Verspätungen an Ostern Viele Baustellen behindern Bahnreisende

Die Bahn kommt - auch an Ostern. Nur etwas später.

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Heute beginnt die große Reisewelle zu Ostern. Und ausgerechnet über die Feiertage baut die Bahn an ihrem Schienennetz. Verspätungen bis zu 60 Minuten sind die Folge. Doch Verkehrsexperten zeigen Verständnis für den Zeitpunkt der Bauarbeiten.

Von Daniela Kuhr

Wer über Ostern mit der Bahn verreisen will, muss auf vielen Strecken mit längeren Fahrtzeiten rechnen. Die Deutsche Bahn will die Feiertage für diverse Modernisierungen am Schienennetz nutzen. An bundesweit mehr als 200 Stellen werde über das Osterwochenende gebaut, teilte der Konzern mit. Betroffen sind beispielsweise die Strecken zwischen Hamburg und Hannover, zwischen Mannheim und Saarbrücken, zwischen Bruchsal und Heidelberg, zwischen Berlin, Leipzig, Nürnberg und München sowie die rechte Rheinstrecke zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Koblenz.

Das Unternehmen bedauerte die Unannehmlichkeiten. Doch sei das Osterwochenende "mit seinen vier zusammenhängenden Tagen die einzige Gelegenheit für die Bahn, umfangreichere Gleisbauprojekte mit möglichst geringer Auswirkung auf Schüler-, Berufs- und Geschäftsreiseverkehr sowie den internationalen Güterverkehr zu realisieren". Die infolge der Bauarbeiten längeren Fahrtzeiten, Umleitungen oder auch Zugausfälle seien jedoch bereits seit Ende 2012 in die Fahrpläne und Verkaufssysteme eingearbeitet.

Längere Fahrtzeiten zu gleichen Preisen

Der Konzern, dem häufig vorgeworfen wird, zu wenig Geld in die Infrastruktur zu stecken und das Netz verkommen zu lassen, nutzt schon seit Jahren die Ostertage zu umfangreichen Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten. Insgesamt sollen in den kommenden Tagen 70 Kilometer an Schienen, 80 Weichen, 200.000 Schwellen sowie vierzig Brücken erneuert oder ausgebessert werden.

Je nach Entfernung bekommen die Reisenden die Folgen unterschiedlich stark zu spüren. Dauert eine Fahrt zwischen Heidelberg und Bruchsal normalerweise 20 bis 27 Minuten, so braucht man am Karfreitag 50 bis 76 Minuten dafür. Einen Teil der Strecke werden die Reisenden in einem Bus zurücklegen müssen. Wer von Berlin nach München im Zug fährt, kann das an normalen Tagen in gut sechs Stunden schaffen. Über Ostern wird es eine Stunde länger dauern. Die Ticketpreise bleiben jedoch gleich.

Verspätungen vergraulen Neukunden

Anton Hofreiter (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags, kritisierte die Ankündigung. "Es ist unverständlich, wieso die Bahn ausgerechnet in Ferienzeiten so viele Baustellen schafft." Denn gerade dann seien "Menschen unterwegs, die sonst eher selten mit der Bahn fahren und die man als Neukunden gewinnen könnte", sagte Hofreiter. "Wenn sie nun aber ihre Reise als langwierig oder beschwerlich erleben, dann werden sie für die Zukunft abgeschreckt."

Holger Krawinkel, Bahn-Experte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, zeigte etwas mehr Verständnis. "Wenn wir erwarten, dass die Bahn das Netz in Schuss hält, muss sie auch irgendwann bauen dürfen." Allerdings müsse der Konzern "Rücksicht auf die Reiseströme nehmen und nicht gerade in der Hauptreisewelle die meisten Strecken sperren". Eine Bahn-Sprecherin versicherte, das sei geschehen. Das Gros der Fahrgäste werde für Donnerstag erwartet. "Die meisten Bauarbeiten beginnen aber erst am Karfreitag."