24. November 2012 13:21 Bevölkerungsprognose bis 2031 Oberbayern profitiert, Franken verliert

Im Süden werden es immer mehr Menschen, im Nordosten immer weniger. München wächst, Wunsiedel schrumpft - soweit das Ergebnis der Bevölkerungsprognose bis 2031. Doch ein zweiter Blick auf die Statistik lohnt sich: Tatsächlich gibt es nur acht Landkreise im Freistaat, aus denen mehr Menschen abwandern als zuziehen.

Von Katja Auer

Derzeit liegt der Altersdurchschnitt im Freistaat bei 43 - bis zum Jahr 2031 wird er sich auf 46,7 Jahre erhöhen.

(Foto: Getty Images)

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass sich Bayern verändern wird, und der demografische Prozess ist schon längst im Gange. Die zentrale Entwicklung ist schnell zusammengefasst: Im Süden werden es immer mehr Menschen, im Nordosten immer weniger. Oberbayern profitiert, Franken verliert, München wächst, Wunsiedel schrumpft. Soweit nichts Neues.

Ein zweiter Blick auf die Bevölkerungsprognose bis 2031, die Innenminister Joachim Herrmann und Karlheinz Anding, der Präsident des neuerdings in Fürth residierenden Landesamtes für Statistik am Freitag ebenda vorstellten, lohnt sich dennoch. Denn es ist gar nicht so, wie es manchem Oberbayern erscheinen mag: dass nämlich die allermeisten Oberpfälzer, Ober- und Unterfranken so schnell wie möglich ihre von Verödung bedrohte Heimat verlassen, um fortan in der Landeshauptstadt ein sorgenfreies Dasein zu haben.

Tatsächlich gibt es nur acht Landkreise in Bayern, aus denen mehr Menschen abwandern als zuziehen. Dazu gehören beispielsweise Rhön-Grabfeld, Tirschenreuth oder Wunsiedel. Alle anderen Kreise profitieren vom Zuzug aus dem Rest der Republik und dem Ausland. Auch Hof, Cham oder Regen, wenn auch weniger als die südlichen Gegenden Bayerns. Insgesamt sind 2011 gut 76 000 Menschen mehr nach Bayern gekommen als weggezogen, mehr als 60 000 davon aus dem Ausland, vor allem aus Polen, Rumänien und Ungarn.

12,6 Millionen Menschen leben zurzeit in Bayern, und die Einwohnerzahl werde noch etwa ein Jahrzehnt ansteigen, sagte Herrmann. 2031 dürfte dann, mit einem minimalen Plus, wieder das Niveau von heute erreicht sein. Der Altersdurchschnitt im Freistaat wird sich von 43 auf 46,7 Jahre in 20 Jahren erhöhen.

Dass die Bayern insgesamt weniger und dabei deutlich älter werden, liegt an der "natürlichen Bevölkerungsbewegung", also daran, dass mehr Menschen sterben als geboren werden. Und das gilt für den gesamten Freistaat, auch wenn der Trend wiederum verstärkt im Nordosten zu beobachten ist. Alleine die Städte München und Freising werden bis 2031 mehr Geburten als Sterbefälle zu verzeichnen haben. Allerdings wird der demografische Wandel in Oberbayern stärker durch den Zuzug von auswärts kompensiert als beispielsweise in Oberfranken und der Oberpfalz.

Das Gefälle von Nord nach Süd ist massiv. Während Oberbayern mit 6,5 Prozent mehr Einwohnern rechnen kann, verliert Oberfranken voraussichtlich mehr als neun Prozent, Unterfranken sechs Prozent. Ausnahmen im Norden Bayerns sind nur der Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen und die Städte Würzburg, Bamberg und Aschaffenburg, die geringfügig wachsen könnten. Die ländlichen Gegenden entvölkern sich zunehmend.

"Verglichen mit den anderen Bundesländern ist Bayern in einer hervorragenden Position", sagte Herrmann. Nur Hamburg wachse stärker, dagegen müsse Sachsen-Anhalt mit einem Bevölkerungsverlust von fast 20 Prozent rechnen.

Herrmann betonte, dass es ein zentrales Anliegen der Staatsregierung bleibe, gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern zu schaffen. So werde im nächsten Doppelhaushalt für die Förderung von Familien, Bildung und Innovation und für den Ausbau der Infrastruktur mehr Geld ausgegeben denn je. "Es ist wichtig, dass jedes kleine Dorf in Bayern einen Highspeed-Zugang zum Internet hat", sagte Herrmann, damit keine Firmen abwandern müssten, weil sie vom Datenfluss abgeschnitten sind. Das verkünden verschiedene Minister nun schon seit Jahren, gelungen ist es bisher nicht, tatsächlich einen flächendeckenden schnellen Internetzugang im ganzen Freistaat zu schaffen.

Herrmann sprach sich für eine stärkere Zusammenarbeit der Kommunen aus. Wenn einzelne Gemeinden ihre Aufgaben nicht mehr schultern könnten, gelinge das möglicherweise zusammen mit dem Nachbarort. Ein neues Förderprogramm, das mit einer Million Euro ausgestattet werden und noch in diesem Jahr starten soll, unterstütze künftig solche interkommunalen Projekte.