Die Politik reist mit
Fernreisen
08.02.2006, 08:47
Nach den Terroranschlägen in Ägypten blieben die Touristen erst einmal aus. (Foto: dpa)
Der Tourismus reagiert stärker als andere Branchen auf politische Bedrohungen. Urlauber handeln umgehend. Das war nach den Anschlägen in Ägypten, auf der tunesischen Insel Djerba und auf Bali in Indonesien der Fall: Die Gäste blieben aus, der Tourismus brach ein. Die deutschen Reiseveranstalter haben daraus gelernt: nichts zu kommunizieren, was die Touristen noch mehr verunsichern und die Nachfrage dämpfen könnte. Auch diesmal ist das wieder so.
¸¸Wir beobachten die Lage sehr genau", heißt es beim Deutschen Reiseverband in Berlin zu den jüngsten Vorfällen. Nach der Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed war es in der islamischen Welt zu gewaltsamen Protesten gekommen. Es gebe keinen Grund, arabische Urlaubsländer zu meiden, betonte ein Verbandssprecher. Gäste in den Badeorten in Ägypten, Tunesien und Marokko seien nicht gefährdet, es gebe nur wenige Anfragen besorgter Urlauber, berichten auch die großen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook.
"Immer die gleiche Antwort"
Ein Sprecher von Studiosus äußerte sich ähnlich. Studiosus bietet Studienreisen an und führt Urlauber auch ins Landesinnere. Es gebe keine Stornierungen, niemand habe seine Ägypten-Reise abgebrochen, sagte der Sprecher. In Syrien, Jordanien und Libyen seien ohnehin keine Studiosus-Gäste unterwegs, ebenso wenig in Marokko und Tunesien.
¸¸Bei den Reiseveranstaltern gibt es immer die gleiche Antwort, und später sieht man dann die Buchungsrückgänge in den betroffenen Urlaubsregionen", sagte dagegen Tourismusexperte Karl Born. Born war lange in der Geschäftsführung der TUI tätig und lehrt heute an der Hochschule Harz in Wernigerode. Er rechne damit, dass sich die Ausschreitungen in der arabischen Welt auf das Buchungsverhalten der Europäer auswirken werden. ¸¸Es werden Ausweichziele, etwa in Spanien, gebucht", sagte Born.
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