Waze Carpool von Google Digitale Fahrgemeinschaft will US-Städte vor dem Kollaps retten

Es gibt zu viele Autofahrer: Los Angeles gilt als eine der US-Städte mit dem schlimmsten Verkehr

(Foto: Bloomberg)

Amerikanische Autofahrer stehen oft im Stau. Google will daraus nun ein Geschäft machen - und greift damit das gehypte Start-up Uber an.

Von Johannes Kuhn, New Orleans

"Google nimmt es mit Uber auf", heißt es im Wall Street Journal und natürlich sorgt das in Tech-Kreisen für Aufregung. Ist die nächste Fehde zweier milliardenschwerer Tech-Firmen um ein wichtiges Zukunftsfeld ausgebrochen? Google baut ein Pilotprojekt aus, bestätigt auch die New York Times unter Berufung auf Firmenkreise. Schon seit Mai können 25 000 Mitarbeiter einiger Firmen in und um San Francisco eine Mitfahr-Funktion der App Waze verwenden. Waze ist der Smartphone-Navigationsdienst eines israelischen Start-ups, das Google 2013 gekauft hat. Ein ähnliches Pilotprojekt in Israel hatte großen Erfolg, so das Wall Street Journal.

Uber vermittelt in den USA Fahrer von Privatautos per Smartphone an Nutzer, die für eine Fahrt Geld bezahlen, ist also eine Taxi-Alternative. Waze dagegen verbindet Menschen miteinander, die ohnehin in die gleiche Richtung möchten - zum Beispiel, weil ihre Firmen nicht weit voneinander entfernt sind.

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Weil Waze ohnehin über registrierte Nutzer funktioniert, die durch Smartphone-Signale Echtzeit-Staumessungen ermöglichen, dürfte eine ausreichende Masse an Fahrern und Passagieren zumindest in Metropolen kein Problem sein. Theoretisch zumindest. Andererseits stellte der Uber-Konkurrent Lyft jüngst eine Fahrgemeinschaftsfunktion ein, weil sich nicht genug Fahrer fanden.

Pro Meile (1,6 Kilometer) erhält der Waze-Fahrer 54 Cent, Google verzichtet auf einen Anteil. Der Betrag ist üppig für Benzin und Verschleiß berechnet, bedeutet aber keinen ordentlichen Stundenlohn. Ohnehin sind die Fahrten auf zwei pro Tag begrenzt und Passagiere sollen schon mehrere Stunden vorher buchen. Die Funktion ähnelt also eher einer digital vermittelten Fahrgemeinschaft.

Überfüllte Autobahnen sind im Silicon Valley Alltag - wie in vielen urbanen Gegenden der USA. Der reguläre Verkehr von San Francisco bis in das Tech-Tal fließt in der Regel zäh. Es gibt zwar eine sogenannte Carpool-Lane, eine Extra-Spur für Fahrzeuge mit mindestens zwei Passagieren. Doch ist sie allzu oft leer. Der Amerikaner pendelt auch im umweltbewussten Kalifornien bislang meist alleine. Ungelöst ist bei dem Projekt, das Google "Waze Carpool" nennt, allerdings die Vertrauensfrage. Google setzt dem Vernehmen nach auf Bewertungen und verzichtet auf die Hintergrundprüfungen von Fahrern, die für kommerzielle Ridesharing-Dienste verpflichtend sind.

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Auch wenn es nur um ein Pilotprojekt geht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Geschäftsfelder der beiden Firmen sich stärker als noch vor einem Jahr überlappen. Google entwickelt autonome Fahrzeuge - Uber investiert ebenfalls in die Forschung dort und plant die ersten autonom gesteuerten Testfahrten in Pittsburgh.

Das mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertete Start-up hat zudem angedeutet, einen eigenen Kartendienst zu entwickeln, statt auf Google zurückzugreifen. Anfang der Woche wurde bekannt, dass Alphabet-Manager David Drummond aus dem Verwaltungsrat von Uber ausscheidet. Dies erinnert an den Rückzug des damaligen Google-Chefs Eric Schmidt aus dem Apple-Aufsichtsrat 2009, der den folgenden Betriebssystem-Konflikt Android gegen iOS vorwegnahm.

Allerdings sind Alphabet und Uber finanziell stark verwoben. Der Alphabet-Investmentarm GV (früher Google Ventures) hat 258 Millionen Dollar in Uber investiert, das entspricht Schätzungen zufolge einem Anteil von etwa sechs bis sieben Prozent an dem Start-up, das sich mit dem Börsengang weiterhin Zeit lässt.

Am ähnlichsten ist "Waze Carpool" dem Singapurer Start-up GrabHitch, das ebenfalls Pkw-Pendler zusammenbringt, und dem deutschen Angebot Flinc. Es existieren allerdings auch Parallelen zum Autohersteller Tesla. Der prescht nicht nur bei der Einführung von Selbstfahrfunktionen vor. Der hyperambitionierte Masterplan von Gründer Elon Musk sieht zudem vor, dass Tesla-Eigentümer ihre Fahrzeuge in Standzeiten als Roboter-Taxis Geld verdienen lassen können. Auch zum französischen Mitfahranbieter Blablacar bestehen Parallelen, dieser vermittelt jedoch vor allem Langstreckenfahrten zwischen Städten.

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