Verkehrsopfer Unfallursache Nummer 1: überhöhte Geschwindigkeit

Echte Verbesserungen in der Verkehrssicherheit lassen sich durchaus noch erzielen. "Die drei Säulen Alkohol, Geschwindigkeit und Gurt bergen noch sehr viel Potential", so Ellen Townsend. Sie gelten als die drei Hauptrisikofaktoren für tödliche Verkehrsunfälle. Eine Befragung von EU-Bürgern zeigt, dass nur ein Drittel die im eigenen Land gültige Promillegrenze kennt. Das heißt, zwei Drittel wissen nicht, nach wie viel Alkohol sie nicht mehr ans Steuer dürfen. Am besten Bescheid wussten übrigens Verkehrsteilnehmer, in deren Land die 0,0-Promille-Grenze gilt.

Überhöhte Geschwindigkeit, auch in Deutschland eine der Hauptunfallursachen, ist laut einer Untersuchung der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, einer der häufigsten Auslöser für Unfälle. Daten aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass auf Autobahnen rund 30 Prozent der Fahrer Tempolimits überschreiten. Auf Landstraßen sind es etwa 70 Prozent. Innerorts halten sich bis zu 80 Prozent nicht ans vorgeschriebene Tempo.

Die größten Erfolge, die gefahrenen Geschwindigkeiten auf das vorgeschriebene Tempo zu reduzieren, verzeichnen Länder mit hoher Überwachungsdichte, ob mit festinstallierten Anlagen oder mobilen Polizeikontrollen; allen voran sind das Frankreich, die Schweiz und Spanien. Meist war die erhöhte Kontrolldichte verbunden mit der Einführung eines Punktesystems wie in Deutschland und empfindlichen Geldbußen.

Wie relevant eine Tempominderung ist, zeigt eine Faustformel aus der Unfallforschung: "Würde jeder Fahrer auf allen Straßen das Tempo um ein Prozent reduzieren, würden zwei Prozent weniger Unfälle mit leichten, drei Prozent weniger mit schweren und vier Prozent weniger mit tödlichen Verletzungen die Folge sein." Das bedeutet: In der EU müssten jährlich 2200 Menschen weniger sterben. Deshalb wird Tempokontrollen auch eine hohe Wirksamkeit bescheinigt. "Allein das Wissen, dass viel und konsequent kontrolliert wird, schreckt viele ab", erklärt Townsend. Etwa in den Niederlanden, wo 2008 pro 1000 Einwohner 558Geldbußen wegen zu schnellem Fahrens verteilt wurden. Gefolgt von Österreich mit 456Bescheiden.