Architektur in BayernAls das Gemeinwohl noch eine Rolle spielte

Der Wohnungsmangel begleitet Bayern schon lange. Aber in der Vergangenheit fand das Land darauf bessere Antworten, wie eine Ausstellung in München zeigt.

Die Zahlen sind enorm. 1,9 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene brauchen eine Unterkunft. In einem Land, in dem Hunderttausende ihr Zuhause verloren haben. Die Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg war allein in Bayern gewaltig. Und zwar über viele Jahre. Noch 1956 fehlten in Bayern 440 000 Wohnungen für eine Million Menschen.

In Zeiten, in denen in Deutschland wieder Wohnungsnot herrscht - nicht vergleichbar mit jener damals, aber doch so elementar, dass sie Sprengstoff für die Gesellschaft birgt -, lohnt es, daran zu erinnern, dass dieses Problem hierzulande nicht nur bekannt sein müsste, es wurde im vergangenen Jahrhundert auch schon gelöst. Zwar lassen sich die Strategien nicht einfach übertragen, dafür hat sich die Welt und wie gebaut wird, dann doch zu stark verändert. Aber es geht um die Haltung: Will der Staat, dass seine Bevölkerung, also alle, die hier leben, ein würdiges Zuhause haben? Dann muss er selbst dafür sorgen und darf es nicht dem Markt überlassen.

Im Bild: Parkstadt Bogenhausen, Matthä Schmölz, Helmut von Werz und Johann Christoph Ottow, Hans Knapp-Schachleitner, Johannes Ludwig und Franz Ruf (Gesamtplanung), 1954-1956

24. März 2018, 12:522018-03-24 12:52:22 © SZ vom 15.03.2018/amm