Zu enge Garagen Klaustrophobie im Parkhaus

Wir leben im SUV-Zeitalter, doch die meisten Parkhäuser sind viel zu eng für Familien-Panzer wie den Jeep Grand Cherokee.

(Foto: Daniel Hofer)
  • Immer wieder zeigt sich: Im SUV-Zeitalter sind Parkhäuser zu eng geworden.
  • Die meisten Garagen stammen aus den Sechziger- oder Siebzigerjahren, aber die Autos sind seitdem deutlich gewachsen.
  • Die schlechte Nachricht: Abhilfe ist eher nicht in Sicht. Um die Lage zu ändern, müssen Parkhausbetreiber viele Probleme lösen.
Von Susanne Höll

Wer öfter mit dem Auto unterwegs ist, kann in Parkgaragen seltsame Erfahrungen machen. Man sieht Menschen, die versuchen, sich durch die geöffnete Heckklappe auf den Fahrersitz zu winden. Überliefert sind Berichte von Müttern, denen es nach dem Besuch beim Kinderarzt nicht mehr gelang, den schreienden Nachwuchs in das für gutes Geld abgestellte Gefährt zu bugsieren. Mancherorts finden Besitzer vergleichsweise bescheidener Mittelklasse-Wagen trotz Lücken keinen Platz in Großgaragen mehr.

Alles schlechte Autofahren? Von wegen. Viele Buchten sind längst zu eng für das SUV-Zeitalter.

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Die meisten Garagen zwischen Kiel und Rosenheim wurden in den Sechziger- oder Siebzigerjahren erbaut, in denen die Autos der Deutschen schmaler waren. 2,30 Meter ist die hierzulande bis heute weithin gültige Breite für einen Abstellplatz. Seinerzeit reichte das für einen Opel Kapitän und den Käfer sowieso. Heutzutage sind die Autos deutlich stattlicher, selbst ein VW-Golf hat mit den Jahren nahezu 20 Zentimeter zugelegt, von Luxus-Karren und Familien-Panzern nicht zu reden.

Alle Automobilclubs beklagen, dass Parkhäuser nicht mehr auf der Breite der Zeit sind. Tests ergeben regelmäßig, dass Buchten mit Standardmaß nicht mehr ausreichen. Ist Abhilfe in Sicht? Die schlechte Nachricht: eher nicht.

NRW schreibt eine Mindestbreite von 2,45 Meter vor

Zwar gibt es moderne, luftig anmutende Parkhäuser, die auch noch anständig beleuchtet sind. Aber die meisten Garagen aus dem 20. Jahrhundert müssten saniert werden. Der Bundesverband Parken empfiehlt eine Breite von 2,50 Metern. Manchmal ringen sich die Eigentümer zu Vergrößerungen durch. Nordrhein-Westfalen schreibt inzwischen eine Mindestbreite von 2,45 Metern vor, für Neubauten wohlgemerkt.

In vielen Fällen mögen oder können Besitzer das Platzproblem nicht lösen. Wandeln sie drei alte Buchten in zwei um, verlieren sie ein Drittel ihrer Einnahmen. Andernorts erlaubt die Statik keine Verbreiterungen, sagt Park-Verbandssprecherin Elisabeth Herles. Einkaufszentren müssen zudem einen Mindestparkraum anbieten, der nicht unterschritten werden darf. Wann wird es besser? Herles bleibt vage: "Sukzessive ändert sich die Lage."

Die Hoffnungen ruhen auf dem selbstfahrenden Auto

Dass die Autos künftig schmaler werden, ist nicht zu erwarten. Wohlmeinende Ratschläge, man solle ein schlankes Modell kaufen, sind eher wohlfeil, solange es nicht alle tun. Wenn die Räder von Monster-Wagen auf oder gar über den weißen Grenzstreifen stehen, kommt man auch mit schmächtigen Gefährten nicht in die Lücken. Versucht man es, endet das mit ebenso unschönen wie kostspieligen Kratzern und Dellen am eigenen Auto, dem Nachbar-Fahrzeug oder den schon jetzt mit Rissen und Striemen verunzierten Stützsäulen und Pollern.

Apcoa, einer der größten Parkhausbetreiber in Deutschland und Europa, würde gern breitere Buchten anbieten, sagt Sprecher Sebastian Merkle. Doch Umbauten lägen in der Verantwortung der Besitzer. Auch er macht wenig Hoffnung auf entspanntes Parken: "Vielleicht kann uns das selbstfahrende Auto irgendwann an der Einfahrt aussteigen lassen und sucht sich selbst einen Platz."

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