Von Olaf Przybilla

Parteiinterner Ärger: Landesvize Meenen und die Jungen Nationaldemokraten opponieren gegen den wiedergewählten Parteichef Ollert.

NPD ddp Grossbild

Die NPD ist bei der Landtagswahl mit 1,2 Prozent der Stimmen weit unter den selbstgesteckten Erwartungen geblieben. (Foto: ddp)

Der Landeschef der Jungen Nationaldemokraten (JN), Matthias Fischer, ist aus der NPD ausgetreten. Auch sein Amt als Vorsitzender des NPD-Bezirksverbands Mittelfranken wird er aufgeben. Der Verband gilt in NPD-Kreisen von jeher als die Herzkammer der Partei in Bayern. Fischer, bisher auch Kreischef der NPD in Fürth, tritt als Hauptorganisator des monatlichen Aufmarsches der Rechtsextremisten im oberfränkischen Gräfenberg auf.

Mit dem Chef der NPD-Jugendorganisation haben auch weitere Rechte die NPD verlassen. In ihrem traditionell stärksten Bezirk sei damit "praktisch die gesamte Organisationsstruktur zusammengebrochen", sagte der unterfränkische NPD-Chef Uwe Meenen der Süddeutschen Zeitung.

Meenen, bisher NPD-Landesvize, war am Wochenende beim NPD-Parteitag in der Nähe von Landau in Niederbayern in einer Kampfkandidatur erneut gegen den bayerischen NPD-Chef Ralf Ollert angetreten. Bei einer ersten Kampfkandidatur war Meenen vor zwei Jahren mit zwei Stimmen Unterschied an Ollert gescheitert.

Diesmal konnte der 43 Jahre alte Meenen 19 Delegiertenstimmen weniger auf sich vereinigen als Ollert, der bei der Kommunalwahl 2008 zum zweiten Mal in den Nürnberger Stadtrat gewählt worden war - für die sogenannte "Bürgerinitiative Ausländerstopp". Die Jungorganisation der NPD wirft Ollert vor, für das "schwache Ergebnis" bei der Landtagswahl verantwortlich zu sein.

Die NPD war mit 1,2 Prozent weit unter den selbstgesteckten Erwartungen geblieben. Meenen legte nach der Niederlage auf dem Landesparteitag sein Amt als NPD-Landesvize nieder. Der Partei droht nun die Spaltung: Gemeinsam mit Meenen verließ ein Drittel der Delegierten den Parteitag, Fischer erklärte demonstrativ seinen Parteiaustritt.

NPD-Chef Ollert bestätigt die Austritte. Er hoffe nicht, dass "nun der ganze Landesverband auseinanderbricht", sagte er der SZ. Zwar bezeichnet sich Ollert selbst als "Initiator" der Aufmärsche in Gräfenberg. Er räume aber ein, dass diese in den vergangenen Monaten vor allem der Neonazi Fischer organisiert habe. "Wir müssen nun sehen, wie es weitergeht", sagt Ollert. Als stellvertretender Bezirksvorsitzender der NPD Mittelfrankens werde er die Parteigeschäfte dort zunächst kommissarisch weiterführen.

Der rechtsextreme "Kameradschaftsbund Hochfranken", der bislang federführend bei den Gedenkmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel in Erscheinung getreten ist, geht mit Ollert hart ins Gericht. Bei vielen Rechten sei die Einsicht gereift, dass mit ihm "keine revolutionäre" Politik in Bayern durchzusetzen sei. Man werde sich nicht mehr für "Aktionen und eine Landespolitik missbrauchen lassen", hinter der man aus "elementaren Gründen der Anständigkeit" nicht mehr stehen könne.

Ollert stehe für einen "Wischi-Waschi-Kurs". Unter ihm werde man keine "Wahlkämpfe und Frondienste für die Bayern-NPD" mehr leisten.

