Aufregung im Landesamt für Statistik: Auf der Personalversammlung dreht sich alles um die Umzugspläne - selbst Innenminister Herrmann kann nicht wirklich beruhigen.
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Ein Zuckerl für Fürth: Horst Seehofer will das Landesamt für Statistik verlegen - wegen der Arbeitsplätze. Jetzt musste Innenminister Herrmann die Gemüter beruhigen. Foto: dpa
Die drei Damen aus der Abteilung Rechtspflege sind die Ausnahme: Sie lachen. Allerdings ist es tiefschwarzer Humor, den sie bei einer Pausenzigarette vor dem Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung in München zeigen. "Alles kein Problem, und wenn das nächste Versandhaus irgendwo in Bayern pleitegeht, dann ziehen wir eben dorthin", sagt eine.
Ihre Kollegin ergänzt: "Wenn Horst Seehofer meint, er müsse uns als Zuckerl an andere Städte verschenken, dann lassen wir das liebend gerne mit uns machen." Das Amt, in dem die drei Damen arbeiten, soll aus München nach Fürth verlegt werden. Die Landesregierung will so in einem Akt der Wohltätigkeit die Arbeitsplatzverluste aus der Pleite des Versandhauses Quelle zumindest ein wenig ausgleichen. In München sorgt die Nachricht für Verärgerung.
Als am Mittwoch um 10 Uhr die schon seit langem angesetzte Personalversammlung im Landesamt beginnt, ist alles anders als geplant. Die Tagesordnung ist über den Haufen geworfen, alle Besprechungspunkte sind gestrichen. "So voll wie heute war es hier noch nie", sagt ein Teilnehmer.
Es geht 90 Minuten lang nur um diese eine Meldung, die seit Montagabend die Runde macht und das Haus an der Neuhauser Straße Nummer 8 in Aufregung versetzt. Die Mitarbeiter warten auf Antworten. "Jeder spricht darüber, jeder spekuliert. Es ist irritierend, dass man von außen von der Nachricht erfahren hat", sagt Anke Schwarz, die stellvertretende Pressesprecherin.
Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sortierte seinen Terminkalender kurzfristig neu und erschien am Vormittag persönlich in dem überfüllten Raum, um zu beruhigen. Das gelang nicht wirklich. Er sei mit Applaus empfangen worden, so erzählt der Minister von seinem Auftritt. "Es war nur pflichtbewusster Beifall vor dem Amt", hält ein Teilnehmer dagegen und berichtet: "Die Stimmung war angespannt, die Menschen sind wütend, sie haben das Gefühl, dass sie zum Spielball der Politik werden, dass einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden wird."
Die große Versammlung vom Vormittag setzt sich fort in kleinen Grüppchen in der Mittagssonne, in denen heftig diskutiert wird. Die Leitung des Landesamtes will sich nicht öffentlich zu den Plänen äußern.
Minister Herrmann bestätigte gestern, dass er von Ministerpräsident Seehofer gebeten wurde zu prüfen, ob die Verlegung des Landesamtes nach Fürth möglich sei. Ein Umzug von 500 Mitarbeitern sei denkbar, sagte der Innenminister, die endgültige Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen. Auf der Klausurtagung des bayerischen Kabinetts am Freitag und Samstag wird Herrmann Möglichkeiten und Grenzen des Vorhabens dem Ministerrat vortragen.
Das Landesamt mit Sitz in München hat insgesamt 1116 Mitarbeiter, etwa 300 davon sind im Rechenzentrum Süd beschäftigt. Ein Umzug dieser Spezialisten mitsamt ihrer Computerausstattung ist ausgeschlossen. Auch die 200 Mitarbeiter in Schweinfurt sollen nicht versetzt werden. Von München aus wird zudem ein Teil der bundesweiten Bevölkerungsbefragung "Zensus 2011" organisiert.
Das damit betreute Personal kann nicht mitten in dem mehrjährigen Verfahren nach Fürth umziehen. Zur Umsetzung des EU-Projektes werden aber auch 150 neue Mitarbeiter benötigt, die direkt in Fürth eingestellt werden könnten. Herrmann rechnet damit, dass ein Teil der in München Beschäftigten den Umzug nicht mitmachen und sich auf Stellen in anderen Behörden an der Isar bewerben wird. Dadurch würden Kapazitäten für Einstellungen in Fürth frei.
Diese Rechnung könnte aufgehen, denn bei der Belegschaft in München ist der Wunsch nach einem Standortwechsel eher gering ausgeprägt. "Jeder hat die gleiche Meinung: Ich kenne niemanden, der umziehen würde", sagt ein Mann aus der Abteilung Zentrale Angelegenheiten.
Herrmann kündigt eine enge Zusammenarbeit mit dem Personalrat an und verspricht: "Niemand muss fürchten, dass er arbeitslos wird. Es wird keine Hauruck-Aktion geben." Rolf Habermann, der Vorsitzende des Bayerischen Beamtenbundes, geht davon aus, dass sich der Umzug mehrere Jahre hinziehen wird: "Das wird ein Prozess, der wahrscheinlich erst 2018 abgeschlossen sein wird."
(SZ vom 19.11.2009/liv/bica)
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