Interview: Janek Schmidt

Der amerikanische Zukunftsforscher Marvin Cetron beschreibt die Beweglichkeit von morgen.

Marvin Cetron arbeitet für die Forschervereinigung World Future Society und ist Präsident der Beratungsfirma Forecasting International. Von John F. Kennedy bis zu Bill Clinton hat er verschiedene US-Präsidenten beraten. Er sagt zwar einen sinkenden Öl- und Benzinpreis voraus. Aber trotzdem werden seiner Meinung nach neue Technologien die Art der Fortbewegung verändern.

SZ: Herr Cetron, wie viele Jahre können Sie in die Zukunft blicken?

Cetron: Hellseher bin ich nicht, aber seit meiner Arbeit beim amerikanischen Militär mache ich Prognosen für drei Zeithorizonte: Die schnelle Planung für die nächsten drei Jahre, mittelfristige Prognosen für zehn Jahre und darüber hinaus visionäre Aussichten.

SZ: Was wird die wichtigste Entwicklung bei der Mobilität in den kommenden drei Jahren sein?

Cetron: Zunächst die Normalisierung des Ölpreises. Die Kanadier werden ihre Ölsande erschließen, Chinesen Kohle in flüssiges Öl umwandeln und Mexikaner ihre Reserven im Golf von Mexiko nutzen. Außerdem werden doppelwandige Pipelines den Transport aus Alaska und Sibirien erleichtern. Der Ölpreis wird auf 65 Dollar pro Fass sinken.

SZ: Heißt das, dass auch die Entwicklung sparsamer Autos wieder abebbt?

Cetron: Nein! Sparsamere Autos werden trotzdem gefragt sein. Es gibt eine Entwicklung in drei Schritten: Zunächst kommen kleinere und sparsamere Autos. Bis 2015 werden immer mehr Hybrid- und Elektroautos kommen, und spätestens 2025 wird der Markt auf Wasserstoff umschwenken.

SZ: Werden auch andere Technologien wie etwa der Transrapid populär?

Cetron: Magnetschwebebahnen sind zu teuer, um in den nächsten zehn Jahren Erfolg zu haben. Eher boomen jetzt die Hochgeschwindigkeitszüge. Die Luftfahrt wird sich dreifach verändern: Es wird bald weltweit weniger als zehn Fluggesellschaften geben. Die sparen dann Kosten, indem sie die Plätze in Flugzeugen noch besser füllen und verstärkt die Verkehrsknotenpunkte ansteuern. Für Passagiere heißt das: weniger Platz und mehr Umsteigen.

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