Zehn Spritspartipps So kommen Sie mit Ihrer Tankfüllung weiter

Start-Stopp-System, Bremsenergierückgewinnung und Schubabschaltung: Die Autobauer tun heute vieles, um ihren Autos das Trinken abzugewöhnen. Deutlich mehr Potenzial als bei diesen Technologien liegt aber beim Fahrer. Zehn Tipps zum Spritsparen.

Von Thomas Harloff

Der Kraftstoff ist für Autofahrer einer der größten Kostenfaktoren. Der Preis für Benzin und Diesel blieb zuletzt zwar überwiegend konstant, hat sich aber auf sehr hohem Niveau eingependelt. Umso wichtiger ist es, pro Tankfüllung eine größere Reichweite herauszuholen. Autofahrer können das selbst am besten beeinflussen, indem sie einige Grundregeln beachten. Und die funktionieren unabhängig davon, ob das eigene Auto ein sparsamer Diesel oder ein leistungsstarker Spritfresser ist.

1. Mit geringen Drehzahlen fahren

Besonders spritsparend fahren diejenigen, die den Motor bei niedrigen Drehzahlen halten. In der Stadt oder bei Überlandfahrten reicht ein Drehzahllimit von 2000 Touren in den meisten Fällen aus. Auf der Autobahn kann man in den meisten Autos unter 3000 Umdrehungen bleiben, wenn man sich an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hält. Höhere Drehzahlen sollten nur beim Überholen oder auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn erzielt werden. Um niedertourig zu fahren, muss der höchstmögliche Gang genutzt werden. Das kann in der Stadt der fünfte oder in manchen Autos ein noch höherer Gang sein.

Wer mit geringen Drehzahlen unterwegs ist, verbraucht nicht nur weniger Kraftstoff. Er schont gleichzeitig den Motor und senkt den Lärmpegel, was meist einen großen Komfortgewinn bedeutet.

2. Schnell hochschalten

Beim Anfahren und Beschleunigen verbraucht ein Auto am meisten Sprit. Dieses Phänomen kann man abfedern, indem man möglichst schnell in den nächsthöheren Gang schaltet. Experten empfehlen, beim Anfahren bereits nach einer Wagenlänge in den zweiten Gang zu schalten. Im zweiten und dritten Gang sollte spätestens bei 2000 Umdrehungen hochgeschaltet werden. Der Motor erzielt so eine "vollständigere, verbrauchsgünstigere und schadstoffärmere Verbrennung, als wenn man mit sanftem Fuß im mittleren Drehzahlbereich beschleunigt", erklärt der Verkehrsclub Deutschland VCD. Und keine Angst: Moderne Autos ruckeln auch unterhalb von 2000 Touren so gut wie nie. Und ein widerwilliges Brummen des Motors heißt noch lange nicht, dass etwas kaputtgeht.

Fahrer eines Autos mit Automatik können das Getriebe mit einem einfachen Trick zum Hochschalten bewegen: Nimmt man beim Beschleunigen kurz den Fuß vom Gas, wählt es selbständig die nächsthöhere Fahrstufe und senkt so das Drehzahlniveau.

3. Vorausschauend fahren, Schubabschaltung nutzen

Wer sein Auto intensiv gleiten lässt, also mit möglichst konstanter Geschwindigkeit fährt, verbraucht weniger Sprit, als wenn er ständig scharf bremst und stark beschleunigt. Dafür ist allerdings eine vorausschauende Fahrweise nötig. Erkennt man zum Beispiel frühzeitig, dass eine Ampel auf Rot springt, kann man den Fuß vom Gas nehmen und das Auto mit eingelegtem Gang ausrollen lassen. Dann arbeitet der Motor im "Schiebebetrieb" und aktiviert die "Schubabschaltung", sobald der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Dank dieser Technik, über die fast alle modernen Autos verfügen, wird in einer solchen Situation kein Kraftstoff mehr eingespritzt, obwohl das Auto mit laufendem Motor weiterrollt.

