Affäre um Christine Haderthauer Zwei verdächtige Überweisungen

Staatskanzleichefin Christine Haderthauer: Wie tief ist die CSU-Politikerin in die Modellbau-Affäre verwickelt?

(Foto: dpa)

Bislang hatte Staatskanzleichefin Christine Haderthauer beteuert, seit 2003 nicht mehr für die Modellauto-Firma ihres Mannes aktiv gewesen zu sein. Doch offenbar wurden noch 2008 Geldtransfers über ihr Konto abgewickelt. Die CSU-Politikerin sagt, sie habe die Summe nur ausgelegt.

Von Mike Szymanski

Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) war womöglich tiefer in die fragwürdigen Geschäfte ihres Mannes mit Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern gefertigt wurden, verwickelt, als bislang von ihr angegeben. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollen 2008 noch Zahlungen an die CSU-Politikerin geflossen sein, die als Betriebsausgaben der Firma Sapor Modelltechnik verbucht wurden. Es geht um zwei Überweisungen, deren Gesamthöhe beläuft sich auf 5500 Euro. In dem Jahr wurde Haderthauer Ministerin. Dieser Vorgang würde ihrer Darstellung widersprechen, seit ihrem Ausscheiden als Gesellschafterin 2003 mit der Firma ihres Mannes nichts mehr zu tun gehabt zu haben.

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Als Verwendungszweck war angegeben: PR IN Projektbetreuung laut Werkvertrag. Christine Haderthauer erklärte, eine PR-Firma sei für das Unternehmen ihres Mannes tätig gewesen. "Die Zahlung der Rechnung an PR-IN wurde zunächst von meinem Konto ausgelegt und mir danach vom Geschäftskonto der Sapor-Modelltechnik erstattet. Dies ist ein alltäglicher Vorgang, der in jedem Kleinunternehmen mal vorkommt."

Für diesen Vorgang interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft München II. Sie will gegen Haderthauer wegen des Verdachts des Betruges ein Ermittlungsverfahren einleiten. Im Landtag läuft bereits ein Verfahren, an dessen Ende die Aufhebung ihrer Immunität als Abgeordnete stehen könnte. Den Ermittlern geht es konkret um die Frage, ob die Haderthauers möglicherweise einen früheren Geschäftspartner, den französischen Unternehmer Roger Ponton, bei dessen Ausstieg aus der Firma über den Tisch gezogen haben. Ponton sieht sich von den Haderthauers falsch über Gewinne der Firma informiert. Er hatte sich 2011 bei einem Vergleich mit 20 000 Euro zufrieden gegeben.

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Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler könnte der tatsächliche Wert seines Anteils im Jahr 2008 bei 53 000 Euro gelegen haben. Die Haderthauers werden verdächtigt, ihrem früheren Partner Unterlagen nur unvollständig vorgelegt zu haben. Darüber hinaus wollen die Strafverfolger dem Verdacht nachgehen, dass in den Gewinnermittlungen für die Jahre 2007 und 2008 etwa 140 000 Euro aus dem Verkauf von Modellautos nicht erfasst wurden. Sie hatten im Bezirkskrankenhaus Straubing, wo die Straftäter die Modelle fertigten, Dokumente sichergestellt und mit der Buchhaltung von Haderthauers Firma abgeglichen. Dabei kam es offenbar zu den Unstimmigkeiten. Geschätzt könnte Ponton dadurch um mehr als 70 000 Euro geprellt worden sein.

Zudem stießen die Ermittler bei einer Durchsuchung des Privathauses der Haderthauers im Mai auf Abrechnungen von Reisekosten im Jahr 2007, die für eine zweite Person neben Hubert Haderthauer geltend gemacht wurden. Es ging um eine Reise in die Türkei und eine Reise nach Paris. Die Ermittler sehen Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei der zweiten Person um Christine Haderthauer gehandelt haben könnte. Sie halten die Ausgaben zudem für betrieblich nicht veranlasst und damit zum Nachteil von Ponton.

Nach SZ-Informationen hat Hubert Haderthauer gelegentlich seine Tochter mit auf Reisen genommen, wenn es darum ging, gleich mehrere der kostbaren und empfindlichen Automodelle sicher zu transportieren. Die Staatsanwaltschaft will im angestrebten Ermittlungsverfahren klären, inwieweit sich die Vorwürfe gegen die Haderthauers erhärten oder entkräften lassen.

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Obwohl Ministerpräsident Horst Seehofer ihr am Dienstag demonstrativ den Rücken stärkte und sie im Amt beließ, rumort es in der Staatsregierung und in der Partei. Ein CSU-Politiker sagte, es werde sehr schwierig, Haderthauer weiter im Kabinett zu halten. Haderthauer bedankte sich am Mittwoch in einem Brief an die Fraktionskollegen für die "große Solidarität". "Ich versichere Euch, der Vorwurf ist nicht haltbar", schrieb sie weiter. Sie sieht sich als Opfer einer "Diffamierungskampagne" und fordert Geschlossenheit ein. Der SZ sagte sie, sie sei überzeugt, alle Vorwürfe entkräften zu können. Zwar sei es "für niemanden schön", wenn gegen ihn ermittelt werde, "was die konkreten Vorwürfe angeht, habe ich mir aber nichts vorzuwerden." Einem von der Opposition geplanten Untersuchungsausschuss sehe sie gelassen entgegen. "Dann kommt vieles auf den Tisch, was die Vorwürfe in sich zusammenfallen lässt." Grüne, SPD und Freie Wähler sind sich im Grunde einig, dass sie den Ausschuss wollen, streiten aber über Zeitpunkt und konkreten Inhalt.