Zukunft der Mobilität Das Auto denkt bald selbst

Für das autonome Fahren müssen die Computer an Bord enorme Rechenleistungen bringen.

(Foto: dpa)

Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel zum autonomen Fahren. Auf der Messe CES präsentieren Hersteller nun die nächsten Schritte.

Von Joachim Becker

Nach Jahren mühsamer Fortschritte avancieren digitale Assistenten vom 4. Januar an zum Trendthema auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas. Mercedes will als erste Marke ein Helferlein ins Auto bringen, das mehr kann als navigieren und E-Mails vorlesen. "Wie können wir den Kunden Zeit zurückgeben?", fragt Sajjad Khan, Leiter Digital Vehicle & Future Mobility im Daimler-Konzern. "Unsere Antwort ist ein intelligentes System, das auf maschinellem Lernen basiert und sich auf Wunsch die Gewohnheiten des Fahrers merkt." Von Sommer 2017 an können Mercedes-Fahrer die Google-Home-Dienste zunächst aus den Bereichen Musik, Navigation und Telefonie nutzen. Die Partnerschaft ist nicht exklusiv, andere Hersteller werden die digitalen Assistenten ebenfalls ins Auto bringen.

Mama ist der Prototyp für solche personalisierten Dienstleistungen. In Werbefilmen werden Amazon Alexa und Google Home als familiengerechte Kümmerer für alle Lebenslagen präsentiert. Schon in den Fünfzigerjahren wollten Wissenschaftler eine Maschine als "generellen Problemlöser" schaffen. Fleißig wurden die ersten Großrechner mit Expertenwissen gefüttert. Statt eines Superhirns entstand jedoch nur eine höhere Form von Buchhaltungsprogramm mit starrem Regelwerk. Deshalb konzentrierten sich Forscher und Entwickler zunächst auf spezifische Probleme wie Sprache, Text- und Bilderkennung. Im Gegensatz zu Mama haben vermeintlich intelligente Maschinen bisher kein oder kaum Kontextverständnis. Die meisten Sprachcomputer im Auto können sich noch nicht einmal merken, was im Dialog zwischen Mensch und Maschine bereits gesagt worden ist.

Künstliche Intelligenz wird dem Menschen überlegen sein

Von wegen künstliche Intelligenz: Programmierte Maschinen warten auf eindeutige Befehle. Dann arrangieren sie ein paar Worthülsen rund um ein klar definiertes Themengebiet. Trotzdem ist die Nachfrage in den USA nach digitalen Assistenten groß. Wie so oft ist es die richtige Verbindung mehrerer Technologien, die plötzlich ein exponentielles Wachstum auslöst: "Es geht um Computer, die denken und handeln wie wir Menschen und die bei allem hinzulernen, was sie tun", sagt Bernhard Rohleder vom Hightech-Verband Bitkom. Möglich wird der Eindruck eines intelligenten Gegenübers durch neuronale Netzwerke mit einer exponentiell gestiegenen Rechenleistung. Dass die Sprachausgabe noch immer extrem limitiert ist, scheint kaum jemanden zu stören.

"Künstliche Intelligenzen werden fast alles erlernen, was Menschen können - und noch viel mehr", erwartet Jürgen Schmidhuber. Der Professor ist überzeugt: "Es wird nicht mehr Jahrhunderte dauern, bis wir wahre künstliche Intelligenz entwickelt haben, sondern höchstens noch Jahrzehnte." Schmidhuber ist seit 1995 Co-Direktor des Schweizer Instituts für künstliche Intelligenz (IDSIA). Einer seiner Studenten war 2011 an der Gründung von Deepmind beteiligt. Die auf neuronale Netze spezialisierten Experten wurden später von Google übernommen. Im März dieses Jahres hat Deepmind erstmals einen der weltbesten Spieler im asiatischen Strategiespiel Go geschlagen. Ein Triumph, der in der Schachwelt schon 20 Jahre zurückliegt: 1997 siegte der Supercomputer Deep Blue zum ersten Mal über den Schachweltmeister Garri Kasparow.