Doch es geht nicht nur um den Verkehrsfluss, sagt Fahrrad-Bürgermeister Bondam: "Verkehr ist ein Teil des Stadtlebens, nicht anders herum." Und deshalb will die Fahrrad-Hauptstadt Kopenhagen bis zum Jahr 2015 Öko-Metropolis werden. Statt bislang 36 Prozent der Bürger sollen dann 50 Prozent mit dem Rad zur Arbeit fahren.

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Um das zu erreichen, will man den Menschen mehr Möglichkeiten für urbanes Leben bieten. 90 Prozent der Einwohner sollten innerhalb von 15 Minuten Zugang zu einem Park oder einem Strand haben. Bondam zeigt Bilder vom einst hässlichen Stadthafen, der jetzt ein populäres Strandbad mit Cafés und Restaurants ist. Kein Wunder, dass neun von zehn Kopenhagenern angaben, glücklich zu sein. So wie der entspannte Herr Bondam.

Viele Städte eifern dem dänischen Vorbild nach. So will Amsterdam bis 2040 sein gesamtes Verkehrssystem zu hundert Prozent nachhaltig betreiben. Konventionelle Autos werden mit Umwelt- und Tempo-30-Zonen, hohen Parkgebühren und weniger Parkplätzen systematisch zurückgedrängt. Elektromobilität wird gefördert, indem 50 Prozent der Mehrkosten für E-Autos übernommen werden; zudem müssen weder Kfz-Steuer noch Maut oder Parkgebühren bezahlt werden.

Generell tut sich die Elektromobilität noch etwas schwer, auch wenn die elektromobile Stadt erklärtes EU-Ziel bis 2050 ist. Doch momentan sind die Zahlen zumindest für den Verkauf von E-Autos noch recht bescheiden: Weniger als 3000 E-Autos fahren in Deutschland von Ladestation zu Ladestation. Derzeit sind in Berlin 299 E-Modelle gemeldet, in München 264 und 197 in Hamburg.

Pedelecs dagegen boomen. Wurden 2010 in Deutschland etwa 200.000 Elektroräder verkauft, waren es 2011 schon 300.000. Und der europäische Markt verdoppelte sich innerhalb von zwei Jahren, die Prognose bis 2018 erwartet 600.000 E-Räder.

Es gilt also Platz zu schaffen für die Radfahrer. Immer mehr deutsche Städte haben dies erkannt und handeln entsprechend. Karlsruhe steigerte den Radleranteil von 16 Prozent in 2002 auf 23 Prozent 2010; im Frankenland gibt es die Kampagne "Nürnberg steigt auf". In Münster, wo schon mehr Radler als Autofahrer unterwegs sind, gilt das Motto "Kopf an, Motor aus", Stuttgart kopiert das Bicing-System und testet seit Oktober 100 Pedelecs an 44 Stationen.

Und die Piraten-Partei hatte in Berlin den Einfall, den ihr zustehenden Dienstwagen für den Parteivorsitzenden gegen 15 Dienstfahrräder und 15 ÖPNV-Monatskarten einzutauschen. Die Freibeuter scheiterten zwar an den Regularien des Senats, klar ist aber: Es tut sich was in den Köpfen. Denn schon der Architekt und Visionär Richard Buckminster Fuller wusste: "Es gibt keine Passagiere im Raumschiff Erde - nur Besatzung."

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  1. Das Rad der Weisen
  2. Weniger Autobesitzer, mehr Carsharer
  3. Sie lesen jetzt Verkehr ist Teil des Stadtlebens
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(SZ vom 09.01.2012/gf)