Ansbach 38-Jähriger nach Messerattacke auf schwangere Verlobte vor Gericht

  • Im Mai 2017 soll Mohammed G. im mittelfränkischen Neuendettelsau seine Verlobte mit einem Messer angegriffen haben.
  • Die Frau überlebte wohl nur, weil ein Passant eingriff. Ihr ungeborenes Kind starb in Folge der Attacke.
  • Mohammed G. muss sich nun wegen versuchten Totschlags und einem besonders schweren Fall von Schwangerschaftsabbruch am Landgericht Ansbach verantworten.
Aus dem Gericht von Olaf Przybilla, Ansbach

Dem 85 Jahre alten Passanten muss sich ein furchtbares Bild geboten haben. Vor einer Parkbank im Zentrum der mittelfränkischen Gemeinde Neuendettelsau sticht ein Mann an einem Nachmittag im Mai 2017 auf eine Frau ein. Mit einem Messer verletzt er sie am Kopf, am Oberkörper und an den Armen, mindestens acht Mal trifft er die Frau schwer.

Was der Passant nicht wissen kann in dem Moment: Bei der Frau handelt es sich um die Verlobte des Angreifers, sie ist zu dieser Zeit im vierten Monat schwanger. Wenn es stimmt, was die Ermittler rekonstruiert haben, so hat die Frau, eine aus Äthiopien stammende Asylbewerberin, die Attacke wohl nur deshalb überlebt, weil der Passant beherzt eingriff: Mit einer Aktentasche schlug er dem Mann mit dem Messer in der Hand mehrmals gegen den Kopf, bis der von der schwer verletzten Frau abließ.

Gewalt gegen Frauen ist Gewalt von Männern

Frauen werden in der Öffentlichkeit sexualisiert und als Opfer marginalisiert. Der Fall Weinstein zeigt, wie die Sprache frauenfeindliche Strukturen in unserer Gesellschaft verfestigt. Kommentar von Julian Dörr mehr ... Das Beste aus 2017

Nach mehreren Operationen überlebte die Frau; ihr ungeborenes Kind aber starb in Folge der Attacke, weshalb sich Mohammed G. seit Montag wegen versuchten Totschlags und einem besonders schweren Fall von Schwangerschaftsabbruch am Landgericht Ansbach verantworten muss. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass der ebenfalls aus Äthiopien stammende Angeklagte in den Tagen vor der Tat den Eindruck bekommen hat, dass seine damalige Verlobte ihn nicht heiraten möchte. Auch von der Schwangerschaft soll G. gewusst haben.

An jenem Tag auf der Parkbank soll es dann zum Streit gekommen sein. Angeblich soll G. seine Verlobte gefragt haben, ob sie glaube, über seine Religion bestimmen zu können. Laut Anklage ist danach alles ganz schnell gegangen: G. soll ein Küchenmesser gezogen, auf seine Verlobte eingestochen und auch nicht von ihr abgelassen haben, als sie bereits schwer verletzt am Boden lag. Erst als der 85-Jährige ihm mit der Tasche gegen den Kopf schlug und sich ein zweiter Mann dem Tatort näherte, soll G. das Küchenmesser weggeschmissen haben und geflüchtet sein. Kurz darauf ließ er sich widerstandslos festnehmen.

Der 38-Jährige hält sich die Hände vors Gesicht, seinen Anwalt lässt er eine Erklärung abgeben. Er habe für ein "freies Äthiopien gekämpft", 2014 sei er deshalb geflohen und 2015 mithilfe von Schleusern nach Deutschland gekommen. Seine Verlobte habe er über Facebook kennengelernt, sie sei auch geflohen, er habe ihr "immer geholfen". An besagtem Tag im Mai 2017 will er anderthalb Liter Rotwein getrunken haben.

Auf der Bank sei es dann zu einem Disput darüber gekommen, warum sie später als verabredet aus Würzburg zurückgekommen sei. Seine Verlobte habe ihn gefragt, ob er sie "kontrollieren" wolle und habe ihm eine Ohrfeige verpasst. Danach könne er sich nur noch daran erinnern, dass er ein Messer in der Hand gehabt hat. Er habe aber, das wisse er, "einen großen Fehler begangen". Und er wisse auch, dass er sich dafür nun wird verantworten müssen.

Die 32-Jährige wurde noch in Neuendettelsau notoperiert, in Erlangen musste sie weitere vier Operationen über sich ergehen lassen. Erst drei Monate nach der Tat konnte sie zum ersten Mal vernommen werden. Im Verfahren ist sie Nebenklägerin. Insgesamt sollen in dem Prozess 17 Zeugen zum Geschehen mitten in Neuendettelsau befragt werden.

Anmerkung der Redaktion

In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.