Weniger Punkte in Flensburg, die schneller verjähren: Verkehrsminister Peter Ramsauer will die Verkehrssünderdatei reformieren. Experten sehen dafür aber gar keine Notwendigkeit. Und die Opposition warnt, notorische Schnellfahrer könnten von den neuen Regeln profitieren.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat bisher eher selten die Gelegenheit genutzt, in ihren 2009 geschlossenen Koalitionsvertrag zu schauen. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat das jetzt getan und sich den elften Unterpunkt des Kapitels 4.4.1. zum Thema Mobilität vorgenommen. Der letzte Satz dort lautet: "Das Punktesystem beim Bundeszentralregister in Flensburg wollen wir reformieren, um eine einfachere, transparentere und verhältnismäßigere Regelung zu schaffen." (Hier gibt es den Koalitionsvertrag als PDF.)
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Tempokontrolle mit einem Radarmessgerät in Köln: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will die Punktevergabe für Verkehrsdelikte reformieren. (© dpa)
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Alleroberste Priorität schien das Projekt nicht gerade zu haben. Dennoch stehen die Planungen für eine Reform der Flensburger Verkehrssünderdatei offenbar vor dem Abschluss. Das Ministerium bestätigte der Süddeutschen Zeitung einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung von diesem Donnerstag "im Prinzip", jedoch nicht im Detail.
Bisher werden für Verkehrsdelikte je nach Schwere ein bis sieben Punkte vergeben. Künftig soll es nach dem Bericht der Bild-Zeitung nur noch ein oder zwei Punkte geben. Der Führerscheinentzug droht dafür schon ab acht Punkten. Noch müssen 18 Punkte zusammenkommen.
Ramsauer verspricht mehr Transparenz
Noch wichtiger aber dürften die neuen Verjährungsfristen werden. Derzeit verlängert sich die Verfallzeit des gesamten Punktekontos automatisch um zwei Jahre, sobald zu den bestehenden Punkten ein weiterer hinzukommt. Künftig soll es für jeden Punkteintrag eine eigene Verjährungsfrist geben. Ein Zwei-Punkte-Eintrag verfällt nach drei Jahren. Ein Punkt nach zwei Jahren. Nach Informationen der SZ sind diese Fristen aber noch nicht fix. Es gibt offenbar Überlegungen, sie länger zu gestalten.
Am Morgen erklärte Ramsauer im ARD-Morgenmagazin: "Die Grenze von 18 auf acht runter, das klingt drastisch, aber relativiert sich dadurch, dass wir die Punktezahlen auch verkürzen. Bei Vergehen, bei denen es bisher bis zu drei Punkte gab, gibt es in Zukunft nur noch einen." Weitere Einzelheiten will er erst Ende Februar bekanntgeben.
Ramsauers Ziel ist mehr Transparenz: "Jeder muss selbst mit dem System zurechtkommen, ohne dass er einen Experten zu Rate zieht."
Kritik von Verkehrsexperten
Nur sehen Verkehrsexperten dafür gar keine Notwendigkeit. Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), findet, dass über einzelne Tatbestände gesprochen werden könne. Das System als solches aber hält er für transparent genug. Da gebe es klare Tabellen, in denen jeder nachlesen könne, welches Delikt mit wie vielen Punkten geahndet werde.
Er findet das neue Konzept auch nicht verhältnismäßig. "Wer mit Tempo 60 durch eine Tempo-30-Zone brettert, der begeht ein gefährliches Delikt", sagte er der SZ. Dennoch soll es dafür künftig nur noch einen Punkt statt drei Punkten geben.
Die neuen Verjährungsregeln könnten in der von der Bild-Zeitung berichteten Form zudem bedeuten: freie Fahrt für Raser. Wer sich alle sechs Monate einen Punkt einfängt, läuft demnach nicht Gefahr, irgendwann seinen Führerschein loszuwerden. Acht Punkte hätte er erst nach vier Jahren zusammen. Da sind die ersten Punkte aber längst wieder verfallen. Lottsiepen vom VCD fordert, dass zumindest bei gefährlichen Verkehrsdelikten die automatische Verlängerung der Verjährungsfristen beibehalten wird, wenn neue Punkte hinzukommen.
