Von Von Georg Kacher

Noch nicht offiziell: Wolfsburg drängt mit Vollgas in die Lücke zwischen schnellem Lupo und Golf GTI.

Pssst — nicht weitersagen: Der schwarze Polo mit dem Braunschweiger Kennzeichen ist ein Geheimnis, ein Prototyp. Von außen sieht er zwar aus wie ein harmloser GT, er ist aber bestückt mit einem 1,8-Liter-Turbo und 132 kW (180 PS). Das sorgt für Kraft im Überschwang, der Kleine ist wendig wie ein Wiesel und dabei optisch so unverdächtig wie ein schwacher Saugdiesel.

Produktion eines Polo-GTI-Motors im sächsischen Chemnitz (© Foto: AP)

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Doch nach den ersten Testfahrten überkam die Marketing-Manager die Angst, der Motor wurde auf 110 kW (150 PS) eingebremst — chließlich wollte man dem eben vorgestellten Golf GTI nicht das Wasser abgraben.

Trotzdem: Das 147 kW (200 PS) starke Zugpferd wird es schwerer haben, ist der schnelle Golf doch eher souveräner Gleiter als ambitionierter Sportler.

Dagegen entspricht der Lupo GTI mit seinen 92 kW (125 PS) schon eher der Philosophie des Urmodells. Nur: Die in die Jahre gekommene Kurzware ist mit 18.500 Euro schlicht zu teuer.

Wenn also der Power-Polo Ende 2005 zum Verkauf kommt, wird sich die Preisstruktur ändern müssen. Und das könnte, so pfeifen es die Spatzen von Wolfsburger Dächern, so aussehen: 15.000 Euro für den Lupo GTI, 17.500 Euro für den Polo GTI und 22.500 Euro für ein rundum abgespecktes Golf-GTI-Basismodell.

Die Technik des schnellen Polo ist jetzt endgültig definiert; am Erscheinungsbild werden sich aber noch ein paar Details ändern, um sich deutlich vom Lupo-Nachfolger Fox abzusetzen.

Bei den Motoren wurde ein akzeptabler Kompromiss geschlossen: Von Haus aus gibt es den Mittelformat-GTI mit dem 150-PS-Motor; die 180-PS-Version verlangt nach Zuzahlung bei der hauseigenen Individual GmbH.

Das Brot-und-Butter-Modell beschleunigt in 8,3 Sekunden von Null auf 100 km/h, ist 215 km/h schnell und konsumiert im Schnitt 8,1 Liter für 100 Kilometer Strecke.

Der Motor ist ein alter Bekannter: 1,8 Liter Hubraum, fünf Ventile pro Zylinder, Soft-Turbo für viel Durchzugskraft bei niedrigen Drehzahlen: 210 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen.

Für den Sound sorgt eine großzügig dimensionierte Sportauspuffanlage mit zweiflutigem Endrohr, die akustische Skala reicht vom ungeduldigen Leerlaufbrabbeln über aggressives Teillastknurren bis hin zu heiserem Bellen bei Vollgas.

Der Clou des neuen GTI-Pakets ist die Synthese aus niedrigem Gewicht (angepeilt sind 1100 Kilogramm), kompakten Abmessungen, sportlicher Abstimmung und reichlich Leistung.

Straffere Dämpfer, härtere Federn und dickere Stabilisatoren disziplinieren das Fahrwerk in einem Maß, das man dem als Biedermann geborenen Polo nicht zugetraut hätte.

Für die Bodenhaftung sind Breitreifen im Format 205/45 R16 zuständig; noch in Arbeit sind neu gestylte Alufelgen, aerodynamische Hilfsmittel an Bug und Heck sowie das GTI-Make-up mit schwarzer Grillumrahmung und schwarzen Lüftungsgittern für Bremse und Ladeluftkühler.

Innen dominiert ein Touch Sportstudio. Geplant sind diverse Chromapplikationen, ein Vier-Speichen-Lederlenkrad, körpernah zugeschnittene Sitze und ein erweitertes Instrumentarium.

Genug Theorie — wir nehmen den Grand-Prix-Kurs von Paul Ricard unter die Räder. Die Lenkung arbeitet auf des Messers Schneide und das Fahrwerk legt sich mit Enthusiasmus ins Zeug.

Nur die Bremse wird rasch relativ weich und das Pedal lässt jene Nachhaltigkeit vermissen, die man mit den drei Kultbuchstaben GTI assoziiert. Trotzdem macht der schwarze Geheimnisträger unverschämt viel Spaß, ist mit Elan bei der Sache, denkt mit und kennt sich aus im magischen Dreieck aus Bremspunkt, Einlenkpunkt und Scheitelpunkt.

Auch auf den Routes Nationales oberhalb von Marseilles gibt sich der Inkognito-Polo gegen die schnellen Renaults, Peugeots und Citroëns keine Blöße. Von Kurve zu Kurve wird der Dialog zwischen Lenkung und Gaspedal facettenreicher, subtiler.

Wer bemüht ist, an seiner Linie zu feilen und den Bewegungsablauf zu perfektionieren, der wird das spontane Ansprechverhalten und die cremigen Reaktionen im Grenzbereich schätzen.

Ende der Dienstfahrt. Wir ziehen Bilanz und erinnern uns an die Worte des großen Vorsitzenden: "Dieses Modell füllt nicht nur die Lücke zwischen Lupo und Golf", glaubt Bernd Pischetsrieder, "es ist auch von den Fahrleistungen und vom Handling ein echter GTI."

Korrekt gebrüllt, Löwe. Nachdem die Spitze markiert ist, wächst der GTI-Mythos also Ende 2005 in die Breite, was in Zahlen übersetzt rund 15.000 Einheiten pro Jahr ausmachen dürfte.

Dominiert wird das Segment der kompakten Straßenfeger ganz klar vom Mini Cooper S, gegen dessen Image- und Dynamik-Bonus so schnell kein Kraut gewachsen ist.

Doch wenigstens den Franzosen vom Schlag eines Renault Clio Sport und eines Peugeot 206 RC will VW zeigen, wo der Hammer hängt. Irgendwann könnte es im Kielwasser des Golf R32 vielleicht sogar einen Polo R20 geben — mit verschärfter Turbo-Power, 250 PS und Leichtbau-Karosse. Sozusagen der Bonsai-Bomber für die real existierenden Verkehrsverhältnisse.

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(SZ vom 11.12.2004)