Ein großzügiger Abstand zum Vordermann hilft auch in anderer Hinsicht beim Spritsparen. Der Fahrer kann so Unregelmäßigkeiten im fließenden Verkehr ausgleichen und dabei den bestehenden Fahrzeugschwung nutzen, wie der VCD erklärt. Zudem erhöht die größere Distanz zum Vordermann die Verkehrssicherheit.

4. Auto entrümpeln

Übermäßiges Gewicht im Auto macht es nicht nur schwerfällig und träge, sondern erhöht auch den Verbrauch - und zwar deutlich. Eine Faustregel besagt, dass ein Mehrgewicht von 100 Kilogramm den Spritverbrauch um 0,3 bis 0,5 Liter nach oben treibt. Besonders schwerwiegend wirkt sich das bei Dachgepäck aus, denn es verschlechtert zusätzlich die Aerodynamik. Eine Dachbox erhöht den Verbrauch laut ADAC um etwa 20 Prozent - und zwar unabhängig davon, ob er leer oder gefüllt ist. Fahrradträger treiben den Spritverbrauch selbst dann um etwa fünf Prozent nach oben, wenn gar keine Fahrräder transportiert werden. Deshalb gilt: Dachboxen und Fahrradträger nach dem Urlaub nicht spazieren fahren, sondern im Keller oder in der Garage lagern.

5. Kurzstrecken möglichst meiden

Ein Motor braucht etwa fünf Kilometer, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bis es soweit ist, verbraucht er ungleich mehr Sprit - umgerechnet zwischen 30 bis 40 Liter auf 100 Kilometer. Das gilt selbst für besonders verbrauchsarme Modelle. Denn im kalten Zustand braucht der Motor ein fetteres, also mit zusätzlichem Sprit angereichertes Kraftstoff-Luft-Gemisch in den Brennräumen, um "rund zu laufen", wie der ADAC erklärt.

Zudem ist der Motorverschleiß bei kalten Temperaturen sehr hoch. Deshalb gilt: Wenn möglich, kurze Strecken lieber zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Und im Winter das Auto keinesfalls im Stand warmlaufen lassen. Das treibt Spritverbrauch und Verschleiß extrem nach oben.

6. Auf Reifenwahl und -druck achten

Immer mehr Reifenhersteller bieten sogenannte Leichtlaufreifen an. Diese haben einen geringeren Rollwiderstand, der Motor muss also weniger Kraft aufwenden, um das Auto anzutreiben. Laut einem Test der Fachzeitschrift Autobild verbrauchen mit solchen Reifen ausgerüstete Autos etwa 0,3 bis 0,6 Liter weniger auf 100 Kilometer. Achten Sie beim Neuwagenkauf daher darauf, dass das Fahrzeug mit den Leichtlauf-Pneus ausgerüstet ist. Werden neue Reifen fällig, können diese auch im Reifenhandel gekauft werden. Positiv: Die Ecoreifen kosten inzwischen nur noch geringfügig mehr als Standardmodelle.

Mindestens ebenso wichtig wie der richtige Reifen ist sein Druck. Haben die Reifen einen um 0,2 bar zu niedrigen Luftdruck, steigt der Spritverbrauch um bis zu zwei Prozent. Empfehlenswert ist, die Reifen immer mindestens auf den Druck aufzupumpen, den der Hersteller für ein vollbeladenes Fahrzeug angibt. Noch besser ist es, 0,1 bar mehr einzufüllen. Allerdings gibt es einen Nachteil: Ein hoher Reifendruck senkt nicht nur den Spritverbrauch, sondern auch den Federungskomfort. Außerdem können die Reifen dann schneller verschleißen.

