1. FC Nürnberg Die Leiden der Club-Fans

"Das hässlichste Stadion der Bundesliga": So bezeichnen die Anhänger des 1.FC Nürnberg ihre Spielstätte. Auch bei deren Namen und dem Hauptsponsor des Clubs sehen die Fans dringenden Handlungsbedarf. Einige Probleme könnten sich schon sehr bald lösen lassen.

Von Olaf Przybilla

Für Club-Fans gibt es drei mentale Dauerbaustellen und alle, das ist die gute Nachricht, haben sie in jüngster Zeit nichts mit der sportlichen Situation des 1. FC Nürnberg zu tun. Es geht vielmehr erstens um den leidigen Namen des einstigen Städtischen Stadions, das seit etlichen Jahren auf den Namen eines Raten-Kredits hört und der fränkischen Zunge insofern nicht entgegenkommt, als sich Isi Greddid noch seltsamer anhört als die englische Version dieses Bankprodukts. Es geht zweitens um den Trikotsponsor, den Atomkonzern Areva, der seit Fukushima an Beliebtheit nicht zugelegt hat und den Fans mit Club-Trikot einem Spott aussetzt, den sie angesichts der sehr stabilen sportlichen Situation wirklich nicht verdienen. Und es geht drittens um die verbesserungswürdige Atmosphäre im Stadion, für die Nürnberger Fans die Laufbahn rund um das Spielfeld verantwortlich machen.

Die beiden ersten Baustellen werden demnächst wohl der Vergangenheit angehören. Sowohl bei Areva als auch bei der Team-Bank scheint man inzwischen erkannt zu haben, dass eine Werbung, die man gegen den erklärten Willen der Umworbenen durchzusetzen versucht, nicht viel bringt. Vor einem Heimspiel des Clubs haben Fans kürzlich sogar ein Plakat an der Spitze der einstigen Grundig-Türme angebracht, das für Max Morlock als Namenspatron warb - in Sichtweite des Stadions. Gegen einen Atomkonzern als Sponsor haben die Fans längst demonstriert.

Bleibt noch die dritte Baustelle, die Debatte um den Status des Stadions als Leichtathletik-Arena. Immer wieder brandet diese Diskussion auf, zuletzt vor der WM 2006. Die Stadt bevorzugte den Umbau des Stadions samt Erhalt der Laufbahn, die Ertüchtigung zur WM-Arena wurde mit 27,5 Millionen Euro vom Freistaat bezuschusst. Schon damals zeigten sich die Club-Fans enttäuscht - und reagieren nun, da Club-Manager Martin Bader und Finanzvorstand Ralf Woy eine "reine Fußball-Arena" erneut zur Diskussion stellen, wie euphorisiert. In Foren erklären sie die Heimat des Club zum "hässlichsten Stadion der Bundesliga" und warnen davor, nun erneut einen Millionenbetrag in den Umbau der schwankenden Tribünen zu investieren.

Befeuert wird die Debatte durch den Blick nach Stuttgart. Dort gilt die nun vollendete Umwandlung eines Leichtathletik-Stadions in eine reine Fußball-Arena als sehr gelungen. Nürnbergs Sport-Bürgermeister Horst Förther dämpft gleichwohl die Euphorie: Ohne Investor, fürchtet er, sei eine Umwandlung nicht finanzierbar. Zumal eine solche in Nürnberg noch schwieriger umzusetzen sein dürfte als andernorts: Teile des Stadions stehen unter Denkmalschutz.