Volkswagen? Kennt man in den USA! Dummerweise will die Autos dort keiner kaufen. Das soll sich ändern. Und zwar - zack, zack!
Der Ferdinand Porsche Drive ist eine kleine Straße in Herndon, einem dieser Nester, die man vor Augen hat, wenn man versucht, sich in ein ganz normales Amerika hineinzuträumen.
Das Image ist gut, der Bekanntheitsgrad hoch, aber leider stehen wir am Wochenende nicht immer auf der Shopping-Liste", sagt VW-US-Chef Jacoby (© Foto: Getty)
Anzeige
Ein Amerika ohne Subprime-Krise, ohne wirtschaftliche Abgründe, in dem glückliche Paare mit ihren Sportkinderwagen durch saubere Grünanlagen joggen. Ein kleiner Vorort von Washington, D.C., auf halber Strecke zwischen der Hauptstadt und dem Flughafen, wo elegante weiße Wohnsiedlungen auf Namen wie Woodland Park getauft werden und wo die Rasen der Vorgärten und die Parkplätze daneben dreimal so groß sind wie die Häuser.
Hier heißen Straßen Sunrise Valley Drive oder eben Ferdinand Porsche Drive. Hier lebt die Mittelschicht, die es geschafft hat. Hier gibt es kaum Arbeitslosigkeit. Und Stefan Jacoby, USA-Chef von Volkswagen, sagt, dass man hier glauben könne, es "gebe überhaupt keine Wirtschaftskrise".
Eine ideale Gegend also für eine USA-Zentrale. Noch vor ein paar Jahren residierte VW in Detroit, der Motorstadt - weil es immer so war, und weil dort alle großen Autokonzerne waren.
Schnell weg
Kurz bevor die Wirtschaftskrise richtig zuschlug und die amerikanischen Konkurrenten aus der Motorstadt wie die Domino-Steine nacheinander umfielen, verließen die Wolfsburger den größten Autofriedhof der Welt. Heute ist man wohl froh, dass man nicht mehr länger bei denen ist, die Milliarden vom Staat bekommen, um am Leben zu bleiben. Dann schon lieber in der Auto-Vorstadt von Washington, wo die Parkplätze üppig, die Vorgärten grün und das amerikanische Machtzentrum nur eine halbe Autostunde entfernt ist. Hier kann man auch Straßen nach Konzern-Urahnen benennen.
Von einer modernen Bürozentrale am Ferdinand Porsche Drive aus soll Stefan Jacoby jetzt die USA aufrollen. Zuerst nur ein bisschen, dann richtig. 2009 noch verkauften die Deutschen 213.000 Autos in den USA. 2013 sollen es doppelt so viele sein, 2018 dann wollen die Deutschen die Schallmauer von 800.000 Autos durchbrechen. "Das Image ist gut, der Bekanntheitsgrad hoch, aber leider stehen wir am Wochenende nicht immer auf der Shopping-Liste", sagt Jacoby. Zuletzt wurden die Shopping-Listen ohnehin immer kürzer - und zwar für alle. 2005 verkauften die Hersteller in den USA noch 17 Millionen Autos, 2009, im Krisenjahr, waren es gerade noch zehn Millionen. VW hofft in diesem Jahr auf einen Markt mit 11,5 Millionen Autos - und will davon möglichst viel abbekommen. Zuletzt stieg der Marktanteil von VW in den USA von 1,6 auf zwei Prozent - fast eine homöopathische Größe, aber Jacoby sieht seine Chance: "Die Trendwende ist eingeleitet", sagt er.
Die Wolfsburger wissen selbst, dass es nicht leicht sein wird, den US-Markt in den Griff zu bekommen. Für den Marktführer aus Deutschland ist Übersee Auto-Peripherie. Was in Europa Mainstream ist, hat auf der anderen Seite des Atlantiks nicht selten Exotenstatus, wie Golf GTI, Passat, Tiguan. Zudem, meint ein VW-Manager, seien die USA "ein künstlicher Markt".
Hier, wo der heimische Rivale General Motors mit Milliarden an Staatshilfen hochgepäppelt wird und seine Fahrzeuge leichter und billiger in den Markt drücken kann, gelten zurzeit andere Gesetze als in Europa. Aber wer wie Volkswagen bis zum Jahre 2018 den weltgrößten Hersteller Toyota vom Thron stürzen will, kommt um die USA, dem nach China zweitgrößten Automarkt der Welt, nicht herum - und muss hier sein Händlernetz kräftig erweitern und ein Massenhersteller werden. Acht Modelle haben die Wolfsburger in den vergangenen zwei Jahren auf dem US-Markt lanciert; in diesem Jahr soll ein neuer Jetta Marktanteile holen.
