Von Joachim Becker

Durch neue Technik werden Autos 2008 umweltfreundlicher, auch wenn viele Maßnahmen zur CO2-Senkung noch nicht serienreif sind. Teurer werden die Fahrzeuge aber auf jedem Fall.

Toyota, Hybrid, AFP

Auf Automessen sind Hybridfahrzeuge beliebte Modelle, auf der Straße eher nicht. Foto: AFP

Hrzrasn, Whnsnn, Adrnln!" Das ist die Kurzformel für das Autojahr 2007. Die Lustschreie aus der BMW-Einser-Werbung müssen allerdings als Schreckensrufe gelesen werden: Selten zuvor sind Autos derart ins Gerede und sogar in Verruf gekommen wie in den zurückliegenden Monaten.

Feinstaub, Umweltzonen und Stickoxide auf der einen Seite, schwindende Ressourcen und explodierende Spritpreise auf der anderen und über allem das dominante Dauerthema CO2: Immer neue Hiobsbotschaften haben Hersteller und Autohandel das Fürchten gelehrt. Vielen Privatkunden ist vorerst die Lust auf den Sündenbock Pkw abhanden gekommen. Selbst die "grüne" IAA konnte den Inlandsabsatz nicht ankurbeln.

Grün ist die Hoffnung, sagt man, aber zu sehen ist eher das Wetterleuchten eines Klimawandels zwischen Industrie und EU-Politik: Statt des versprochenen CO2-Limits von 140 g/km wird Europas Neuwagenflotte im nächsten Jahr rund 160 g/km CO2 ausstoßen - in Deutschland werden es sogar mehr als 170 g/km sein.

Nicht leichte Spritsparautos, sondern schwere Gelände-Fahrzeuge wie der VW Tiguan wurden zum Verkaufsrenner der Saison. Deshalb will die EU-Kommission Autokunden und Hersteller künftig zum Umweltschutz zwingen: Von 2012 an soll die Flotte der Neufahrzeuge nur noch 120 g/km des unsichtbaren Klimagases ausstoßen. Zehn Gramm werden für Biokraftstoffe und begleitende Maßnahmen gutgeschrieben, sodass der Grenzwert auf 130 g/km steigt.

Dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) gehen die EU-Vorschläge noch nicht weit genug: "Diese Regelung bevorteilt ganz klar schwere Fahrzeuge mit höherem Verbrauch und höheren CO2-Emissionen", bemängelt Michael Müller-Görnert, Verkehrsreferent beim VCD.

Hersteller müssen Umdenken


Tatsächlich soll nach langem Tauziehen in Brüssel eine Kulanzregelung für größere Autos gelten: Ein VW Tiguan, der 300 Kilo über dem Durchschnittsgewicht von 1289 Kilo liegt, darf zum Beispiel 14Gramm CO2 zusätzlich zu den 130g/km ausstoßen. Selbst in der 140 PS starken Diesel-Einstiegsversion schießt der Allradler aber mit 189 g/km weit über dieses Ziel hinaus. Um den Durchschnittsverbrauch um mehr als 20 Prozent zu senken, müssen die deutschen Hersteller mit ihren leistungsstarken Modellen den größten Aufwand treiben.

Nach der heftigen Kritik von Seiten der deutschen Politik und Industrie (die SZ berichtete), wird das Zahlenwerk rund um die Richtlinien 2008 im EU-Parlament und im Ministerrat zu diskutieren sein. "Im Moment werden kleine Autos zu wenig in die Pflicht genommen. Da wird noch viel Potential verschenkt", ist Martin Rempfer überzeugt.

Als Leiter des Bereichs Fahrzeugtest des ADAC vertritt er Europas größten Autoklub in den Brüssler Expertengremien - und fordert wie viele EU-Politiker ein Umdenken aller Hersteller: "Bisher sind Effizienzgewinne überwiegend zur Leistungssteigerung statt zur Verbrauchssenkung genutzt worden. Das kann so nicht weiter gehen."

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