Antrag SPD will Konsumräume

In Nürnberg soll Modellprojekt für Drogensüchtige entstehen

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat nicht nur einmal klargestellt, was sie und ihre Parteifreunde von sogenannten Drogenkonsumräumen halten: rein gar nichts. Die Nürnberger SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Weikert indes beeindruckt das offenbar wenig. Sie hat nun einen neuen Anlauf für die Einrichtung eines Drogenkonsumraums in ihrer Heimatstadt gestartet - als Modell für weitere solcher Projekte im Freistaat. "Die Staatsregierung darf nicht aus ideologischen Gründen als einzige die Faktenlage ignorieren und damit Menschenleben aufs Spiel setzen", betonte Weikert.

Bayernweit starben im vergangenen Jahr mehr als 320 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums, die meisten von ihnen durch Überdosierung. In Nürnberg, so die Erkenntnis der zurückliegenden Jahre, schwankt die Zahl der Drogentoten zwischen 25 und 30 Personen pro Jahr. Auch Gesundheitsministerin Huml sieht diese Entwicklung als "besorgniserregend" an, vor allen Dingen den Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang mit sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen, die auch als "Legal Highs" oder verharmlosend als "Badesalz" bezeichnet werden. Was indes die Einrichtung von Drogenkonsumräumen betrifft, die mittlerweile auch der bayerische Bezirketag für sinnvoll erachtet, beansprucht die Ministerin nach wie vor für sich "gute Gründe für die Ablehnung". Sie befürchtet insbesondere, dass die Konsumräume "den illegalen Drogenhandel anziehen und zu vermehrter Handelsaktivität in der Umgebung" führen könnten.

Diese Argumentation sieht die SPD-Sozialpolitikerin Weikert nun durch eine aktuelle Befragung widerlegt, die die Mudra Drogenhilfe deutschlandweit durchgeführt hat. In manchen der Konsumräume könnten neben Heroin, Kokain, Speed und Heroin-Kokain-Cocktails unter anderem auch Crack, Crystal sowie Substitute kontrolliert zu sich genommen werden. Durch Drogenkonsumräume, so heißt es in der Studie, sei nicht nur die Zahl der Drogentoten zurückgegangen, sondern auch "eine Entlastung des öffentlichen Raumes" durch "die Vermeidung offener Drogenszenen" feststellbar. "Mit dieser Befragung hat das Versteckspiel hinter Scheinargumenten ein Ende", sagt Weikert. Huml hält dagegen, in Bayerns großen Kommunen gebe es ausreichend "Netze von niedrigschwelligen Hilfen für Suchtkranke".