23. November 2012 16:32 Kritiker Adam trifft Landeschef Pronold Drohgebärden vor dem SPD-Friedensgipfel

Von Frank Müller und Wolfgang Wittl

Als "Ballast" für die Landtagswahl hatte SPD-Landrat Adam seinen Parteichef Pronold beschimpft. Nach dem Eklat bei der Bayern-SPD wollen die beiden nun in Plattling ihren Streit beilegen. Doch das Zerwürfnis scheint endgültig zu sein.

Florian Pronold ist ein Mann, der in Krisenzeiten recht kurz angebunden wirken kann. Am Freitag wollte der bayerische SPD-Chef am liebsten überhaupt nichts sagen, noch nicht einmal den Ort des für diesen Samstag mit dem Parteirebellen Michael Adam anberaumten Krisengesprächs. "Jedenfalls in Bayern", scherzte Pronold dann mit etwas Mühe. Man kann also immerhin festhalten: Für beide ist noch Platz im selben Bundesland.

Aber ist für beide auch noch Platz in derselben SPD? Die Frage stellt sich, seitdem der bislang als größtes Nachwuchstalent der Bayern-SPD geltende Adam auf Facebook gegen Pronolds "Führungsregime" loslegte. "Nur Ja-Sager und Speichellecker" seien in Pronolds Parteizentrale erwünscht - seit diesem Wutausbruch ist Feuer auf dem SPD-Dach am Münchner Oberanger. Der Hoffnungsträger, der bunte Vogel aus dem niederbayerischen Regen, gegen den oft als farblos und funktionärshaft bezeichneten Bundestagsabgeordneten aus Deggendorf - dieser plötzliche Konflikt hatte die Sozialdemokraten sehr kalt erwischt.

Am Samstag soll nun das Treffen, von dem Pronold nicht sagen wollte, dass es in Plattling stattfindet, über die Bühne gehen. Aufschluss erwartet sich die Parteiführung wohl vor allem zur Frage, was Adam eigentlich im Schilde führt. War es wirklich nur eine spontane Attacke eines Heißsporns? Oder steckt mehr dahinter, eine Kampfansage gegen Pronold, der irgendwann auch eine Kampfkandidatur um den SPD-Vorsitz folgen könnte?

Glaubt man den Beteuerungen aus Adams Umfeld, so hat dieser nichts anderes im Sinn, als seine Parteiämter aufzugeben. Schon in dem Facebook-Eintrag hatte Adam geschrieben, er sehne den Tag herbei, an dem er den SPD-Bezirksvorsitz abgeben dürfe, den er erst im vorigen Jahr übernommen hatte.

Mit dieser Haltung dürfte er auch in das Treffen mit Pronold gehen, dessen einziger Tagesordnungspunkt in der Einladung als "bekannt" vorausgesetzt wurde: Entweder Adam lege das Amt sofort nieder - oder man finde eine Sprachregelung, die einen geordneten Übergang ermögliche. An Vorstandssitzungen wolle Adam künftig dann aber trotzdem nicht mehr teilnehmen.

Adam soll ziemlich stur sein

Sollte Pronold, den Adam im Hinblick auf den Landtagswahlkampf als "Ballast" bezeichnet hatte, am Samstag eine Entschuldigung erwarten, so werde er enttäuscht werden, heißt aus der niederbayerischen SPD. Adam könne ziemlich stur sein - und sehe überdies nicht den geringsten Anlass, wofür er sich entschuldigen sollte.

Mitglieder des Bezirksvorstands zeigten sich zwar erschrocken und enttäuscht über Adams öffentliches Vorpreschen, doch inhaltlich verlautete nur wenig Kritik an seinen Äußerungen. Es sei bekannt, dass Pronold ein Parteimensch mit geringer Ausstrahlung auf die Wähler sei. Auch seine Art, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, kommt nicht bei allen Genossen gut an.

Dazu kommt, dass Adams Attacke die SPD wohl auch aus einem anderen Grund alarmieren muss. Die Distanz und Wut, die aus Adams Worten spricht, hat man so ähnlich auch schon mal bei einem anderen Hoffnungsträger der Partei erlebt: bei Christian Ude. Auch der schmiss ein Jahr vor einer Landtagswahl alle Parteifunktionen hin, weil die SPD ihm genehme Kandidaten nicht aufgestellt hatte.

Das war vor genau zehn Jahren, im Herbst 2002. Ude spottete damals über die Bayern-SPD, wie so oft in diesen vergangenen Zeiten. Er habe so viel zu tun, "dass ich mit meiner Zeit und meinen Kräften haushalten muss". So ähnlich hätte es auch Adam sagen können.