In die Zukunft mit Verspätung
Alternativer Antrieb
17.04.2006, 09:20
Toyota Fine-X (Foto: Reuters)
Die Tokio Motor Show ist bekannt für verrückte Autos. Konzeptstudien wie der Fine-X von Toyota zum Beispiel: Mit riesigen Flügeltüren und einem futuristischen Cockpit buhlt der Kleine um Aufmerksamkeit. Hinter solchen Messe-Gags wirkt die eigentliche Revolution recht unscheinbar: Der Fine-X-Fahrzeugboden ist topfeben.
Auch Hondas Sportwagen FCX und das Mercedes-Forschungsfahrzeug F600 Hygenius verzichten auf den Mitteltunnel für Getriebe oder Abgasanlage.
Denn alle drei gehören zu einer völlig neuen Autospezies: Sie fahren rein elektrisch. Hauchdünne Brennstoffzellen machen einen Explosionsmotor überflüssig. Wasserstoff als Energieträger verbrennt hier nicht mit lautem Knall wie bei einer Rakete, sondern er reagiert in einer kalten Verbrennung mit der Luft und produziert dabei Strom: unhörbar, effizient und abgasfrei.
Schön und gut...
Honda FCX (Foto: Reuters)
Brennstoffzellen? Den Hype um die Wasserkraftwerke im Fahrzeugboden hatten wir vor zehn Jahren schon einmal. Damals verkündeten Mercedes-Manager, der alternative Antrieb wäre 2005 in Serie. Auch GM, Honda und Toyota haben Milliardenbeträge in die Zukunftstechnik investiert. Doch der Einführungstermin wurde immer wieder verschoben.
„Mit dem F600 machen wir einen großen Schritt auf dem Weg zur Marktreife des Brennstoffzellen-Antriebs, die wir zwischen 2012 und 2015 erreichen wollen“, erklärt jetzt Thomas Weber, DaimlerChrysler-Vorstand Forschung und Technologie.
...aber teuer
Was er nicht sagt: Brennstoffzellen kosten noch immer ein kleines Vermögen. 100 Millionen Yen, rund 735.000 Euro, veranschlagt Honda-Chefingenieur Yuji Kawaguchi für einen Honda FCX. Eine viel versprechende Zahl: Vor fünf Jahren lag der Systempreis des alternativen Antriebs noch dreimal so hoch.
Geschrumpft sind auch die Abmessungen der Brennstoffzellen: Das Mercedes NECAR 1 (New Electric Car) von 1994 war ein Kleintransporter, voll gepackt mit rund 800 Kilogramm schweren Komponenten zur Energieerzeugung. „Mittlerweile ist das Gewicht auf 50 Kilogramm für einen Stack mit 50 kW Leistung gesunken“, so Honda-Technikexperte Thomas Brachmann.
In einem Stack werden mehrere hundert foliendünne Brennstoffzellen wie Seiten in einem Buch zusammengepackt. Bei einem Volumen von je 33 Litern passen die beiden Honda-Stacks wie ein Zusatztank unter den Boden des flachen Sportwagens.
Wenig Platz brauchen auch der 80-kW-Elektromotor vorne und die beiden Radnabenmotoren mit je 25 kW Leistung an den Hinterrädern. Zusammen beschleunigen sie den viersitzigen FCX auf 160 Stundenkilometer. Für Fahrspaß ist dank der starken E-Motoren gesorgt.
Fragt sich nur, woher der Wasserstoff kommen soll.
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