Seit Stoiber seinen Rückzug vom Posten des bayerischen Ministerpräsidenten angekündigt hat, badet er in einem Meer von Zuneigung. Darüber, wie seine Zukunft aussieht, äußert sich der scheidende Landesvater vieldeutig. Ein Streiflicht.

Edmund Stoiber

Alle wollen ihn noch einmal sehen: Beim Tag der offenen Tür in der Bayerischen Staatskanzlei in München wird Hausherr Edmund Stoiber nach einer Rede von Autogrammjägern belagert (Foto: dpa)

Gerade war Tag der offenen Tür in der Münchner Staatskanzlei, und das Ereignis war so schwerwiegend, dass sogar die Tagesthemen ein Reporterteam hinschickten.

Tom Buhrow moderierte den Beitrag mit den Worten an: "Es kamen 6000 Menschen, um Stoiber nochmal zu sehen", und das klang ein bisschen so, als stünde dem Ministerpräsidenten eine lebensbedrohende Operation bevor, ein Flug zum Mond oder eine Atlantiküberquerung mit einem alten Schlauchboot.

Tatsächlich genießt Stoiber gerade seine eigene Abschiedstournee: Gestern noch konnte ihn kein Mensch mehr ertragen. Aber heute, wo alle wissen, dass er sein Amt bald aufgeben wird, kommen dieselben Menschen voll Wehmut in die Staatskanzlei, um den Rock des Landesvaters noch einmal zu berühren.

Weiß ist die Farbe des Neubeginns

Stoiber badete in einem Meer von Zuneigung. Schließlich sollte er den Fernsehleuten sagen, wie es mit ihm weitergeht. Stoiber bemühte sich, cool auszusehen. Dann sprach er einen großen Satz, und in den Tagesthemen konnte ihn jeder deutlich hören. Er sagte: "White and see."

 
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Vielleicht wollte Edmund Stoiber einfach sagen: "Wait and see". Das ist die Strategie all jener, die deutlich machen wollen, dass sie sich nicht länger frettchenhaft um etwas bewerben müssen, sondern abwarten und zusehen können, was noch an Angeboten reinkommt.

Andererseits hatte er so eindeutig white, also weiß, gesagt, dass man auch einen semiotischen Kniff dahinter vermuten könnte. Eine codierte Nachricht wird vom Sender zum Empfänger geschickt, der sie zu entschlüsseln hat. Weiß ist die Farbe des Neubeginns, das weiße Ei symbolisiert frisches Leben.

"Er ist ein Sohn der weißen Henne", sagen die Römer über einen, der immer Glück hat. Womöglich hat Stoiber sogar "white and sea" gesagt, das wäre die doppelte Beschwörung eines Aufbruchs zu neuen Ufern, die ja nach Überquerung dieses Sees, der durchaus ein Meer sein kann, auf einen wie ihn warten.

Schlichte Interpretation

Drittens ließe sich Stoibers geheimnisvolle Botschaft dahingehend interpretieren, dass er des Englischen nur unzureichend mächtig ist oder wenigstens nicht weiß, wie man die fremden Wörter richtig betont. Es gibt viele Politiker, deren Deutsch schlecht und deren Englisch schlechter war.

Die diesbezüglichen Abenteuer des ehemaligen Bundespräsident Lübke ("I went to a dwarf school in the Sourland") sind sogar auf einer CD zu kaufen, allerdings war Stoiber bisher als Kenner der englischen Sprache aufgefallen, der zur Fußball-Weltmeisterschaft ein Gremium benannte, das als "WM-Task-Force" in die Geschichte einging.

Tom Buhrow sagte übrigens in seiner Abmoderation: "White and see, das soll heißen: ,Warten S' ab.‘" Ob diese schlichte Interpretation aber den Gedanken eines großen Sohns der weißen Henne gerecht wird, sei dahingestellt.

(SZ vom 23.04.2007)

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Leserkommentare (8)



24.04.2007 01:06:50

untersendlinger:

"Weiten Sie!". Genial, das.


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