Ablehnung im Landtag Lehrer werden nicht in sexueller Vielfalt ausgebildet

Die CSU im Bayerischen Landtag sieht keinen Bedarf für Lehrer-Fortbildungen im Bereich Akzeptanz und sexuelle Vielfalt.

"Bayern ist in diesem Punkt Entwicklungsland": Die Grünen wollen die Themen Akzeptanz und sexuelle Vielfalt besser in den Schulen integrieren. Doch die CSU stoppt einen entsprechenden Vorstoß im Landtag - mit einer Begründung, die der Opposition zu simpel erscheint.

Sexuelle Vielfalt wird an Bayerns Schulen kein Bildungsziel. Die CSU lehnte am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags einen von den Grünen geforderten Aktionsplan für Antidiskriminierung, Gleichstellung und Akzeptanz sexueller Vielfalt ab.

Auch eine Evaluation der Sexualerziehung wird es nicht geben, ebenso wenig verpflichtende Aus- und Fortbildungen zum Thema Sexualität und der Akzeptanz von Unterschieden bei Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung und sozialer Herkunft. Die Grünen hatten das in ihrem Antrag für Lehrer, Schulpsychologen, Sozialarbeiter sowie Erzieherinnen und Erziehern gefordert.

In Baden-Württemberg hat die grün-rote Landesregierung die sexuelle Vielfalt als Bildungsziel eingeführt. "Das war für uns auch ein Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen", sagte Grünen-Schulexperte Thomas Gehring. Der schwäbische Abgeordnete wies das CSU-Argument zurück, in Bayern gebe es keinen Nachholbedarf bei dem Thema: "Natürlich gibt's da irgendwo ein Projekt. Uns ging es darum, herauszufinden, wie das in der Fläche aussieht." Die SPD stimmte dem Antrag nach Gehrings Angaben zu, die Freien Wähler enthielten sich.

Kirchen wehren sich gegen sexuelle "Indoktrination"

Der Widerstand gegen den geplanten Sex-Toleranz-Unterricht in Baden-Württemberg wächst. Nun sprechen sich auch die Landeskirchen dagegen aus, in der Schule künftig über sexuelle Identität zu sprechen. Kinder und Jugendliche dürften in dieser Frage nicht beeinflusst werden. mehr ...

Im Januar hatte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im Rahmen dieser Debatte gesagt, das Thema Homosexualität sei laut bayerischem Lehrplan bereits "eingebettet in die Werteerziehung". "In diesem Zusammenhang sind die Toleranz und der Respekt vor der Würde des Menschen - unabhängig von der Lebensform - zentral", hieß es in einer Mitteilung seines Ministeriums.

Das sah die Opposition ganz anders: "Bayern ist in diesem Punkt Entwicklungsland", kritisierte die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm. Solange das Schimpfwort "schwule Sau" das häufigste in der Schule sei, herrsche Handlungsbedarf.