Zeitmaschinen (4): Opel Ascona 400 Der letzte seiner Art

Walter Röhrl besetzte mit dem Opel Ascona 400 einen der ganz wichtigen Meilensteine: Letzter WM-Titel eines klassischen Rallyeautos, danach verlor der Sport endgültig seine Unschuld.

Von Christian Kornherr

Die neue Zeitrechnung begann am 26. Januar 1981. An diesem Tag fand der Start zum heißen Teil der Rallye Monte Carlo statt, wo Audi sein WM-Debüt mit dem quattro gab. Es hatte ordentlich geschneit, und Hannu Mikkola gewann die ersten sechs SPs derart überlegen, dass trotz eines späteren Ausrutschers samt Ausfall klar war, dass hier gerade eine neue Epoche begonnen hatte.

Die Dinge sollten in den nächsten Jahren zum Wahnsinn der 500-PS-Gruppe-B-Flieger eskalieren und schließlich in den heutigen WRCs münden. Am 26. Jänner 1981 begann der Siegeszug von Allrad und Turbo und Hightech-Aufmarsch, also von all dem, was heute noch ein Rallyeauto ¬ausmacht. Der klassische Rallyestil und die damit verbundenen Geräte waren fortan in ein aussichtsloses Rückzugsgefecht verwickelt.

Und trotzdem: Es sollte noch zwei Saisonen dauern, bis die neue Rasse fahrbar und standfest genug war, dass sich ihre Überlegenheit auch in WM-Titeln niederschlug. Im letzten Jahr, 1982, brauchte es allerdings schon ein Rallyegerät auf dem Gipfel der Kunst, einen übermenschlichen Helden, um über die Mächte der Zukunft zu obsiegen: Walter Röhrl und den Opel Ascona 400.

Dabei waren sich im Herbst 1980 Röhrl und Audi schon fast handelseinig gewesen, dann kam es zu Verstimmungen, ab da ergab sich folgende Rollenverteilung: Audi wollte der Hersteller sein, der keinen Röhrl braucht, um Weltmeister zu werden. Der Walter sah es als seine heilige Pflicht an, mit unterlegenem Gerät die Audis zu biegen - war aber gleichzeitig deren bester PR-Mann. Keine Gelegenheit ließ er aus, um mit drastischen Vergleichen die Fähigkeiten des quattro zu preisen. Bester Sager ever: "In den quattro könntest Du einen dressierten Affen reinsetzen."

Gleich beim ersten Antreten bohrte er den Stachel tief ins Fleisch der Ingolstädter, er gewann eine recht trockene Monte, punktete dann mit seinem kreuzbraven Ascona fleißig über die gesamte Saison und hatte bei der Entscheidung an der Elfenbeinküste das Glück, dass seine Widersacherin Michèle Mouton die Nerven schmiss.