7. Stromfresser ausschalten

Sind im Auto viele Verbraucher angeschaltet, leistet die Lichtmaschine Schwerstarbeit, um die Batterie stetig aufzuladen. Da die Lichtmaschine vom Motor angetrieben wird, verbraucht dieser so mehr Sprit. Deshalb sollten die Stromfresser, die nicht benötigt werden, ausgeschaltet werden. Im Winter wird zum Beispiel gerne vergessen, die Heckscheiben-, Rückspiegel- oder Sitzheizung auszuschalten. Sind diese aktiv, verbrauchen sie ebenso Sprit wie jeder andere im Auto verbaute Stellmotor. Somit trägt auch die häufige Benutzung von elektrischen Fensterhebern oder der automatischen Sitzverstellung zu einem erhöhten Spritverbrauch bei.

Der größte Stromfresser ist jedoch die Klimaanlage, die den Verbrauch im Stadtverkehr laut VCD um bis zu 1,8 Liter auf 100 Kilometer nach oben treiben kann. Ist es draußen sehr kalt oder warm, gibt es kaum Einsparpotenzial, will man im Auto nicht über Gebühr frieren oder schwitzen. Bei durchschnittlichem Wetter sollten Autofahrer jedoch darauf achten, die Klimaanlage möglichst sparsam zu nutzen. Manchmal muss sie auch gar nicht laufen. Bei einer Klimaautomatik gilt: Je näher die Innenraum- an der Außentemperatur ist, umso besser für den Spritverbrauch. Wer sie bei heißem Wetter dagegen auf 17 Grad einstellt oder den Innenraum im tiefsten Winter zur Sauna macht, wird an der Tankstelle erschrecken.

8. Motor ausschalten

Ist abzusehen, dass ein Ampelstopp länger dauert oder sich im Stau nichts bewegt, dann sollte man den Motor abstellen. Es gibt jedoch unterschiedliche Ansichten, ab welcher Standzeit sich das lohnt. Manche Experten halten zehn Sekunden für angemessen, andere sprechen von 20 Sekunden.

Viele modernen Autos nehmen dem Piloten den Schlüsseldreh ab, denn sie verfügen über eine Start-Stopp-Automatik: Legt der Fahrer im Stillstand den Leerlauf ein, geht der Motor automatisch aus. Tritt er die Kupplung, um vor dem Losfahren den ersten Gang einzulegen, springt das Auto von selbst wieder an. Bei Modellen mit Automatikgetriebe passiert dies, sobald man den Fuß von der Bremse nimmt. Geht es jedoch im Schritttempo voran und man muss hin und wieder nur sekundenweise anhalten, kehrt sich der Effekt der Start-Stopp-Automatik um. In diesem Fall ist es ratsam, das System auszuschalten.

9. Das richtige Motoröl verwenden

Ähnlich wie bei den Reifen gibt es auch Motoröle, die durch ihre besonderen Eigenschaften helfen sollen, Kraftstoff zu sparen. Bei den sogenannten Leichtlauf-Schmierstoffen handelt es sich um Synthetiköle, die sich durch bessere Fließeigenschaften und einen geringen Verdampfungsverlust auszeichnen. Laut ADAC wird dadurch die Reibung im Motor gemindert, weshalb dieser leichter dreht und so Energie spart. Allerdings haben die Leichtlauföle je nach Einsatzzweck des Autos unterschiedliche Einsparpotenziale. Im Schnitt sind auf der Autobahn bis zu zwei, bei Überlandfahrten bis zu vier und im Stadtverkehr bis zu sechs Prozent Kraftstoffersparnis drin.

10. Regelmäßige Wartung

Wer sein Auto regelmäßig von fachkundiger Hand warten lässt, hat nicht nur länger Freude damit und erhält dessen Wert besser, sondern begrenzt auch den Spritverbrauch. Denn bei einer Inspektion können Mängel wie eine falsche Motoreinstellung, eine verschlissene Zündanlage, defekte Zündkerzen oder ein verdreckter Luftfilter behoben werden, was sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt.