Verkehr Großbritannien verbietet Rauchen im Auto

In Deutschland ist ein Rauchverbot am Steuer weiterhin nicht in Sicht.

(Foto: picture-alliance/ dpa)
  • Vom 1. Oktober an gilt in Großbritannien ein Rauchverbot im Auto in Anwesenheit Minderjähriger.
  • Bis zu 4000 Chemikalien werden durch Passivrauchen aufgenommen.
  • Studien haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind.
Von Felix Reek

Die Zeit, in der Raucher überall ihrer Sucht beziehungsweise ihrem Genuss nachgehen konnten, ist wohl endgültig vorbei. In vielen Restaurants, Bars und öffentlichen Gebäuden gibt es bereits Verbote, Großbritannien greift jetzt auch in Autos hart durch. Vom 1. Oktober an darf dort nicht mehr geraucht werden, wenn einer der Insassen unter 18 Jahren ist. Das gilt sowohl für den Fahrer als auch für die Passagiere. Bei Nichtbeachtung droht ein Bußgeld von 60 Pfund, umgerechnet etwa 85 Euro. Dabei ist es egal, ob die Fenster oder das Schiebedach geöffnet ist. Auch wenn Personen in der geöffneten Tür sitzen, greift das neue Gesetz. Ausgenommen von der neuen Regelung sind Cabrios und Personen, die sich alleine im Auto befinden.

Grundlage des Verbots sind Studien, denen zufolge Passivrauchen für Kinder und Jugendliche besonders gefährlich ist. Sie atmen schneller, ihre Organe und ihr Immunsystem befinden sich noch in der Entwicklung. Mit jedem Atemzug gelangen Tausende Chemikalien in ihre Lungen, die unter anderem Meningitis, Krebs und Bronchitis verursachen können. Die Feinstaubbelastung in einem Raucherauto entspricht einer Studie der schottischen Universität Aberdeen zufolge der Smog-Belastung in einer Großstadt. Im Schnitt lag sie bei 85 Mikrogramm pro Kubikmeter, im Extremfall bei 440 Mikrogramm. In einem rauchfreien Auto wurden gerade einmal 7,4 Mikrogramm gemessen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, 25 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht zu überschreiten.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass das Öffnen des Fensters für Besserung sorgt. Dadurch kann die Giftkonzentration nur minimal gesenkt werden, die Werte bleiben gesundheitsgefährdend. In einem Artikel des British Medical Journal hatten 600 Gesundheitsexperten zuvor gefordert, das Gesetz auf den Weg zu bringen. Dies sei nötig, da die Gegner des Verbots ihre Freiheit höher bewerten als das "Recht der Kinder, saubere Luft einzuatmen".

Ähnliche Gesetze in Griechenland und Frankreich

Großbritannien folgt damit einigen Ländern, die das Rauchverbot im Auto bereits erfolgreich eingeführt haben. Prominentestes Beispiel ist Griechenland: Dort ist seit 2010 das Rauchen im PKW in Gegenwart von Kindern unter zwölf Jahren verboten. Das gilt nicht nur für das eigene Auto, sondern auch für Busse und Taxen. Verstöße werden mit einer Strafe von bis zu 3000 Euro und einem Fahrverbot von einem Monat geahndet. Auch in Frankreich stimmte die Nationalversammlung im Juli dieses Jahres für ein Rauchverbot im Auto, wenn Minderjährige an Bord sind.

In Deutschland ist ein ähnliches Gesetz immer wieder im Gespräch, konnte sich bisher aber nicht durchsetzen. Zuletzt forderte die EU 2011 eine europaweite Regelung. Die Argumente gegen ein Verbot des Rauchens im Auto sind die gleichen wie in Großbritannien. Dort kommentierte Simon Clark, Direktor der Raucher-Lobby-Organisation Forest, das neue Gesetz mit den Worten: "Die große Mehrheit der Raucher weiß, dass sie es nicht in einem Auto mit Kindern tun sollten. Und sie brauchen keinen Staat, der ihr Privatleben managt." Den Rest solle man lieber erziehen, statt unnötige Gesetze zu erlassen.

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