Ein Ausritt ins Hinterland von Bologna mit 500 PS und einem "Werksveteranen"
Er schafft es nicht, er schafft es nicht! Alarm im Hirn, der Körper spannt sich bis in die letzten Fasern, die Rechte krümmt sich um den Türinnengriff, die Beine sind gegen die Bodenplatte im Fußraum gestemmt.
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Gleich geht's los - mit dem Gallardo in die Berge (© Foto: Schätzl)
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Alles, weil eine Haarnadelkurve droht. An sich kein Problem. Jetzt schon, denn wir sind schnell unterwegs. Verdammt schnell.
Und auch schon mittendrin. Unerbittlich wird das Auto in sie hineingerammt, protestiert, wischt hinten weg, wird pfeilschnell zur Räson gebracht, brutal weitergetrieben, zur nächsten Biege. Geschafft. Ich auch.
Der Fahrer hingegen sitzt offensichtlich völlig ungerührt hinter dem kleinen, mit schwarzem Wildleder bezogenen und unten abgeflachten Lenkrad. Er verzieht keine Miene, seine sichtbaren Bewegungen beschränken sich auf kurze, präzise Lenkeinschläge und blitzschnelles Ziehen per Mittelfingern an den Schaltwippen hinterm Volant.
Routine am Limit
Denn für Valentino Balboni ist das alles Routine. Auch unser Ausritt in die Berge, hier, in der Umgebung von Bologna. Hunderttausende von Kilometern hat der 56-Jährige hier schon abgespult, stets am Lenkrad von Automobilen, von denen fast alle allenfalls träumen. Valentino arbeitet bei Lamborghini, fing dort vor 38 Jahren an, als die Traumwagenschmiede selbst erst vier Jahre jung war, und er ist praktisch seit Anbeginn Testfahrer - einer jener wichtigen Männer, die diese ultraschnellen und -starken Autos in endlosen Testreihen auf ihr künftiges Straßendasein vorbereiten, sie regelrecht "einbrechen".
"Es kommt darauf an, einen Kompromiss zu finden zwischen den spezifisch rennwagenhaften Fahreigenschaften, die diese 'macchine' aufgrund ihrer Fahrwerksstruktur nun einmal haben und haben müssen, und alltäglicher Beherrschbarkeit auch durch Nicht-Rennfahrer", erzählt der Mann in ziemlich perfektem Deutsch (mittlerweile ist er auch zum bevorzugten Berater der internationalen Klientel geworden). "Dem entsprechend müssen wir unsere Autos abstimmen. Ein Mindestmaß an Federungskomfort ist trotz Priorität in puncto Straßenlage unerlässlich."
Federn? Welche Federn?
Davon scheint unser momentanes Gefährt indes kaum was mitgekriegt zu haben. Der pechschwarze Gallardo hat offensichtlich keinerlei Federung. Vor allem die Vorderachse ist knallhart abgestimmt, man hat den Eindruck, jede überfahrene Zigarettenkippe durch die gewaltigen Niederquerschnitts-Reifen hindurch zu spüren, bei höheren Tempi ist es, als ob der Sitz unter einem von unten mit einem Knüppel bearbeitet würde. Valentino räumt denn auch ein, dass die Abstimmung biem "kleinen Lambo" etwas zu straff geraten sei. "Aber besser so, als zu weich", sagt er auch.
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Surfrider Beach in Malibu