Zukunft der deutschen Traditionsmarke Die Brennstoffzelle ist in weiter Ferne

Chefdesigner Gorden Wagener genießt weitgehend Narrenfreiheit, doch die Stimme des Technikvorstands Thomas Weber verlor in den letzten Jahren an Gewicht. Das mag auch daran liegen, dass er sich mit manchen Ideen nicht gegen das Führungsduo Dieter Zetsche und Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard behaupten konnte. Die Brennstoffzelle beispielsweise rückt in immer weitere Ferne, die bereits 2007 angekündigte Hybridoffensive scheint unter dem Kostendruck zu schrumpfen wie Wolle im Heißwaschgang, ein erst auf C-Klasse-Basis und dann als Teil der E-Klasse-Familie konzipierter Sportvan wartet auf die Freigabe. Weil der Vorstand zu den anstehenden Vertragsverlängerungen glänzende Zahlen vorweisen will, muss massiv gespart werden. Das kann schon mal dazu führen, dass wichtige Investments nicht getätigt werden, obwohl dem Unternehmen dadurch spätere Gewinne in vielfacher Höhe entgehen.

Nächstes Jahr steht im Zeichen einer großen Produktoffensive. Während die überarbeitete E-Klasse klar besser aussieht als der barocke Vorgänger, haben die Stilisten bei der neuen S-Klasse außen wie innen ziemlich dick aufgetragen - das gilt besonders für die AMG-Variante. Das für 2014 avisierte große Coupé ist dagegen bildhübsch. Man kann über Formen geteilter Meinung sein, doch angesichts von SLK, SL und SLS muss die Frage gestattet sein, warum Front und Heck hier so gar nicht miteinander korrespondieren. Ähnliches droht bei dem für 2015 angekündigten SLC (er ersetzt den SLS), der eine aggressive Schnauze und einen sanft gerundeten Hinterwagen im Stil des Porsche 911 spazieren fährt. Als Lichtblick gilt dafür die neue C-Klasse (2014) samt Kombi und Coupé.

Wo geht die Reise hin? Selbst Liebhaber der Marke werden den Eindruck nicht los, dass in Möhringen gerade soviel getan wird wie unbedingt nötig, damit die handelnden Personen gut dastehen gegenüber den Räten und den Aktionären. Ein weitgehend erfolgloses Formel-1-Engagement kann man sich offenbar leisten im Schwabenland - nicht aber den notwendigen Dreizylinder, den hoch motorisierten Diesel, das Bindeglied zwischen Smart und A-Klasse oder die Plug-in Hybriden, die zeitnah die 95 g- und 49g-CO2-Hürden nehmen. "Das Beste oder Nichts", so lautet der Slogan, mit dem Mercedes sich und uns Mut macht. Doch was ankommt, ist eine von Sparparolen flankierte Zufriedenheit mit dem Status Quo. Dabei wäre es an der Zeit, wieder Zeichen zu setzen in Bezug auf Sicherheit, Komfort, Perfektion und Faszination. Und für den überfälligen Strukturwandel, ohne den sich Mercedes nicht aus der Kostenklemme befreien kann.