Trotz steigender Wirtschaftskraft, sinkt der CO2-Ausstoß in Bayern. Doch Umwelt-Probleme wie Lärm und sinkende Artenvielfalt bestehen weiter. Die Grünen werfen dem Minister hingegen Hilflosigkeit vor.
Die Lärmbelästigung besteht besonders in Ballungsgebieten. Foto: dpa
Die bayerische Staatsregierung sieht sich durch den aktuellen Umweltbericht in ihrer Klimaschutzpolitik bestätigt. Obwohl die Wirtschaftskraft in den vergangen Jahren zugelegt hat, nimmt der CO2-Ausstoß ab, sagte Umweltminister Otmar Bernhard (CSU) am Donnerstag bei der Vorstellung des bayerischen Umweltberichts.
Der Kohlendioxid-Ausstoß sank von 2001 bis 2004 um 6,6 Millionen Tonnen. Der Anteil des Verkehrs an den Emissionen ging allerdings nicht zurück. Bis zum Jahr 2010 solle der CO2-Ausstoß im Freistaat auf 80 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt werden – 12 Millionen weniger als 1998.
Bei der Reduktion von Kohlendioxid setze man vor allem auf die Energieeffizienz und eine verstärkte Sanierung der öffentlichen Gebäude, so Bernhard.
In den nächsten Jahren sollen zusätzlich zu den geplanten 100 Millionen Euro jährlich weitere 350 Millionen in den Klimaschutz investiert werden.
Als weitere positive Entwicklungen hob Bernhard hervor, dass erstmals seit Jahren der Verbrauch von Primärenergie im Zehn-Jahres-Trend nicht weiter gestiegen sei. Seit den 70er Jahren habe dieser um 40 Prozent zugenommen. "Á la ’Laptop und Lebermoose’ lassen sich erfreuliche Wirtschaftszahlen und positive Umweltparameter unter einen Hut bringen“, sagte er.
Negative Tendenzen
Allerdings weist der Umweltbericht auch negative Tendenzen auf. Demnach haben die Gefährdung wertvoller Tier- und Pflanzenarten sowie die Lärmbelastung der Menschen besonders in den Ballungsräumen
zugenommen.
Der Anteil der ungefährdeten Arten ging auf 38 Prozent zurück. In den 70er Jahren waren noch 58 Prozent nicht gefährdet. Bernhard zufolge könnte der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten einen zusätzlichen Artenschwund mit sich bringen.
Doch der Minister äußerte sich zuversichtlich: "Die Staatsregierung wird am Ball bleiben. Positive Trends gilt es zu verstärken, negative umzukehren und weitere Verbesserungen der Umweltqualität zu erreichen."
Der Umweltbericht zeige Ursachen für Probleme auf und mache deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Bernhard betonte, der "Nutzungsdruck“ auf Bayerns Natur und Umwelt werde weiter steigen, da der Freistaat zum Beispiel mit 7,5 Prozent in den vergangenen Jahren das bundesweit stärkste Bevölkerungswachstum gehabt habe.
Grünen fordern verbindliche Ziele
Die Grünen warfen der Staatsregierung allerdings Hilflosigkeit bei negativenTrends vor. Umweltexpertin der Grünen-Fraktion, Ruth Paulig, forderte verbindliche Umweltschutzziele und Beschränkungen für den Ausbau von Gewerbegebieten und Verkehrsprojekten. Der Flächenverbrauch von 15,2 Hektar pro Tag im Jahr 2004 sei auf 20,6 Hektar im Jahr 2006 gestiegen.
Dies dürfe nicht als "indifferente Entwicklung“ beschönigt werden, kritisierte sie. Zudem bemängelte Paulig, dass etwa durch die Landwirtschaft produzierte Klimagase im Umweltbericht gar nicht vorkämen.
Laut Bernhard hat Bayern inzwischen als erstes Bundesland seinen "ökologischen Fußabdruck“ ermittelt. Dieser wird in sogenannten
globalen Hektar (gha) ausgedrückt und zeigt die Fläche auf, die eine Gesellschaft pro Kopf in Anspruch nimmt, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Mit 4,2 gha pro Einwohner liegt der „ökologische Fußabdruck“ laut Bernhard unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,5 gha und weit unter dem der USA von 9,6 gha.
Der Freistaat müsse sich anstrengen, "ökologisch sanfter aufzutreten“, sagte der Minister. "Trotzdem steht Bayern als eines der wirtschaftsstärksten Länder in
Deutschland gut da“, fügte er hinzu.
(sueddeutsche.de/ddp/stä/bica)



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