Rabatte und Preisköder gehören beim Kauf von Neuwagen mittlerweile dazu. Experten gehen davon aus, dass dies auch noch eine Weile so bleiben wird - nicht gerade zum Vorteil von Gebrauchtwagenverkäufern.

Die Klimaanlage als Zugabe, ein günstiger Preis bei rechtzeitigem Ordern des neuen Modells - Rabatte und Preisköder gehören bei Neuwagen mittlerweile dazu. Experten gehen davon aus, dass dies auch noch eine Weile so bleiben wird.

Volkswagen gibt sich beim Kauf des neuen Golfs großzügig. (© Foto: VW)

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Umgekehrter Effekt bei Gebrauchtwagen

Allerdings machen sich die Schnäppchen nicht nur beim Neukauf bemerkbar. Während sie dort ein etwas weniger großes Loch in die Brieftasche reißen, kann es beim Verkauf des Gebrauchtwagens den umgekehrten Effekt geben. Denn auch was beim Verkauf für das Auto später erzielt werden kann, hängt mit von dem einst erzielten Kaufrabatt ab.

Derzeit liegt das durchschnittliche Rabattniveau bei acht bis zehn Prozent des Listenpreises und wird auf gut 1700 Euro geschätzt. Dies hat eine Studie ergeben, sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer, Automobil-Forscher und Geschäftsführer des Prognoseinstituts B&D-Forecast in Leverkusen. Das Problem dabei: "Der Neuwagenmarkt und der Gebrauchtmarkt stehen in Beziehung zueinander."

Ähnlich sieht es Jürgen Schönleber, Sprecher des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) im baden-württembergischen Ostfildern: "Natürlich wirken sich die Rabatte auch auf den Markt für Gebrauchtwagen aus. Besonders bei jungen Gebrauchten spielt das eine Rolle."

Dass gerade junge und gut erhaltene Fahrzeuge aus erster oder zweiter Hand unter Preisdruck geraten, hat einen einfachen Grund. "Es kann schlecht angehen, dass ein Neuwagen mit Rabatt fast schon günstiger ist als ein entsprechender junger Gebrauchtwagen", sagt Roland Stach, Leiter der Marktredaktion bei dem Marktbeobachtungs-Unternehmen EurotaxSchwacke im hessischen Maintal.

Was beim Neukauf gespart wird, gibt es weniger beim Verkauf

Während diese Auswirkungen für Gebrauchtwagen-Interessenten verlockend wirken, können sie den Neuwagenkäufern Probleme bereiten. Denn was die beim Neukauf sparen, gibt es später eben auch prozentual weniger beim Verkauf. Und das Problem bezieht sich nicht ausschließlich auf die jungen Gebrauchten. "Das zieht sich hin bis zu den älteren", so Stach.

Schwierig kann es auch für jene Neukäufer werden, die gerade eben eine Rabattaktion verpasst haben oder kein Exemplar eines besonders ausgestatteten, günstigen Sondermodells mehr bekommen. "Auf dem Gebrauchtmarkt entwerten gut ausgestatte Sondermodelle jene Fahrzeuge, die keine entsprechende Ausstattung haben", erklärt Wilhelm Winter, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Düsseldorf. Ein Gebrauchtwagenkäufer würde kaum einsehen, für ein schlechter ausgestattetes Fahrzeug mehr Geld zu zahlen - auch wenn es als Neuwagen vergleichsweise teuer war.

Thema Tageszulassungen

Etwas anders als bei den offiziellen Rabattmodellen verhält es sich mit den so genannten Tageszulassungen - jenen Fahrzeugen, die der Händler kurz zulässt und dann günstiger verkauft. Für den Käufer bedeutet dies, dass in den Fahrzeugpapieren schon ein erster Halter eingetragen ist - der Händler.

Das macht sich auf dem Gebrauchtmarkt aber vor allem dann bemerkbar, wenn der Wagen nicht sehr lange behalten werden soll. "Wer seinen Wagen nach zwei oder drei Jahren wieder verkaufen will, sollte sich schon überlegen, ob ein zusätzlicher Besitzer in den Fahrzeugpapieren ratsam ist", so Ferdinand Dudenhöffer.

Später schrumpft der Wert mindernde Effekt solcher Einträge. "Je länger man einen Wagen fährt, desto ratsamer kann der Kauf eines Modells mit Tageszulassung sein."

Wenn der Wert möglichst stabil sein soll

Wem es allerdings um einen wirklich möglichst stabilen Wagenwert geht, der sollte nach Ansicht der Experten dort schauen, wo Rabatt kaum ein Thema ist. Denn da stehen die Autos, die sehr begehrt sind und später auch als Gebrauchte gefragt bleiben - was wiederum für entsprechend hohe Preise sorgt.

Die Suche danach kann sich derzeit jedoch schwierig gestalten: "Im Neuwagenbereich fallen mir nicht viele ein, die ihre Autos für die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers verkaufen können", sagt Wilhelm Winter. Die Autos würden eigentlich alle mit Rabatt verkauft.

Roland Stach kann auf Anhieb zumindest zwei Marken nennen: "Bei Smart gibt es kaum Rabatte, und auch beim Mini herrscht Preisdisziplin." Ähnlich sieht es bei Modellen aus, die nur in begrenzten Stückzahlen zur Verfügung stehen und für die es lange Lieferzeiten gibt. "Das gilt zum Beispiel für den XC 90 von Volvo."

Wohl weiterhin Rabatte

Doch auch wenn so mancher Gebrauchtwagen-Verkäufer künftig Tränen in den Augen haben dürfte - mit einem schnellen und vollständigen Schlussstrich in Sachen Rabatt ist kaum zu rechnen. "Wer einmal mit Rabatt angefangen hat, bekommt später Probleme, die Kunden zu überzeugen, dass es keine mehr gibt", so Stach.

Vergleichsweise sicher ist jedoch, dass die Preise neuer Autos nicht noch weiter bergab gehen. Laut Ferdinand Dudenhöffer dürfte das aktuelle Rabatt-Niveau die Spitze bilden. Aber erst 2005 könnte ein Jahr auf Normal-Niveau werden.

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(dpa/gms)