"Wir haben echt andere Probleme"
SPD-Vizefraktionschef Florian Pronold warnt im Gespräch mit der SZ: "Es darf keinen Rabatt geben für Drängler, Raser und Alkoholsünder." Genau das sei aber ein Kernelement des Vorschlags." Pronold vermutet dahinter Wahlkampfgeklingel. Die Verkehrssicherheit dürfe aber nicht "Opfer auf dem Altar des Stimmenfangs werden". Wenn es Reformbedarf gebe, dann liege der darin, die Selbstauskunft in Flensburg unbürokratischer zu gestalten.
Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter hält es ebenfalls nicht für notwendig, das System grundlegend zu ändern. "Wir haben echt andere Probleme im Verkehrsbereich als die Reform der Verkehrssünderdatei in Flensburg", sagte er der SZ. Er habe nichts dagegen, wenn immer mal wieder die Bußgeldsätze angepasst würden. Aber wenn es um Verkehrssicherheit gehe, dann helfe einzig die konsequente Durchsetzung der bestehenden Regeln. Das zeigten alle internationalen Erfahrungen. Dafür aber bräuchte es mehr Verkehrskontrollen.
Völlig unklar ist, wie bei einem Systemwechsel mit den bisherigen Punkten umgegangen wird. Vielleicht lässt Ramsauer ja alle auf einen Schlag verfallen. Mit so einer Generalamnestie würde er eines auf jeden Fall erreichen: Die Herzen der Raser würden ihm zufliegen.
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(Süddeutsche.de/mikö)
Deutsche Goldreserven
"- 30 km/h zuviel an einem Sonntag auf einer leeren Autobahn ist für mich definitv kein Fahrverbot wert "
Genau das ist es was ich meinte. Gefühlsmäßig würde ich Ihnen sofort zustimmen und, da ich auch kein Heiliger bin, auch bei mir könnte das vorkommen. Aber:
Bei 130 statt 100 auf der leeren Autobahn steigt der Schalldruck für die Umgebung um mind. 70% und das ist deutlich hörbar.
Bei einem Hindernis (Spanngurt, Wildschwein oder auch nur Vogel) für das bei 100 der Anhalteweg vollständig gereicht hätte beträgt die Aufprallgeschwindigkeit bei vorher 130 ca. 90 km/h. Zumindest bei einem Wildschwein (und auch so was hab ich schon auf Autobahnen gesehen) endet das zumindest mit schweren Verletzungen.
Ich persönlich finde diese Zahlen schon beeindruckend.
Gruß vom Kauz0^1
... ich meinte natürlich nicht das man sich um die Schilder mit den Zahlen drauf gar nicht kümmern braucht. Aber es gibt Straßenabschnitte auf denen sich die Geschwindigkeitsvorgaben alle 400 Meter ändern. An solchen Stellen wäre es in meinen Augen sinnvoller die niedrigere Geschwindigkeit auf der ganzen Strecke einzuführen, dann entfällt auch das sinnlose beschleunigen für wenige Meter. Abgesehen davon das vermutlich keiner jedesmal SOFORT die Geschwindigkeit ändert sobald er am Schild vorbei ist. Halt, doch. Da gibt es diejenigen, welche an solchen Stellen eine halbe Vollbremsung machen und damit Unfälle verursachen.
Die Schwere einer Kollision hängt in erster Linie von der Geschwindigkeitsdifferenz der Fahrzeuge auf. Wenn ich also nun auf einer freigegebenen Strecke 170 fahre, was nun wirklich moderat ist und einen Auffahrunfall mit einem Fahrzeug habe welches mit 95 ohne Rücksicht und unter Missachtung der StVzO nach links zieht bringe ich zwar mehr Energie mit, aber ich bin doch schwerlich an einem solchen Unfall schuld. Oder gibt zukünftig der langsamste die Geschwindigkeit für alle vor ? :-)
Ansonsten sei an dieser Stelle auch noch einmal deutlich gesagt:
- 30 km/h zuviel an einem Sonntag auf einer leeren Autobahn ist für mich definitv kein Fahrverbot wert
- 30 km/h vor einer Schule IST ein Fahrverbot wert, gar keine Frage. Nur wird vor Schulen seltsamerweise so selten geblitzt... Ein Schelm wer böses dabei denkt.
Aber dafür gibt aes auch jetzt schon für die Richter kaum Ermessenspielräume.
Und noch was an die Freaks mit ihren Träumen von Beschlagnahme des Einkommens und so weiter: Ihr seid echt nicht ganz frisch im Kopf. Wer von euch ist denn bisher im Leben immer GENAU so schnell gefahren wie erlaubt, wer von euch hat immer beide Hände am Steuer, wieviele Kilometer fahrt ihr. Eure Ideen sind Weltfremd. Sonst gar nix.
