US-Autohersteller Tesla baut jetzt mehr Elektroautos für Europa

Bisher ist Kalifornien der wichtigste Markt, doch jetzt will der US-Elektroauto-Hersteller Tesla nach Europa expandieren. Auch in Deutschland wird der Tesla S flächendeckend zu kaufen sein - zum Preis einer Mercedes S-Klasse.

Elektroautos gehört die Zukunft - darin sind sich die meisten Mobilitätsexperten einig. Erst vergangene Woche stellte BMW seinen neuen i3 vor, auch immer mehr andere Hersteller drängen auf den Markt. Trotzdem sind bereits einige Hersteller von Elektrofahrzeugen pleite gegangen, wie die US-Firma Coda, oder sie müssen sich mit schwachen Verkaufszahlen begnügen, weil sich die Kunden noch zurückhalten.

So muss Hybrid-Spezialist Fisker den Großteil seiner Mitarbeiter entlassen und sucht nach einem Investor. Auch die Elektroauto-Verkäufe von etablierten Autokonzernen bleiben hinter den Erwartungen zurück. Erst in dieser Woche senkte General Motors den US-Preis für seinen Chevrolet Volt, nachdem schon Nissan seinen Leaf billiger anbietet.

Der US-Hersteller Tesla ist dagegen weniger defensiv: Die Nachfrage nach seinem Elektrolimousinen-Modell S nimmt zu. Im Laufe des zweiten Quartals hat Tesla die Produktion von 400 auf annähernd 500 Autos pro Woche hochgefahren.

Jetzt wagt das Unternehmen, das bisher auf die USA und dort vor allem auf Kalifornien spezialisiert war, den Vorstoß nach Europa. In dieser Woche seien die ersten Wagen des Models S ausgeliefert worden, sagte Firmenchef Elon Musk am Mittwoch in einem Brief an die Aktionäre. Los ging es in Norwegen, der Schweiz und den Niederlanden. Auch in Deutschland wird das Model S angeboten, zum Preis von 72.000 Euro.

Im laufenden Jahr will der Hersteller 21.000 Autos ausliefern. Damit gehört das Model S zu den bestverkauften Elektroautos, obwohl es ähnlich teuer ist wie eine Mercedes S-Klasse. Firmenchef Musk hält bei einem ähnlichen Erfolg in Europa und Asien sogar mehr als 40.000 Verkäufe pro Jahr bis Ende 2014 für möglich. Die Aktie stieg angesichts der guten Zukunftsausschichten am Donnerstag vorbörslich um 16 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert des Papiers vervierfacht.

Tesla gilt als technologisch mit führend bei Elektroautos. Das einflussreiche US-Verbrauchermagazin Consumer Reports bewertete das Model S mit 99 von 100 Punkten - zuletzt hatte vor sechs Jahren ein Wagen diese hohe Punktzahl erreicht.

Hinter Tesla steht der umtriebige amerikanische Unternehmer Elon Musk. Er hatte den Hersteller 2003 zusammen mit anderen Investoren gegründet und später an die Börse gebracht. Einen Staatskredit für die Entwicklung umweltfreundlicher Autos über fast eine halbe Milliarde Dollar konnte er im Mai zurückzahlen.

Im ersten Quartal 2013 konnte Tesla den ersten Gewinn in der zehnjährigen Firmengeschichte verbuchen. Angesichts hoher Vertriebs- und Kreditkosten rutschte Tesla im zweiten Quartal allerdings in die Verlustzone zurück und verlor unterm Strich annähernd 31 Millionen Dollar (23 Millionen Euro). Toyota und Daimler beziehen Komponenten und Entwicklungsleistungen von Tesla und sind an dem börsennotierten Unternehmen beteiligt.