Zukunft von Mini Große Zukunft für ein kleines Auto

In Zukunft wird Mini noch wichtiger für Konzernmutter BMW. Darum wächst die Mini-Modellfamilie auf mindestens neun Varianten. Die gemeinsame Frontantriebs-Plattform werden sich beide Marken teilen und Dreizylindermotoren werden Standard. Eine Vorschau.

Von Georg Kacher

Auf den Straßen rund um München ist er längst omnipräsent: Der Mini-Nachfolger fällt in seinem gelb-schwarzen Tarn-Outfit auf wie ein bunter Hund. Im November 2013 geht das erste Modell einer komplett neuen Fahrzeuggeneration in Serie. Dann teilt sich Mini die Frontantriebsarchitektur mit den künftigen BMW-Einstiegsmodellen. Klar, dass die Marke BMW bei der Konzeption dieser Fahrzeuge die Systemführerschaft übernommen hat. Klar ist aber auch, dass erst im Teamwork mit Mini die nötigen Stückzahlen zu erreichen sind, um gegen Audi im VW-Verbund und gegen Mercedes im Joint Venture mit Nissan/Infiniti/Renault kostenmäßig bestehen zu können.

Der Neustart von Mini als eigenständige Marke war 2001 ein voller Erfolg. Obwohl mit dem Zweitürer und dem Cabrio nur zwei Karosserie-Optionen lieferbar waren, wurde die von Frank Stephensen (heute McLaren) entworfene Kurzware auf Anhieb zum Kultauto. 2006 startete auf gleicher technischer Basis die zweite Generation. Mit gemischtem Erfolg: Der Clubman ist weniger stark nachgefragt als erwartet, der Countryman übertrifft die Vorgaben, Roadster und Coupé haben die Bewährungsprobe noch vor sich. Als letzter Vertreter des von BMW adaptierten Ur-Mini rollt dieser Tage der Paceman in den Ring.

Die einzige Konzeptstudie, die es nicht bis in die Serie geschafft hat, ist der Rocketman. Ein 3,42 Meter kurzer Mini-Mini würde zwar perfekt ins Portfolio passen, doch die Plattform lässt sich nicht beliebig kürzen. Außerdem wollen die Münchner dem elektrisch angetriebenen BMW i3 nicht die Schau stehlen, und zum dritten steht mit dem zweitürigen BMW Joy ab 2016 ohnehin das Vorbild für einen möglichen Mini City in den Startlöchern.

Der Mini III trägt die Handschrift von Gert Hildebrand (heute Qoros) und Anders Warming, der seit 2010 das Mini-Design leitet. Die Silhouette der getarnten Vorserienautos lässt auf einen etwas größeren Wagen mit steilerer Front und längerem vorderen Überhang schließen. Der Fußgängerschutz fordert hier seinen Tribut, der Kofferraum dürfte um ein paar Liter zulegen, und auch das Batteriepaket im Plug-in-Hybrid braucht seinen Platz. Puristen hoffen, dass Mini wieder zu einer etwas seriöseren Formensprache zurückfindet. Zuletzt dominierten ornamentale und dekorative Effekte, mutierte die traditionelle Zweifarbenlackierung zum wilden Buntstiftfestival, kämpften Aufkleber, Rallyestreifen und Typenschilder um jeden noch nicht bereits von Hutzen oder Blenden belegten Quadratzentimeter Blech.

Die Kunden ziehen mit, akzeptieren die ambitionierte Preisstellung, stören sich weder am antiquierten Bedienkonzept noch an der teilweise einfachen Materialanmutung. Sie tolerieren sogar die manchmal ruppige Federung und die wenig souveräne Richtungsstabilität. Hier wird BMW nachlegen und ein völlig neues Fahrwerk mit längerem Radstand und breiterer Spur entwickeln müssen. Die Messlatte in Bezug auf Komfort und Handling sollte deutlich höher liegen. Im Lastenheft stehen auch bessere Bremsen und eine noch perfektere Lenkung, von effizienteren Antrieben ganz zu schweigen.

Mit Ausnahme der Topmodelle werden die Motoren von Vier- auf Dreizylinder umgestellt. Das bringt im direkten Vergleich einen um bis zu 25 Prozent geringeren Verbrauch - ohne Abstriche bei den Fahrleistungen. Der Hubraum beträgt bei Benziner und Diesel einheitlich 1,5 Liter. Differenziert wird ausschließlich über die Ansaug- und Abgasanlage sowie über den Ladedruck und die Kühlung. Der Dreizylinder kommt mit einem einzigen Lader aus, der dank kleinem Durchmesser, variabler Schaufelgeometrie (Diesel) und kurzen Atemwegen besonders rasch anspricht.

Der Dreizylinder ist ein weiß-blaues Eigengewächs, das quer eingebaut und im Mini wahlweise mit einem Handschalter oder der alten Sechsgangautomatik verblockt wird. Den Anfang machen die beiden One-Modelle mit 75 und 100 PS, der Mini Cooper mit 135 PS sowie der 95 PS starke One D und der Cooper D, der es auf 115 PS bringt. Darüber rangieren die 2,0-Liter-Vierzylinder. Der Cooper SD leistet 170 PS, der Cooper S hat 190 PS unter der Haube, im John Cooper Works mobilisiert der Benziner sogar 231 PS. Wohl erst 2016 startet im Mini Countryman II der erste Plug-in-Hybrid.