VW Citystromer Keine Panik bei Stromausfall
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Bisher keine zufriedenstellende Lösung beim E-Antrieb
(SZ vom 28.01.1995) Stellen Sie sich vor, Sie haben Geburtstag, in Ihren VW Citystromer haben Sie einen Kuchen für die Kollegen, Blumen und noch eine Tasche voll notwendigem Kleinkram dabei und wollen ins Büro. Mit kritischen Auge prüft man die Stromanzeige - das müßte eigentlich noch reichen - und macht sich auf den Weg. In weiser Voraussicht, wegen der Messe nicht in den unvermeidlichen Stau zu geraten, wählen Sie eine andere Strecke als üblich und - nichts zu machen: auch hier wälzt sich alles Richtung Innenstadt. Da arbeiten Sie sich nun peu à peu Richtung Büro und bemerken, wie unaufhaltsam der Zeiger sich dem Nullpunkt nähert und die Leistung nachläßt. Langsam steigt der Schweiß auf die Stirn, ein Szenario baut sich vor Ihnen auf: Der Wagen bleibt unwiderruflich stehen, hunderte Autofahrer rundherum, alle hupen und schimpfen: 'Typisch Frau am Steuer - hat wieder vergessen zu tanken'.
Um dieses Chaos nicht vollends Realität werden zu lassen, stellt man den Wagen an der nächsten halblegalen Möglichkeit ab und ruft sich ein Taxi. Innenhalb von Sekunden streicht ein kommunaler Parküberwacher rund um das Auto und zückt den Block. Der erste Versuch kein Ticket zu bekommen: 'Der Wagen ist stehengeblieben, ich komm nicht mehr weiter'. 'Holen Sie sich doch ein Überbrückungskabel', lautet die Antwort. Nach zwei, drei Minuten sieht er ein, daß da an Ort und Stelle bei einem Elektro- Auto nichts zu machen ist - und das Auto wird mit einem großen Zettel hinter der Scheibe vor Tickets geschützt.
Die Frage ist nun, ob eine solche (wahre) Geschichte mit einem Elektroauto denn wirklich passieren muß? Der Citystromer hat im Stadtzyklus eine Reichweite von 56 Kilometern. Unter optimalen Testbedingungen kann sie bis zu 80 Kilometer betragen. Wird dieses Auto aber nur in der Stadt gefahren - und darin liegt der tiefere Sinn des E-Mobils - muß diese Reichweite als nicht ausreichend bewertet werden. Selbst wenn der Fahrer optimale Voraussetzungen hat - das heißt, er fährt tagtäglich dieselbe Strecke von nur wenigen Kilometern und er rechnet sich aus, daß er mit einem 'Tank' soundsooft von A nach B kommt und dann erst wieder laden muß, scheint die Praxis schwierig.
Das Gros der Großstadtmenschen hat eben keine Garage mit Steckdose zuhause zur Verfügung. Und die Vorstellung man hängt aus den dritten Stock des Wohnhauses ein Verlängerungskabel zum Auto auf der Straße, dürfte nicht im Sinne des Erfinders sein - angsteckt wird der Golf übrigens an den Kabel, das sich hinter den vorderen Nummernschild verbirgt. Eins ist klar: Wer ein Elektroauto fährt, muß jeden Kilometer vor dem Start kennen und einschätzen können, ob die Ladung noch ausreicht.
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Nun aber genug davon, was ist, wenn das Auto steht - wie verhält es sich denn, wenn es fährt? Der Citystromer hat ein Fünfgang-Getriebe, das während der Fahrt genauso geschaltet wird, wie bei einem herkömmlichen Golf. Nur das Anfahren läuft ein bißchen anders. Da der Citystomer immer mit angezogener Handbremse und ohne eingelegten Gang geparkt werden muß, kann man den Wagen starten ohne das Kupplungspedal zu treten. Dann wird der erste Gang mit Kupplung eingelegt, Kupplungspedal loslassen und der Wagen rollt erst, wenn das Fahrpedal - nicht Gaspedal - gedrückt wird; gleiches gilt, wenn man mit dem Rückwärtsgang beginnt. Das Ein- und Ausparken des Citystromer ist ähnlich wie beim Ecomatic Golf: Der Fahrer muß viel Feingefühl im Fuß beweisen.
Im Stadtverkehr schwimmt der Citystromer problemlos mit und es fällt außer ein paar Fußgängern nicht auf, daß es sich um einen von Bleitraktionsbatterien betriebenen Golf handelt. Schwieriger wird es schon, wenn sich der 1690 Kilogramm schwere Wagen eine Steigung hinaufschleppen - auch wenn die Steigfähigkeit beim Anfahren bei 30 Prozent liegt -, oder einmal zügig aus der Kreuzung bewegt werden muß. Allerdings ist es bei reinen Stadtfahrten auch nicht ausschlaggebend, daß der Wagen von Null auf 30 km/h sechs Sekunden benötigt. Und auch die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ist nur ein statistischer Wert.
Abgesehen von der Reichweite - dieses Problem läßt sich erst lösen, wenn die Batterietechnik einen wesentlichen Schritt weiterentwickelt wurde - bewährt sich der Citystromer in der Stadt gut. Für Privatpersonen ist es fraglich, ob sich der Golf rentiert - bei einem Preis von immerhin 49 500 Mark, zumal die Ladefläche, eine der Stärken des kompakten Wolfsburgers, wegen der Batterien stark eingeschränkt ist, bleibt fraglich. Das dürfte auch dem Konzept bei VW entsprechen, denn der Citystromer soll vorwiegend an Großabnehmer wie die Post verkauft werden.
Von Marion Zellner