Vor 75 Jahren startete "die alte Tante Ju" zu ihrem Erstflug. Bis heute ist der Wellblech-Flieger im Einsatz. Eine Festschrift.
Berühmte alte Tante: Die Ju 52 mit ihren je 600 PS starken Maschinen Foto: dpa
Die Begegnung war ungewöhnlich: Ein nagelneuer Airbus A380 - der Gigant, der sich seine Sporen am Himmel erst noch verdienen muss, gewährte einer allseits geliebten Ur-Ur-Ahnin Unterschlupf unter seinem rechten Flügel.
Schon eine Schwinge des größten Passagierflugzeugs der Welt ist gut 36 Meter lang und mit mehr als 400 Quadratmeter Fläche so gigantisch, dass die alte Tante mit ihrem knapp 19 Meter langen Rumpf im Wellblech-Kleid darunter fast verschwindet.
Weil die Hallen von Lufthansa Technik in Hamburg-Fuhlsbüttel überbelegt waren, verlegte man das Winterquartier des Lufthansa-Traditionsflugzeugs Junkers Ju 52 kurzerhand auf die andere Elbseite. Die jährlich von Oktober bis April dauernde Wartungsperiode fand diesmal im Airbus-Werk in Finkenwerder statt, wo das Fluggerät - Baujahr 1936 - in der sogenannten Einflughalle einquartiert wurde.
Seit ein paar Wochen beherrscht das muntere Dröhnen der drei Neunzylinder-Sternmotoren von Pratt & Whitney mit je 600 PS wieder den Himmel, zunächst über Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo die diesjährige Flugsaison mit Pilotentraining und ersten Rundflügen begann.
"Die alte Tante hat keine Wehwehchen", berichtet Wolfgang Hübel, Technischer Betriebsleiter der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung, die Deutschlands beliebtesten Veteranen für Rundflüge betreibt. Und er verkündet eine kleine technische Sensation: "Das Ziel ist: Unsere Tante Ju soll hundert werden." Das wären weitere 29 Jahre Flugbetrieb für die schier unverwüstliche Konstruktion des genialen Flugzeugkonstrukteurs Hugo Junkers, die am 7. März 1932, also vor etwas mehr als 75 Jahren, zum Erstflug gestartet war.
Die in Dessau gebaute Junkers Ju-52/3m, wie sie mit vollem Namen heißt (3m steht für "3 Motoren"), war in den dreißiger Jahren lange Zeit das am meisten verbreitete Verkehrsflugzeug der Welt, ein Rang, der ihr erst später durch die wesentlich größere und leistungsstärkere Douglas DC-3 abgelaufen wurde.
Ursprünglich handelte es sich bei der Ju 52 um die Entwicklung eines einmotorigen Frachtflugzeugs, das vor allem sehr robust sein und mit wenig Wartungsaufwand auch abgelegene Gegenden mit schlechten Landeplätzen anfliegen sollte. Der Erstflug der einmotorigen Ur-Version fand bereits am 11. September 1930 statt.
Damals schon ein Markenzeichen: Die Außenhaut aus Wellblech. Dessen Riffelung sollte zur erhöhten Torsionssteifheit der Flugzeugzelle beitragen, der ganze Rumpf somit statisch hoch belastbar sein. Ausgerüstet war die Ju 52 mit den patentierten Junkers-Doppelflügeln und einem äußerst robusten, geteilten Fahrgestell. Üblicherweise bot die im Querschnitt eckige Kabine 15 Passagieren Platz, die alle am Fenster saßen, im Bedarfsfall gab es zwei weitere Notsitze.
Bereits von 1932 an setzten viele Fluggesellschaften in aller Welt die Ju 52/3m ein, die ersten beiden allerdings wurden kurioserweise nicht in Deutschland, sondern in Bolivien in Dienst gestellt. Im Mai 1932 übernahm die damalige Deutsche Luft Hansa ihre ersten Exemplare und betrieb später gleichzeitig bis zu 80 Stück.
Noch 1932 nahm die Ju 52 bei der Luft Hansa die Strecken von Berlin nach London sowie nach Rom auf. Schon vor dem Krieg schaffte sie zu damaliger Zeit schier unglaubliche Erst- und Rekordflüge. So landete sie bereits 1934 in Südafrika und bewältigte im gleichen Jahr die Route Berlin-Kairo-Bagdad-Schanghai in nur acht Tagen.
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In diesem Artikel:
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