Der "gesunde Menschenverstand" hat sich im Laufe der Evolution ausgebildet. Allerdings ist die nicht so schnell. Der Mensch ist erst seit ca 100 Jahren mit Geschwindigkeiten über 50 km/h unterwegs, da hatte der "gesunde Menschenverstand" nich nicht viel Gelegenheit sich darauf einzustellen.
Deshalb sollten wir im Auto nicht unserem Gefühl (gesunden Menschenverstand), sondern unserem Verstand vertrauen und mal drüber nachdenken, was wir da so machen:
Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, dass der Reaktionsweg bei Tempo 50 länger ist als der gesamte Anahlteweg beim 30?
Passiert jedem mal, dass er mit 50 durch die 30er Zone fährt. Im Ernstfall macht es aber schnell mal den Unterschied von 50 km/h und nicht 20 km/h aus.
Ich weiß nicht wie firm Sie in Physik sind, aber die Berechnung des folgenden ist keine Hexerei:
Wenn Siei bei Tempo 100 auf der Landstraße noch vor einer möglichen Kollision anhalten konnten, haben Sie bei 20 km/h mehr eine Aufprallgeschwindigkeit von ca. 70 km/h.
Da hilft dann der ganze Menschenverstand nichts mehr, da hat man Glück, wenn der Arzt noch helfen kann.
Gruß vom Kauz01
Leider ist Drängeln Standard auf dt. Autobahnen! Niemanden scheint ernsthaft zu interessieren, dass es im Prinzip hier um Leben u. Tod geht, mindestens auf jeden Fall um versuchte Körperverletzung.
Die Anarchie auf Autobahnen hat inzwischen auch Fahradfahrer infiziert - auch hier gilt: ohne Rücksicht auf Verlust, Survival of the Fittest...-ein Spaziergang in München ist inzwischen kein Vergnügen mehr!
Jeder macht was er will...
die durch´s Dorf getrieben wird. Als der Verkehrsminister Wissmann den Strafenkatalog in Sachen Geldbußen auf ein extrem hohes Niveau gehoben hat sprachen alle vom "notorischen Drängler" den es zu bekämpfen gilt. Nun sind es die "notorischen Raser". Und schon sind alle bei drakonische Strafen, von der Zahlung eines Jahreseinkommens bis zum Verlust der bürgerlichen Rechte. Tenor "Man muss nur genügend Geld haben als notorischer Raser, dann klappts auch mit der Straffreiheit." Also leider immer dasselbe.
Mir ist egal ob ich von einem notorischen Alkoholiker, einem notorischen Raser oder einem notorischen Drängler gefährdert werde. Es muss einen Strafenkatalog geben und es müssen gerechte Strafen verhängt werden. Deswegen verstehe ich diesen Hpye um DEN notorischen Raser nicht, denn es geht im Sicherheit im Straßenverkehr und um einen "Kampf gengen den Raser".
Ich fahre seit 10 Jahren jeden Tag auf der Autobahn und mir macht nicht der Raser per se Angst, sonder schlicht und ergreifend der rücksichtslose Autofahrer. Dass kann jemand sein der mit 270 angeschossen kommt und einen dann mit Lichthupe ins All schießen will - der ist auf meinen Strecken allerdings selten. Es sind vor allem Leute die Spurwechsel ohne Blinken ausführen, die in letzter Minute doch noch den LKW überholen wollen und das sind auch oft genug LKW´s die einfach "rausziehen". Oder auch Autofahrer die, betrunken oder nicht, sich nicht entscheiden können welche Spur sie benutzen wollen und einfach mal zwei belegen.
Wenn der Verkehrsminister den zulässigen Alkoholpegel auf 1,25 Promille festlegt, wird dann hier ernsthaft darüber diskutiert dass der notorische Alkoholiker damit einen Freischein erhält und dass dann Touristen aus Nachbarländern kommen um hier besoffen über die Autobahn zu fahren?
Es geht um um die Verkehrssicherheit! Man sollte also nicht polemisch den notorischen Raser bemühen, den wir alle nicht mögen, der uns aber im richtigen Leben eher selten begegnet - und gegen den wir natürlich alle sind. Ob die Reform Sinn hat oder nicht kann man an dieser Polemik nicht festmachen, liebe Freunde der Sonne, da muss man schon etwas weiter ausholen und darf nicht auf das primitivste aller Argumente hereinfallen.
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