VW-1-Liter-Auto Komprimierte Technologie

Der 120 km/h schnelle Prototyp verbrauchte bei der Fahrt von Wolfsburg nach Hamburg 0,89 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Von Andreas Schätzl

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VW-1-Liter-Auto

Steuerzentrale - mit Airbag

(Foto: Foto: Volkswagen)

Anlässlich der 42. Hauptversammlung der Volkswagen AG in Hamburg wurde das derzeit sparsamste Auto der Welt vorgestellt: das 1-Liter-Auto. Der bis dato streng geheime Prototyp ist mit eigener Kraft von Wolfsburg aus zur Hauptversammlung in die Hansestadt gefahren worden.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung hatte Ferdinand Piëch, der damalige Noch-Vorstandsvorsitzende, am 14. April mit diesem Forschungsfahrzeug die Strecke zwischen dem Unternehmensstammsitz und Hamburg zurückgelegt.

0,89 Liter

Trotz schwieriger Wetterbedingungen konnte bei dieser Fahrt ein Durchschnittsverbrauch von 0,89 Litern pro 100 Kilometer erreicht werden.

Der Start fand am Sonntag morgen um neun Uhr vor dem Verwaltungshochhaus der Volkswagen AG in Wolfsburg bei Regenwetter statt. Die Route führte über die Autobahn A 39 zum Kreuz Königslutter, dann über die Autobahnen A 2 und A 7 und die Elbbrücken bis zum Hotel Vier Jahreszeiten an der Hamburger Binnenalster.

Ohne Störung hielt das aufgrund der Gewichtseinsparung unlackierte Fahrzeug mit dem Kennzeichen WOB - L 1 die 230 Kilometer lange Tour durch.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 75 km/h, nach rund drei Stunden Fahrzeit waren das Ziel erreicht und aus dem 6,5-Liter-Tank 2,1 Liter Dieselkraftstoff durch die Einspritzdüsen geronnen.

Sportwagenähnliche Konzeption

Dass es sich bei dem Gefährt nicht um ein spartanisches Forschungsauto, sondern um ein hochtechnologisches Spezialfahrzeug handelt, zeigt, so Volkswagen, vor allem "die sportwagenähnliche Konzeption".

Das beginnt bei der besonderen Sitzanordnung: Fahrer und Beifahrer sitzen in zentraler Position, allerdings zu zweit in Tandem-Position, also hintereinander, der Motor ist als Mittelmotor quer vor der Hinterachse installiert.

Das aufwändig konstruierte Leichtbau-Fahrwerk (Doppelquerlenker vorn, DeDion-Hinterachse) soll in Verbindung mit dem niedrigen Schwerpunkt und dem geringen Fahrzeuggewicht für ein sehr agiles Lenkverhalten sorgen.

Schmal und flach - und leicht

Aufgrund der konzeptbedingt notwendigen kleinen Windangriffsfläche wurde eine ungewöhnlich schmale und sehr flache Karosserieform gewählt.

Die im Windkanal entwickelte Karosserie des 3,65 Meter langen, aber nur 1,25 Meter breiten und etwas mehr als einen Meter flachen Fahrzeugs besteht vollständig aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff.

Aus Gründen der Gewichtseinsparung ist sie unlackiert. Die CfK-Außenhaut spannt sich über einen Spaceframe-Rahmen, der nicht aus Aluminium, sondern aus dem nochmals deutlich leichteren Magnesium hergestellt wurde.

Das Ergebnis dieser Diät: 290 Kilogramm Lebendgewicht

0,3 Liter für einen Liter

Beim Antrieb des 1-Liter-Autos handelt es sich um einen Einzylinder-Diesel, der als Mittelmotor vor der Hinterachse positioniert ist, und zwar in Kombination mit einem automatisierten Direktschaltgetriebe.

Kurbelgehäuse und Zylinderkopf des 0,3-Liter-Motors sind in so genannter Monoblock-Bauweise aus Aluminium gefertigt. 6,3 kW / 8,5 PS bei 4.000 / min leistet der Saugdiesel-Direkteinspritzer mit Pumpe-Düse-Hochdruckeinspritzung.

Das aus Leichtmetall gefertigte Fahrwerk und die Rollwiderstands-optimierten Leichtlauf-Reifen auf 16-Zoll-Felgen aus extrem leichtem Verbundwerkstoff korrespondieren laut Volkswagen perfekt mit dem sparsamen Antrieb.

Der sportlich knapp gestaltete Innenraum bietet Platz für zwei Personen, die nach dem Zurückklappen der kuppelartigen Flügeltür einsteigen können. Auch bei den Sitzen wurde absoluter Leichtbau angewendet. So besteht der Sitzrahmen aus Magnesium, statt klassischer Polster kommen Gewebespannbezüge zum Einsatz.

Sichere Sache

Trotz des Leichtbaus in allen Komponenten ist, so der Hersteller, die Sicherheit stets in allen Phasen der Entwicklung des Einliter-Autos ein wesentlicher Bestandteil gewesen.

So gehören ein Antiblockiersystem, ESP sowie ein Fahrerairbag zur Sicherheitsausstattung des Konzeptfahrzeugs. Deformations-Elemente im Frontbereich sowie die Spaceframe-Konstruktion sorgen für einen Aufprall- und Überschlagschutz, der dem eines GT-Rennwagens entsprechen soll.

Zudem verfügt das 1-Liter-Auto über durchaus alltagstaugliche Details. So befindet sich im Heck unter einer separaten Klappe ein Stauraum mit einem Fassungsvermögen von 80 Litern. Eine Rückfahrkamera hilft beim Rangieren. Eine automatische Ver- und Entriegelung der Flügeltür und ein Startknopf im Cockpit ermöglichen eine Bedienung ohne Schlüssel.

Sieben

Gefragt, wann das 1-Liter-Auto in Serie gehe, antwortete der neue VW-Chef Bernd Pischetsrieder in einem Fernsehinterview, das werde wohl erst in etwa sieben Jahren der Fall sein. Noch sei das Modell völlig unbezahlbar.