Der mehr als 25 Meter lange Lastwagen "Gigaliner" sorgt weiter für
Aufregung. Das Verkehrsministerium hat Sicherheitsbedenken, doch der niedersächsische Spediteur weist die Kritik zurück.
25 Meter lang und bis zu 60 Tonnen schwer: Drei dieser Gigaliner sind gerade im Testbetrieb in Niedersachsen unterwegs Foto: dpa
Das Bundesverkehrsministerium hatte Niedersachsen aufgefordert, den seit Juli laufenden Versuch abzubrechen. Diese Forderung sei innovationsfeindlich, sagte der Meppener Spediteur Ulrich Boll: „In diesem Land ist es anscheinend nicht möglich, einmal etwas Neues auszuprobieren und die Ergebnisse abzuwarten.“ Der Versuch mit insgesamt drei solcher riesigen Sattelzüge gefährde den Verkehr nicht.
Das niedersächische Landverkehrsministerium hatte die Aufforderung des Bundes ebenfalls zurückgewiesen. „Wir werden diesen Versuch nicht abbrechen“, hatte ein Ministeriumssprecher am Dienstagabend erklärt. Es handele sich nicht um eine generelle Zulassung dieser riesigen Sattelzüge, sondern um Ausnahmen. Dazu sieht sich das Land berechtigt.
Der Bund ist der Auffassung, die von Niedersachsen für den Modellversuch erteilte Zulassung für 25 Meter lange Nutzfahrzeuge sei rechtswidrig.
Neben Spediteur Boll testen auch die Volkswagen Logistics GmbH & Co. und von Oktober an die Osnabrücker Spedition Hellmann den Betrieb mit den Gigalinern.
Die Lastzüge haben eine Länge von etwa 25 Metern. Das Maximalgewicht liegt wie bei herkömmlichen Lastwagen bei 40 Tonnen, obwohl technisch auch 60 Tonnen möglich währen.
Einer der Gigaliner, die von der Firma Krone entwickelt wurden Foto: AP
„Ich könnte die Kritik verstehen, wenn wir über 300 solcher Lastwagen auf deutschen Straßen reden. Es sind aber nur drei Stück“, sagte Boll. Zudem seien tagtäglich auf deutschen Straßen mit Ausnahmegenehmigungen ebenso große Transporte unterwegs.
Routen und Fahrtzeiten seien bei dem Modellversuch genau festgelegt und die Fahrer speziell geschult worden. „Bis jetzt gibt es keine Probleme“, betonte der Unternehmer.
Das Bundesverkehrsministerium hatte am Dienstag erklärt, die Risiken für die Verkehrssicherheit seien noch nicht abschließend geklärt. Unklar seien die Auswirkungen der schweren Lastwagen auf Straßen, Brücken und in Innenstädten.
Das Güterverkehrsunternehmen Kombiverkehr kritisierte ebenfalls die in Niedersachsen erfolgte Genehmigung. „Das Hauptargument für
diese Gigaliner, eine Reduzierung der Fahrten auf Fernverkehrstraßen, trifft nicht zu“, sagte Geschäftsführer Armin Riedl bei der Präsentation einer Studie über die von Kritikern als „Monster-Trucks“ abgelehnten Fahrzeuge in Frankfurt.
Demnach würde mehr als die Hälfte der Güter, die derzeit mit einer Kombination aus Bahn und Lastwagen transportiert werden, wieder allein auf die Straße verlagert.
„Weil der Transport mit Gigalinern 20 bis 25 Prozent billiger als mit herkömmlichen Lkw ist, wird es eine massive Rückverlagerung geben“, erläuterte der Autor der Studie, Björn Klippel, Geschäftsführer des Beratungshauses TIM Consult in Mannheim.
Zudem kämen Länder wie Frankreich, Spanien oder Italien, die die „Monster-Trucks“ bislang vehement ablehnten, unter Zugzwang. Ließen sie die überlangen LKW zu, würde sich auch der Transitverkehr in Deutschland massiv erhöhen. „Die Einführung der Gigaliner ist ökonomisch und verkehrspolitisch unsinnig“, meinte auch Andreas Geißler von der Allianz pro Schiene.
„Wer große Lkw will, will Verkehr auf der Straße.“ Zudem belasteten die Fahrzeuge die Straßeninfrastruktur, insbesondere Brücken, stark. Auch seien sie wegen ihrer Länge und Masse ein Sicherheitsrisiko.



