Zukunft des Autos Und der Diesel lebt doch

Volkswagen musste in den Vereinigten Staaten 350 000 Dieselfahrzeuge zurückkaufen - sie stehen nun in einer Wüste in Kalifornien.

(Foto: REUTERS)

Viele erklären den Diesel für tot. Doch woher diese Gewissheit? Wer eine saubere technologische Zukunft möchte, muss Lösungswege öffnen, nicht verschließen.

Essay von Karl-Heinz Büschemann

Selten hat Autofahren in Deutschland so viel Spaß gemacht. Vor allem, wenn man ein Auto mit Benzinmotor fährt. Als Fahrer eines Autos, das mit Super- oder Normalbenzin fährt, kann man leicht das Gefühl bekommen, der Umwelt geradezu Gutes zu tun. Denn diese Dinger verpesten die Luft ja nicht mit Stickoxiden, so wie es die bösen Dieselautos tun.

Letztere sind so schlimm, dass deren Eigentümer sich nur noch mit schlechtem Gewissen aus der Garage trauen dürfen. Das Verwaltungsgericht in Leipzig hat neulich sogar Fahrverbote für Diesel in Innenstädten zugelassen. Das Urteil wurde unter anderem damit begründet, das Recht auf den Schutz der Gesundheit sei höher zu gewichten als die Rechte der vom Verbot betroffenen Kraftfahrzeugeigentümer. Seit diesem Richterspruch fühlen sich Diesel-Besitzer in die Nähe von Schurken gerückt, denen die Gesundheit der Menschen egal ist.

Drei Thesen

Tatsache ist:

Das Ende des Diesels ist technologisch nicht zu begründen.

Das wird vergessen:

Es geht nicht nur um die Bedürfnisse wohlhabender Städter.

Wichtig bleibt:

Die Technologie für die Mobilität von morgen darf nicht politisch eingeengt werden.

Die Diesel-Debatte in diesem Land begann im Herbst 2015, als die kaum fassbaren Betrugsaktion des VW-Konzerns bekannt wurde. Inzwischen hat sie ein Ausmaß angenommen, das eine kühle Betrachtung der Dinge kaum noch möglich macht. Die Manager von VW und möglicherweise von anderen Konzernen haben den Dieselmotor so in Verruf gebracht, dass er scheinbar keine Zukunft mehr hat. Die Gebrauchtwagenpreise purzeln und die Dieselzulassungen in Deutschland gehen deutlich zurück. Die Händler müssen hohe Rabatte für ihre Diesel bieten. Wer will schon ein Auto kaufen, das für den Tod von 6000 Menschen im Jahr verantwortlich ist, wie das Umweltbundesamt mit einer reichlich wackeligen Statistik behauptet?

"Der Diesel ist tot, mausetot", erklärt Jürgen Resch, Geschäftsführer der privaten Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe, die auch den Prozess vor dem Verwaltungsgericht angestrengt hat. Ähnlich sieht es der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg Essen. Auch die Umweltschützer von Greenpeace prognostizieren: "Der Diesel hat keine Zukunft mehr". Das sind klare Worte, man fragt sich nur: Woher kommt auf einmal diese Gewissheit? Es ist längst bewiesen, dass auch Dieselmotoren so sauber sein können, wie das Gesetz es verlangt. Das bestätigt sogar die dieselkritische Deutsche Umwelthilfe. Saubere Diesel sind zwar teurer als die bisherigen Lösungen, aber technisch machbar. Schlimmstenfalls wenden sich Kunden vom Diesel ab, weil er ihnen zu teuer wird. Aber die These, der Diesel sei tot, ist nicht belegbar.

Unstrittig ist, dass Stickoxide gesundheitsgefährdend sind

Ebenso rätselhaft ist, warum in Deutschland nur noch der Diesel im Vordergrund der Debatten steht. Und warum wird über den Otto-Motor nicht debattiert, der ebenfalls ein Umweltsünder ist? Allein den Diesel wegen seiner Stickoxide zu verteufeln, ist ungefähr so sinnvoll wie nur Zucker dafür verantwortlich zu machen, dass die Menschheit verfettet. Es gibt viele Dickmacher wie auch zahlreiche schädliche Emissionen von Autos.

Unstrittig ist, dass Stickoxide gesundheitsgefährdend sind. Der Kampf dagegen ist daher richtig. Aber die Fokussierung auf einen Einzelfaktor rechtfertigt noch lange nicht den Generalangriff auf den Diesel. Das Problem der Umwelt ist der fossil angetriebene Verbrennungsmotor. Diesel- wie Ottomotor emittieren klimaschädliches CO₂ und tragen wesentlich zum Treibhauseffekt auf der Erde bei. Auch das gefährdet Menschenleben. In dieser zentralen Frage war die deutsche Umweltbewegung schon mal weiter.