24. Januar 2013 14:19 Untreuer Ehemann schaltet Anzeige Igelchen grüßt Sommersprosse

Ein Mann entschuldigt sich bei seiner Ehefrau per Zeitungsanzeige. Verziert mit einem Igel. In der gleichen Ausgabe macht ein "Igelchen" mit seiner "Sommersprosse" Schluss - aus Liebe zu seiner Frau. Zufall? Nun will ein Leser wissen, was da los war. Natürlich ebenfalls per Anzeige.

Von Olaf Przybilla

Man weiß verhältnismäßig wenig über den Mann, der an dieser Stelle "Igelchen" genannt werden muss, in Ermangelung eines echten Namens. Soviel aber weiß, beziehungsweise ahnt man schon: Dass es sich bei Herrn Igelchen um einen verheirateten Mann aus dem Großraum Nürnberg handeln dürfte, der vermutlich nicht völlig mittellos ist.

Anders ist es kaum zu erklären, dass sich besagter Igelchen im Anzeigenteil der Nürnberger Nachrichten (NN) unter "Verschiedenes" eine satte halbe Seite sichern ließ, einen gerahmten Kasten.

Dies nicht irgendwann, sondern in der letzten Wochenendausgabe. Und zwar für den Text: "Liebe Ehefrau. Entschuldigung - es tut mir leid! Ich würde es rückgängig machen, wenn es gehen würde. Dein Ehemann."

Nun sollte man sich kein Urteil darüber anmaßen, ob dieser Gatte eine glückliche Hand hat, was seine ehelichen Entschuldigungsstrategien betrifft. Eine immerhin nicht untalentierte Hand für Tierskizzen aber wird man ihm sehr wohl nachsagen dürfen.

Zumindest dann, wenn er den Igel - die einzige Verzierung seiner Halbseitenannonce - tatsächlich selbst gezeichnet haben sollte. Wobei der Igel in seiner Anzeige schon etwas in der Luft hängt, sowohl formal als auch inhaltlich. Zumindest für in die Details nicht weiter eingeweihte Leser.

Die sehen das offenbar genauso. Jedenfalls hat sich nun einer ein Herz genommen und hat ebenfalls eine NN-Annonce geschaltet. Natürlich: nicht in der Wochenendausgabe und schon gar nicht in dieser Größe.

Immerhin aber auch gerahmt. Unter "Vermischtes" ist dort die Forderung zu lesen: "Lieber Ehemann. Jetzt wollen wir aber auch genauer wissen, was da los war. Ein Zeitungsleser."

Natürlich hat dieser Leser völlig recht. Die Frage ist aber, ob er eine weitere gerahmte Anzeige wahrgenommen hat, die ebenfalls in der NN-Wochenendausgabe erschienen ist.

Dieser Kasten hat nur einen Bruchteil von der Größe der Entschuldigungsanzeige, man hätte ihn übersehen können. Auch vom Schreibstil her scheint er nicht zum, nun ja, eher förmlichen Duktus der "Liebe-Ehefrau"-Annonce zu passen - schon weil sich da einer an eine Person namens "Sommersprosse, Sonnenschein" wendet. Auffällig aber ist, dass der Schreiber seine Informationen mit "Igelchen" unterzeichnet. Und dass er mitteilt: "Die Liebe ist vorbei. Die Liebe gehört meiner Frau."

Nun wären, man traut sich das ja kaum, am ehesten Psychologen gefragt: Kann es sein, dass da einer Igelchen bei der einen und der anderen heißt? Oder heißt er im herkömmlichen Revier "Ehemann", bringt sich dort nun aber praktischerweise als Igel ins Gespräch? Und was wohl "Sommersprosse" - und die "liebe Ehefrau" zur Informationsflut aus ihrer Zeitung sagen?

Man darf gespannt sein. Demnächst übrigens gerne auch in den SZ-Anzeigen.