US-Kongress verhört GM-Chefin "Kultur der Vertuschung"

Erklärte nur wenig: GM-Chefin Mary Barra am Mittwoch vor dem Senatsausschuss in Washington.

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Bei ihrer Befragung gehen die US-Senatoren nicht zimperlich mit General-Motors-Chefin Mary Barra um: Die tödliche Pannenserie beruhe auf "Täuschung", die Fehler bei GM seien "kriminell" - und Barra wisse "gar nichts über irgendetwas".

Nach der ersten unangenehmen Fragerunde im US-Abgeordnetenhaus hat sich GM-Konzernchefin Mary Barra einem weiteren scharfen Verhör im Kongress gestellt. Doch auch dem Ausschuss im Senat lieferte sie am Mittwoch keine Erklärung, warum der tödlichen Pannenserie bei dem größten Autobauer der USA über Jahre nicht nachgegangen wurde.

Erst der für Mitte oder Ende Mai erwartete interne Bericht der Opel-Mutter werde Klarheit schaffen, sagte Barra vor den Senatoren. Die seit Januar amtierende Chefin von General Motors wirkte ruhiger und konzentrierter als am Vortag, obwohl erneut schwere Vorwürfe gegen den Konzern im Raum standen.

Die Vorsitzende des Ausschusses, Claire McCaskill, sprach von einer "Kultur der Vertuschung" bei GM. Senator Richard Blumenthal sagte: "Ich halte es für unwiderlegbar, dass GM von diesem Sicherheitsmangel wusste, versäumte, ihn zu korrigieren (...) und ihn dann vor den Gerichten der Vereinigten Staaten verheimlichte."

Für mindestens 13 Tote und 31 Unfälle muss sich der Konzern verantworten, weil fehlerhafte Zündschlösser bei den zumeist in den USA und Kanada verkauften Autos verbaut wurden. Besonders fragwürdig scheint, dass im Jahr 2006 ein überarbeitetes Zündschloss verbaut wurde, das dieselbe Teilnummer behielt wie sein fehlerhafter Vorgänger. Barra räumte ein, dies sei "inakzeptabel" gewesen, während Senatorin Kelly Ayotte von "Täuschung" sprach. "Ich denke, das ist mehr als inakzeptabel. Das ist kriminell."

"Sie wissen gar nichts über irgendetwas"

Das US-Justizministerium ermittelt bereits, ob der Konzern möglicherweise bewusst Informationen über den Defekt zurückhielt. Barra verwies erneut auf die Ermittlungen des von GM engagierten Anwalts Anton Valukas. Er habe freie Hand, den Tatsachen zu folgen, unabhängig vom Ausgang seiner Untersuchungen. "Fakten werden Fakten sein", sagte Barra. Das Unternehmen werde "alles und jedes" veröffentlichen, was im Zusammenhang mit den Vorfällen und der Sicherheit stehe.

Am Dienstag hatte sie vor dem Repräsentantenhaus noch erklärt, man werde lediglich die "zweckdienlichen" Ergebnisse der internen Ermittlungen publik machen. Am Mittwoch stellte sie nun klar, dass der Konzern nur das zurückhalten werde, was seine Wettbewerbsfähigkeit einschränken oder den Datenschutz verletzen könne.

Die seit 33 Jahren bei GM tätige Barra beharrte darauf, von der jahrelangen Pannenserie erst am 31. Januar erfahren zu haben, kurz bevor der Konzern die ersten Fahrzeuge zurückrief. "Sie sind für dieses Unternehmen eine sehr wichtige Person. Etwas ist sehr seltsam, dass solch ein Top-Angestellter nichts weiß", sagte Senatorin Barbara Boxer. Später fügte sie hinzu: "Sie wissen gar nichts über irgendetwas."

Vor dem Repräsentantenhaus hatte sich die GM-Chefin bei den Betroffenen entschuldigt und sich "zutiefst betrübt" gezeigt. Um Entschädigungen für Opfer und Hinterbliebene soll sich Anwalt Kenneth Feinberg kümmern, der diese Aufgabe für schon nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übernahm.