Von Uwe Ritzer

Er handelte unter Lebensgefahr: Während der Attentäter noch im Gebäude war, löschte der 18-järige Johannes Knoblach das Feuer, rief die Polizei - und wollte dem Täter erste Hilfe leisten.

Am Abend stand Johannes Knoblach, 18, im Ansbacher Theater auf der Probebühne. Ganz so, als hätte er nicht wenige Stunden zuvor im Zentrum eines dramatischen Geschehens gestanden. Und als hätten ihn in der Zwischenzeit nicht Minister, Polizei, Staatsanwaltschaft und sein Schulleiter unablässig gelobt für seinen Mut und seine Zivilcourage.

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Ansbach: Am Tag nach dem Amoklauf im Gymnasium legen Schüler Blumen nieder. (© Foto: AP)

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Denn ohne Knoblachs schnellen, beherzten Einsatz wären die Folgen des Amoklaufs am Ansbacher Gymnasium Carolinum vermutlich weit schlimmer gewesen, als sie es ohnehin schon sind.

Als erster alarmierte der angehende Abiturient von seinem Handy aus Polizei und Rettungsdienste. Dann löschte er das Feuer, das der Täter mit Molotow-Cocktails im dritten Stock des Schulhauses gelegt hatte. Der war zu diesem Zeitpunkt noch schwer bewaffnet auf derselben Etage unterwegs.

"Mir kam ein Schüler mit entblößtem Oberkörper entgegengerannt, er sagte nichts, keinen Ton", schilderte Knoblach der Fränkischen Landeszeitung die ersten Sekunden des Amoklaufs. "Offenbar hatten seine Kleider gebrannt und er hatte sie sich heruntergerissen."

Dann habe einer geschrien, jemand werfe Molotow-Cocktails - der mutmaßliche Amokläufer Georg R. hatte zwei Brandsätze in das Zimmer der Klasse 10 b geworfen. Während seine Mitschüler flohen, rannte Knoblach die Treppe hinauf. Er rollte vom Notfall-Hydranten an der Wand den Schlauch ab und drehte den Wasserhahn auf, binnen Minuten hatte er das Feuer gelöscht.

Das sei "nur eine kleinere Sache" gewesen, sagte er hinterher. Davonlaufen sei für ihn nicht in Frage gekommen. "Für mich war klar, dass ich helfe." So etwas lerne man schließlich in der Freiwilligen Feuerwehr.

Der gehört der Gymnasiast in seinem Heimatort Herrieden seit 2001 an, seit seinem 18. Geburtstag dem aktiven Trupp. Kommandant Gerhard Roch schildert Knoblach als "recht besonnen und überlegt handelnden Menschen, der ganz genau das umsetzt, was man ihm beigebracht hat".

Der 18-Jährige handelte dabei unter Lebensgefahr. Während er die Flammen löschte, hatte sich der Attentäter wenige Meter entfernt in der Toilette verschanzt, wo ihn die Polizisten schließlich stellten und niederstreckten. "Ich habe die fünf Schüsse gehört", sagt Knoblach. Erst danach habe er bemerkt, dass es sich um einen Mitschüler handelte.

R. habe sehr stark geblutet, schildert Knoblach. Er lief sofort los, um Verbandsmaterial zu holen. Dazu kam es nicht mehr; nachrückende Polizisten schickten ihn aus dem Haus.

Kommende Woche soll Johannes Knoblach für seinen Einsatz eine Auszeichnung des Innenministers erhalten. Demnächst steht er ein weiteres Mal im Rampenlicht, als Laienschauspieler in Ansbach. In einer Nebenrolle bei Molieres Stück "Der Geizige".

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(SZ vom 19.09.2009/bica)