Ollert wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Er sei nun bemüht, "nicht mehr Öl ins Feuer" zu gießen. Matthias Fischer, 31, der beim Verfassungsschutz als einer der aktivsten Neonazis in Bayern geführt wird, bestätigt auf Anfrage seinen Austritt. Er plane derzeit nicht, eine neue rechtsextremistische Partei zu gründen.

Die Kundgebungen in Gräfenberg, wo unter seiner Führung in den letzten zwei Jahren insgesamt 32-mal Jungnationale aufmarschierten, würden "auf jeden Fall fortgeführt", droht er.

In Gräfenberg keimt trotzdem Hoffnung. Da Fischer die Aufmärsche bisher entweder als JN-Landeschef oder als Fürther NPD-Vorsitzender angemeldet hat, sieht Bürgermeister Werner Wolf nun die Chance, künftige Märsche der Rechten verhindern zu können. Fischer habe "offenkundig keinen Rückhalt mehr in der Partei" gehabt, sagt der Bürgermeister.

(SZ vom 14.11.2008)

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Leserkommentare (7)



14.11.2008 16:20:41

Grantlerhesse:

Zitat aus dem Beitrag: "Wir müssen nun sehen, wie es weitergeht"

Na hoffentlich gar nicht kann man da nur sagen. Keine Ziele, kein Gesicht, keine Wähler!

Hoffentlich bleibt dies so!

Dass es Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gibt, ist unbestritten! Jedem, der aber mal "S...-Türke" sagt, gleich zu unterstellen, er sei ein Nazi ist grober Unfug! Ich komme vom Land, da gibt's schon Zwist unter den Nachbardörfern. Da guckt man sich auch teilweise schief an. Die meisten wohl eher mit einem Schmunzeln im Gesicht, es gibt aber auch einige, die den Fussballer aus dem Heimatdorf als Judas beschimpfen und hinfort meiden, wenn er beim Nachbarverein spielt.

Es gibt ja diverse Studien, die behaupten, dass wir Menschen uns kulturell zum Leben in überschaubaren "Stammesverbänden" entwickelt hätten und daher würden auch die Probleme kommen. Ich vermute, ohne das jemals erforscht zu haben, oder mehr darüber zu wissen, dass genau dies der Fall ist. Wir haben Angst vor neuem und vor Fremden. Und das ist aus der tiefen Historie heraus betrachtet erstmal vernünftig so.

Daher müssen alle Beteiligten eben dafür sorgen, dass Fremdes nicht Fremd bleibt. Dass man aufeinander zugeht und miteinander redet. Nur über den persönlichen Kontakt kann man Integration und Abbau von Fremdenhass schaffen. Durch gure Vorsätze und Integrationsgipfel schaffen wir das nicht.

Auch hier ein tolles Beispiel vom Dorf, auch hier nicht auf Ausländer bezogen. Es gab zwei Familien, die zugezogen sind (bei 500 Einwohner schon eine beachtliche Menge ;o) ). Eine dieser Familien wollte nur dort wohnen, eine andere wollte dort leben. Der Familienvater der zweiten war schnell in den örtlichen Vereinen aktiv, hat sich für den Kindergarten engagiert und wurde bei der nächsten Kommunalwahl in den Ortsbeirat gewählt und soagar als Vertreter zu den Stadtverordneten entsandt. Die Mutter trainiert die örtlichen Kindertanzgruppen. Die Familie ist voll aufgenommen und wird von den meisten gemocht. Die andere Familie mag genau so nett sein, zeigt aber kein Interesse am öffentlichen Leben dort. Sie wird daher eben auch von den Einwohnern, bis auf wenige Ausnahmen der direkten Nachbarschaft, nicht beachtet und teilweise schief beäugt.

Klar kann man jetzt sagen, die Leute müssen eben auf die Neuen zugehen. Aber darum geht es mir gar nicht! Es hat nicht immer etwas mit Rassenhass zu tun, wenn wir Vorbehalte gegenüber Fremden haben, sondern einfach mit Unkenntnis!


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