von der CSU. Deren Generalsekretär Andreas Scheuer sagte gerade, das "Schlimmste" sei ein "Fußball spielender, ministrierender Senegalese". Für Margarete Bause (Grüne) bekommt der Ehrenamtsempfang von Landtagspräsidentin und CSU-Mitglied Barbara Stamm ein "Glaubwürdigkeitsproblem".

Markus Rinderspacher (SPD) sagt: "Der Schaden, den Herr Scheuer angerichtet hat, ist immens." Ihn bekommt jetzt wohl auch Stamm zu spüren. Zwar mahnte sie Scheuer zur "Mäßigung", betonte, die Würdigung der Ehrenamtlichen sei ihr ein "persönliches Anliegen", doch für viele Flüchtlingshelfer reicht das offenbar nicht.

Aus dem Landtag heißt es zwar, offiziell seien noch keine Absagen eingegangen. Sylvia Huber aber hat sich in ihrem Helferkreis umgehört. Von den etwa 80 Leuten fährt wohl kaum einer. Auch der Helferkreis Mammendorf wird laut seinem Sprecher Günter Mairhörmann nicht kommen. Viele, die sich "bis unter die Haarspitzen für die Flüchtlingsarbeit" engagieren, fühlten sich von Scheuers Aussagen "persönlich angegriffen", sagt er.

"Stell dir vor, es ist ein Empfang und keiner geht hin"

Donauwörth, Jesenwang, Mammendorf, Eichenau - wer sich an einem Tag umhört, bekommt viele Flüchtlingshelfer ans Telefon, die den Empfang aus Protest schwänzen. "Stell dir vor, es ist ein Empfang und keiner geht hin", das ist die Vision von Sigi Walter aus Jesenwang. Etwa fünf Stunden am Tag kümmert sich der Rentner um Asylbewerber.

Anerkennung besteht für ihn nicht aus Sekt und Häppchen. Anerkennung wäre in seinen Augen, wenn von der Politik das Signal käme, dass Integration gewollt ist. Wenn die Landratsämter dazu angehalten werden, mit Flüchtlingshelfern zusammenzuarbeiten, sagt Klaus Herpfer vom Asylkreis Donauwörth. "Wie kann uns eine Regierung einladen, die immer nur gegen uns redet?", fragt er sich.

Statt in den Landtag wird er am Samstag nach Landsberg am Lech fahren. Genau wie Sylvia Huber und Sigi Walter. Die "Integrationshilfe Lläuft" hat dort Flüchtlingshelfer zum Warnstreik aufgerufen. Statt "Flüchtlings-Bashing" zu betreiben, solle die Regierung für ein "weltoffenes Bayern" eintreten, sagt Initiator Raffael Sonnenschein. Er rechnet mit 200 Teilnehmern. Dem Landtag wollten sie die Party aber nicht vermiesen. Ihr Termin stand schon lange vor dem Empfang. Prosecco gibt es in Landsberg nicht. Viele Flüchtlingshelfer fühlen sich dort aber offenbar trotzdem wohler.

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