In der CSU gibt es kaum noch Hoffnung auf 50 Prozent plus X, die Planspiele gelten dem Tag danach.
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Die CSU formiert sich - für die Zeit danach. Foto: dpa
Wenn es um die Macht geht, dann fackelt die CSU nicht lange. Dann geht sie mit einer Brutalität vor, die andere Parteien oft staunen lässt und die vor dem eigenen Führungspersonal schon gar keinen Halt macht.
Selbst wenn die CSU in den vergangenen Jahren das Gespür für Bayern verloren hat, die Energien für die eigene Selbsterhaltung sind immer noch sehr vital. Das zeigt sich gerade darin, wie die Parteioberen versuchen, der vorhersehbaren Wahlschlappe am Sonntag zu begegnen.
Überall im Land klingeln derzeit die Telefone von einflussreichen CSU-Leuten, die dafür gewonnen werden sollen, sich Alternativen zum Führungsduo auszudenken. Ehemalige Parteigrößen fühlen sich berufen, ordnend einzugreifen und zu sondieren, wer als möglicher Kandidat - statt Günther Beckstein - für das Amt des Ministerpräsidenten in Frage käme.
Selbst wichtige Funktionäre in der Partei haben das immer wieder proklamierte Wahlziel von 50 plus X bereits aufgegeben. Sie rechnen mit einem kräftigen 50 minus X und setzen nun nur noch darauf, die "Grundsubstanz der CSU", die absolute Mehrheit zu verteidigen.
Und deswegen formieren sich jetzt die Bataillone. Die einen sehnen eine schnelle Veränderung an der Führungsspitze von Land und Partei herbei. Sie setzen auf den Wahlschock der sieggewohnten CSU-Leute, die gar nicht wissen, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen.
In diesem Chaos könnte die Partei nach Radikallösungen suchen: mal eben Erwin Huber gegen Horst Seehofer auswechseln, und wenn Beckstein da nicht mitmachen will, dann muss eben auch er gehen. Dann könnte man einen kühnen Neustart wagen. Europaminister Markus Söder könnte einer solchen Chaostheorie sicher etwas abgewinnen.
Andere hätten gern den behäbigen Innenminister Joachim Herrmann als Beckstein-Ersatz, oder den agilen Fraktionschef Georg Schmid. Am wichtigsten aber ist die dritte Gruppe: Es sind ausgerechnet die Talente der übernächsten Generation, die sich nun hinter Beckstein und Huber scharen.
In den vergangenen Tagen sind sie nach München gepilgert, um die beiden zu bestärken. Es sind die aufstrebenden jungen Bezirksvorsitzenden, Staatssekretäre, Europapolitiker, die noch ein paar Jahre Zeit brauchen, bis ihre Stunde kommt. Ihnen ist an schnellen Lösungen nicht gelegen.
Sie und das schwache Führungsduo verbindet eine erstaunliche Symbiose. Denn die Beharrungskraft von Huber und Beckstein hilft den Jungen. Huber und Beckstein werden nicht hinschmeißen, nicht kleinlaut beigeben. Sie wollen ihre Gegner in die offene Feldschlacht zwingen. Beide wollen weitermachen, auch bei einem für CSU-Verhältnisse verheerenden Ergebnis. Huber hat das mit dem Argument versehen, er wolle "die CSU in die nächste Generation führen". Die übernächste Generation wird danken, die nächste mit den Zähnen knirschen.
(SZ vom 26.09.2008/bica)
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