Von Titus Arnu

In Berlin entstehen Luxuswohnungen mit eigenem Parkplatz auf der Etage - und das ausgerechnet in Kreuzberg, wo immer wieder Luxusautos brennen.

Carloft

Prinzip Carloft: Das Auto rollt in den Lift, der Lift fährt hoch ins exklusive Apartment, der Fahrer steigt aus und kann, wenn er denn will, auf der Rückbank dinieren . Willkommen daheim. Foto: CarLoft

Die Reichenberger Straße in Berlin-Kreuzberg ist nicht gerade für Luxus bekannt. Schon vormittags sitzen Arbeitslose beim dritten Bier auf Holzbänken. Aus dem libanesischen Schnellimbiss riecht es nach verbranntem Fett. Türkische Jugendliche im Gangster-Rapper-Outfit lungern am Bouleplatz herum. Ausgerechnet hier werden die "Carlofts" gebaut - luxuriöse Wohnungen mit Garten und Garage auf der Etage.

Ende 2008 sollen die ersten Besitzer in das fünfstöckige Gebäude einziehen, mitsamt ihren Autos. Das Wettbüro, der Dönerladen und die noch im Bau befindliche Moschee - all das wird auf der Fahrt ins schöne neue Auto-Heim an den getönten Scheiben vorbeiziehen wie eine Kulisse, bevor sich die Tür des Carlifts öffnet. Per Fernbedienung übermittelt der Fahrer den Zugangscode. Leise rollt das Auto in den Lift, der den Passagier mit einer persönlich abgestimmten Farb- und Tonorgie empfängt. Der Aufzug transportiert das Fahrzeug samt Fahrer auf die Etage. Der Parkplatz ist direkt neben dem Wohnzimmer. Willkommen daheim.

Vom Wohnbereich aus blickt der stolze Autobesitzer dann durch eine Glaswand auf sein Lieblingsobjekt. "Die Carloggia wird zur Eventfläche fürs Auto", heißt es in der Werbung des Bauträgers. Wer will, kann sein Bett direkt neben dem Auto aufstellen oder im Porsche-Sitz frühstücken. Sogar einen eigenen Wellnessbereich gibt es für das Auto: Ein Wasseranschluss in der Etagen-Garage dient der Autopflege. Bevor der Bewohner sich ins eigene Luxusbad begibt, kann er seinen Wagen ausgiebig duschen, streicheln und eincremen. Das Abwasser wird im Keller mit einer Benzin-Abscheide-Anlage aufbereitet.

Ein paar Meter vorm Kühlschrank

Bis auf das Penthouse, das über 540 Quadratmeter Wohnfläche inklusive Dachgarten und Teich verfügt, sind nach Angaben der Baufirma alle Wohneinheiten verkauft. Das kleinste Apartment mit 224 Quadratmeter Fläche kostet 468000 Euro, das Penthouse 1,6 Millionen. Wer leistet sich für so viel Geld eine Wohnung für sich und sein Auto? "Die Kunden haben alle eine Auto-Affinität, die haben Benzin im Blut", sagt Johannes Kauka, Geschäftsführer der Firma Topos, die das Projekt nach den Plänen von Architekt Manfred Dick ausführt. Einige der Käufer seien Manager oder Designer aus der Autobranche, andere einfach wohlhabende Auto-Fanatiker. Auch Familien ziehen ein, die ihren Großeinkauf dann nicht mehr in den dritten Stock schleppen müssen. Der Kombi hält ja ein paar Meter vorm Kühlschrank.

»Die Kunden haben alle eine Auto-Affinität, die haben Benzin im Blut «

Johannes Kauka, Geschäftsführer der Firma Topos

Johannes Kauka stapft im Nadelstreifenanzug über die Baustelle. Noch sieht alles nicht ganz so schick aus wie in den Hochglanzprospekten, doch von fast allen Ecken des Lofts ist das Auto zu sehen. Selbst vom Etagengarten, der in jedes Apartment integriert ist. Kauka hat sich das Konzept zusammen mit dem Architekten Manfred Dick patentieren lassen. Durch das Parken auf der Etage spare man Fläche auf dem Boden, so könne die Zersiedelung der Städte gestoppt werden, schwärmt Kauka. Im Grunde sei die Auto-Mensch-Luxuswohngemeinschaft eine besonders ökologische und zudem schicke Sache, findet er.

(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite

In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Seite 1
  2. Seite 2