Volvo S60 Cross Country Auf Stelzen durch die Stadt

Die erste Limousine im Gelände

Volvo verpasst erstmals einer Limousine ein Offroad-Paket. Trotzdem wird man den S60 Cross Country vor allem in der Stadt sehen. mehr...
  • Der Volvo S60 Cross Country ist die erste Limousine fürs Gelände.
  • Mit mindesten 44 000 Euro ist sie allerdings wesentlich teurer als der S60 ohne Offroad-Gene.
  • Das SUV soll vor allem Großstädter ansprechen.
Test von Felix Reek

1990 bringt VW ein Auto auf den Markt, das die Wolfsburger noch lange bereuen werden: den Golf Country. Das Geländefahrzeug basiert auf der zweiten Generation des Verkaufsschlagers, der zu diesem Zeitpunkt schon sieben Jahre alt ist. Direkt vom Band landet der Golf in Österreich, wo ihm ein externer Zulieferer ein höheres Fahrwerk verpasst. Das Ergebnis ist ein Auto, das an einen Rentner erinnert, der mit hochgezogenen Hosen auf Zehenspitzen durch eine Pfütze watet. Zu einem astronomischen Preis: Mit mindestens 32 000 D-Mark ist der Golf Country fast doppelt so teurer wie das Standard-Serienmodell. Die Käufer sind geschockt: Der aufgebockte Kompakte floppt grandios und taucht heute allenfalls in Toplisten der "hässlichsten Autos aller Zeiten" auf.

Entweder kannte Volvo dieses historische Beispiel nicht, oder es hat sie nicht abgeschreckt. Der S60 Cross Country teilt sich mit dem Golf nicht nur den Namen, sondern auch das Konzept. Die Mittelklasselimousine unterscheidet sich gerade einmal durch eine höhere Bodenfreiheit (sieben Zentimeter) und diverse Offroad-Deko-Elemente vom Serienmodell, das auch schon fünf Jahre auf dem Markt ist. Teuer ist er noch dazu: 3000 Euro kostet der Cross Country Aufschlag - theoretisch. Da es die Limousine aber nur in der höchsten Ausstattungsvariante gibt, werden mindestens 44 000 Euro für etwas Luft unterm Bodenblech fällig.

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Das SUV ist das Alltagsauto unserer Zeit

Trotzdem besitzt das Konzept des S60 eine eigene Logik. Während der Golf Country 1990 nur Gelächter erntete, weckt heute bei vielen Menschen nichts so große Begehrlichkeiten, wie die Kreuzung aus Alltagsauto und Geländewagen. Der VW entpuppt sich im Nachhinein als Trendsetter, der seiner Zeit weit voraus war. Das SUV ist das Alltagsauto unserer Zeit.

Ins Gelände wird wohl trotzdem kaum ein Besitzer des neuen Volvos fahren. Dafür ist der S60 zu schick. Alles blitzt und blinkt. Wer will das schon mit Schlamm besudeln? Die schwierigste Aufgabe für den Volvo wird voraussichtlich ein unverschämt hoher Bordstein vor der nächstgelegenen Kita sein.

Im Inneren unterscheidet sich der Cross Country kaum von der Limousine ohne Country-Gene. Was nicht als Kompliment zu verstehen ist. Während die aktuelle Volvo-Linie wie das SUV XC90 auf Einfachheit setzt, ist beim S60 alles ziemlich kompliziert. Aus den vielen Knöpfen in der Mittelkonsole wird man auch nach einigen Tagen nicht schlau. Sogar eine komplette Telefontastatur ist abgebildet. Und das im Zeitalter des Smartphones.

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Nicht so schnell, aber auch nicht so protzig

Aber wie fährt sich der Schwede denn nun? Ordentlich. Aber eben auch unspektakulär. Zur Verfügung stehen zwei Diesel mit 190 PS und wahlweise ein Vier- oder Fünfzylindermotor. Die arbeiten solide und unaufgeregt. Fans sportlicher Antrittsorgien kommen nicht auf ihre Kosten. Aber das ist zumindest nicht so protzig wie bei der deutschen Konkurrenz. Die Lenkung ist exakt, das höhere Fahrwerk macht sich kaum bemerkbar. Das Sechsganggetriebe tut das, was es soll. Schalten.

Bleibt die Frage, wer den Volvo S60 Cross Country kaufen soll. Geht man davon aus, dass ein SUV/Geländewagen aufgrund seines Einsatzortes (die Stadt) ein vollkommen unsinniges Gefährt ist, kann eine SUV-Limousine nur das Superlativ dessen sein. Ein Reisegleiter, der durchs Gelände preschen soll.

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Das macht natürlich keinen Sinn. Der Cross Country ist nur minimal geländegängiger als die Limousine, kann demnach nichts, was der S60 nicht auch zu leisten vermag. Und der ist wesentlich billiger.

Aber vielleicht braucht es wie beim Golf Country einfach 20 Jahre, um die Qualitäten des Volvos zu entdecken. Denn die Schweden hatten 1997 schon einmal den richtigen Riecher. Da stellten sie den Kombi V70 auf Stelzen und nannten ihn "Cross Country". Heute macht das jeder Autohersteller.