Alkohol In Regensburg wird die Weghalbe bekämpft

Außerhalb Bayern ist die Weghalbe als "Fußpils" bekannt.

(Foto: photocase)

Mit der Kampagne "Saufen beim Laufen" wollen Gastronomen ihre Kunden davon überzeugen, dass es viel cooler ist, drinnen gegen Geld zu trinken.

Kolumne von Andreas Glas

Der Alkohol ist ja ein Volksgetränk, das theoretisch in verschiedenen Körperhaltungen eingenommen werden kann. Lediglich in der Praxis scheiden bestimmte Posen aus. In Chicago etwa soll es angeblich verboten sein, Alkohol im Stehen zu trinken. Am Ballermann-Strand war es lange Zeit üblich, sich mittels Plastikeimern und meterlangen Strohhalmen bequem in liegender Position abzuschießen. Das hatte den Vorteil, dass man schon liegt, wenn es einen umhaut - ist inzwischen aber trotzdem verboten. Und in Regensburg? Wollen sie auch noch das Saufen im Gehen abschaffen.

"Saufen beim Laufen", heißt die Aktion mehrerer Regensburger Altstadtgastronomen. "Laufen" ist in diesem Fall hochdeutsch und lässt sich mit dem bairischen "gehen" übersetzen. Es geht um das Ritual der "Weghalbe", die außerhalb Bayerns auch "Fußpils" heißt. Man geht also zum Feiern in die Stadt und schraubt sich auf dem Weg das ein oder andere Bier rein, um während des Fußmarschs nicht zu dehydrieren. Das stört die Regensburger Gastronomen, die in der Weghalbe nach eigener Aussage den "Trend" vermuten, "schnell und günstig einen Rausch zu bekommen und bereits angeheitert und somit vielleicht auch selbstbewusster und 'cooler' in der ersten Bar anzukommen".

Funktioniert ja immer total gut, wenn Erwachsene den jungen Leuten erklären, was cool ist. Deshalb kleben die Regensburger Gastronomen Plakate, schicken "Promotion-Teams" los und fahren Social-Media-Kampagnen, die dafür werben, dass es "ganz und gar nicht cool und erwachsen, sondern lächerlich und bemitleidenswert" ist, draußen auf der Straße zu trinken und zu grölen. Subtext: Benehmt euch wie Erwachsene und gebt euer Geld bei uns in der Kneipe aus! Das ist cool, das hat Stil!

Die Kampagne, sagen die Kneipenwirte, sei natürlich "etwas überspitzt". Man wolle "mit einem Augenzwinkern" zeigen, wie sich "eine wahre Lady und ein echter Gentleman" benehmen. Entsprechenden Anschauungsunterricht gibt es derzeit auf den Christkindlmärkten in der Altstadt. Dort wird der Glühwein nicht im Gehen konsumiert, sondern stilecht im Stehen. Ladies and Gentlemen, Prost! Auf die guten Sitten!

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