Der große Coup aber soll von 2011 an aus der tiefen Provinz heraus gestartet werden. In Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee baut der Konzern zurzeit ein großes Werk - erstmals seit über 20 Jahren will man wieder vor Ort bauen. Ab 2011 sollen hier 150.000 Fahrzeuge des eigens für den US-Markt konzipierten neuen Mittelklasse-Modells (New Midsize Sedan) vom Band rollen; eine Milliarde Dollar wird hier gerade investiert. "Wir wollen uns mehr amerikanisieren", sagt Jacoby. Vor Ort produzieren, regionale Zulieferer einbeziehen und damit die Dollarschwäche umschiffen - das ist das Rezept.
Allerdings kämpft VW nicht allein um den amerikanischen Markt - andere ausländische Hersteller wie Hyundai, Honda und die deutschen Hersteller Mercedes und BMW stehen in den USA noch vor VW. Der kostspielige Kampf um Marktanteile hat seinen Preis: Noch vor der Krise peilte VW in den USA Gewinne für 2009 an. Inzwischen ist klar: Profitabel wird die Mission Amerika wohl erst 2013 - wenn alles gut läuft.
- Thema
- Volkswagen RSS
- Volkswagen Die Köpfe der neuen Welt AG 09.12.2009
- Wirtschaft kompakt Endgültiges Aus für Karmann 17.12.2009
- VW: Langfristbonus für Manager Altes Denken 17.12.2009
- Porsche: Wiedekings Abgang Zehn Tage im Juli 17.12.2009
- Ex-Chef Wiedeking Porsche geht auf Nummer sicher 16.12.2009
- Volkswagen in den USA Charmeoffensive in Chattanooga 23.05.2011
- Neuer Nutzfahrzeugriese VW will MAN schlucken 09.05.2011
(SZ vom 12.01.2010/hgn)
Kuriose Schilder (4)
Warum E-Auto? Bei mir kommt auch der Strom aus der Steckdose, allerdings erzählen mir alle ständig, dass wir neue Kraftwerke brauchen. Auch schon ohne E-Autos. Das kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Wasserstoff könnte ich mir vorstellen, aber dazu braucht man auch Energie. Allerdings macht es bei einem Unfall einen grossen Bums. Da kann man sich dann schon mal den Airbag sparen, da weder von Auto noch von Insassen etwas übrig bleibt.
Das es keiner checkt.... wer als erstes ein ordentliches E-Auto oder Wasserstoffauto auf den Markt bringt hat gewonnen. Die Zeit der Benziner und Diesel ist vorbei. Der Amerikaner auf der Straße weis es schon die Manager schlafen immernoch.
Nebenbei der ganze Artikeln erinnert mich an den Film "Gran Tourino". Super Film!
Die Amerikaner stehen auf Hybrid -
insbes. Toyota / Lexus, Honda / Accura und Nissan / Infinity.
VW / Audi moechte mit DIESEL das Feld von hinten aufrollen ?!
Wie witzig.
Es est ja nicht so,dass VW nicht praesent waehre,was fehlt ist ein Konzept fuer die Weite. In den USA ist VW recht gut in den Ballungsraeumen vertreten,aber auf dem Lande in der Weite fehlt es. Wer hat schon Lust fuer eine Inspektion oder eine kleine Reparatur oder Teil 50 oder gar mehr Meilen zum naechsten Haendler zu fahren. Hier auf dem Land haben die grossen 3 noch ihre Kaeuferschicht,auch die Qualitaet muss spuerbar besser sein als bei den anderen,ebenso die Wirtschaftlichkeit. Der Diesel ist hier noch ueberhaupt nicht angekommen bei den Kaeufern,die glauben noch der ist noch sehr laut und Leistungsschwach wie vor 30 Jahren. Ob es VW gelingt,auch fuer seine Fahrzeuge,Mechaniker,oder wie man heute sagt Megatroniker in der geforderten Qualitaet den Werkstaetten zu Verfuegung zu stellen? Hier liegt der Schluessel zum Erfolg.
In den USA spielt Auto-Image nicht so eine große Rolle wie hier. Kann sein, dass VWs in Deutschland hohes Image haben. In den USA kümmert es niemanden. Seit Jahren ist der Lexus LS das meistverkaufte Luxusauto. Weit vor der (lt. diversen dt. Autozeitschriften) besseren S-Klasse von Mercedes, aber auch vor dem BMW 7er und Audis A8. In Deutschland wird der Lexus nur selten gekauft, weil er nach dt. Verhältnissen kein Image als Luxusauto aufweisen kann. Außerdem kaufen die Amis viel lieber Autos mit Design und Charakter. Das haben Volkswagen und Audis bei Weitem nicht. Da muss VW noch seeeehr lange arbeiten...