Von Joachim Becker

2005 hätten Wasserstoffautos serienreif sein sollen – auf der Motorshow in Tokio machte man einen neuen Anlauf.

Toyota Fine-X; Reuters

Toyota Fine-X (Foto: Reuters)

Die Tokio Motor Show ist bekannt für verrückte Autos. Konzeptstudien wie der Fine-X von Toyota zum Beispiel: Mit riesigen Flügeltüren und einem futuristischen Cockpit buhlt der Kleine um Aufmerksamkeit. Hinter solchen Messe-Gags wirkt die eigentliche Revolution recht unscheinbar: Der Fine-X-Fahrzeugboden ist topfeben.

Auch Hondas Sportwagen FCX und das Mercedes-Forschungsfahrzeug F600 Hygenius verzichten auf den Mitteltunnel für Getriebe oder Abgasanlage.

Denn alle drei gehören zu einer völlig neuen Autospezies: Sie fahren rein elektrisch. Hauchdünne Brennstoffzellen machen einen Explosionsmotor überflüssig. Wasserstoff als Energieträger verbrennt hier nicht mit lautem Knall wie bei einer Rakete, sondern er reagiert in einer kalten Verbrennung mit der Luft und produziert dabei Strom: unhörbar, effizient und abgasfrei.

Schön und gut...

Honda FCX; Reuters

Honda FCX (Foto: Reuters)

Brennstoffzellen? Den Hype um die Wasserkraftwerke im Fahrzeugboden hatten wir vor zehn Jahren schon einmal. Damals verkündeten Mercedes-Manager, der alternative Antrieb wäre 2005 in Serie. Auch GM, Honda und Toyota haben Milliardenbeträge in die Zukunftstechnik investiert. Doch der Einführungstermin wurde immer wieder verschoben.

„Mit dem F600 machen wir einen großen Schritt auf dem Weg zur Marktreife des Brennstoffzellen-Antriebs, die wir zwischen 2012 und 2015 erreichen wollen“, erklärt jetzt Thomas Weber, DaimlerChrysler-Vorstand Forschung und Technologie.

...aber teuer

Was er nicht sagt: Brennstoffzellen kosten noch immer ein kleines Vermögen. 100 Millionen Yen, rund 735.000 Euro, veranschlagt Honda-Chefingenieur Yuji Kawaguchi für einen Honda FCX. Eine viel versprechende Zahl: Vor fünf Jahren lag der Systempreis des alternativen Antriebs noch dreimal so hoch.

Geschrumpft sind auch die Abmessungen der Brennstoffzellen: Das Mercedes NECAR 1 (New Electric Car) von 1994 war ein Kleintransporter, voll gepackt mit rund 800 Kilogramm schweren Komponenten zur Energieerzeugung. „Mittlerweile ist das Gewicht auf 50 Kilogramm für einen Stack mit 50 kW Leistung gesunken“, so Honda-Technikexperte Thomas Brachmann.

In einem Stack werden mehrere hundert foliendünne Brennstoffzellen wie Seiten in einem Buch zusammengepackt. Bei einem Volumen von je 33 Litern passen die beiden Honda-Stacks wie ein Zusatztank unter den Boden des flachen Sportwagens.

Wenig Platz brauchen auch der 80-kW-Elektromotor vorne und die beiden Radnabenmotoren mit je 25 kW Leistung an den Hinterrädern. Zusammen beschleunigen sie den viersitzigen FCX auf 160 Stundenkilometer. Für Fahrspaß ist dank der starken E-Motoren gesorgt.

Fragt sich nur, woher der Wasserstoff kommen soll.

vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2     nächste Seite   nächste Seite

ANZEIGE


Themen

Weitere Artikel in Auto & Mobil

Leserkommentare (0)



Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


Auto der Woche
 
Video abspielen...
Video abspielen...Großen Videoplayer öffnen...(Flash Player 8 erforderlich)
Ein Herz für Kinder
Blech der Woche
Wir stellen Old- und Youngtimer vor - frei nach den Motti: Leidenschaft rostet nicht, oder: Liebe geht durch den Wagen.
SV-Bilderdienst
Berühmte Marken
Wer kennt sie nicht, die schnittigen Flitzer oder luxuriösen Limousinen: Es sind die Namen, die mit den Reichen und Schönen verknüpft sind und die Augen des Autoliebhabers zum Leuchten bringen. Von legendären Kühlerfiguren, teuren Sammlerobjekten und erfolgreichen Firmengründern. mehr...
Der Automobilisten-Test
Was für ein Autofahrer sind Sie?
Testen Sie sich!
Bildergalerien
Mädchen und Motoren, Flower Power, rasante Autos: Die 70er Jahre waren einzigartig. Werner Eiseles Bilder bringen diese Zeit zurück.
Caravelle
Die Schönheit der französischen Caravelle ist auch 50 Jahre später noch der Erinnerung wert: Sie war die elegante Revolution unter den Passagierjets.
James Bond und Aston Martin: eine königliche Kooperation. Zwischendurch aber gab es auch mal stilistische Unfälle. Ein Überblick über des Agenten Fortbewegungsmittel.
Die Ikone französischer Automobil-Avantgarde.
Beim Spurt fährt der kalifornische Zweisitzer einem Porsche 911 ebenso locker davon wie einem BMW Z4 M-Coupé. Und: Er fährt mit Strom.
Auf zwei Rädern von Rom nach Hollywood und zurück.
Fahrberichte
Zum Stöbern und Nachlesen:
Hunderte von Fahrberichten
Staumelder
Alle Staus, nach Autobahnen sortiert und immer aktuell - damit Sie keine Zeit verlieren.

Route planen

Start

 

Ziel

 

Route